Das Trauma in mir – kann es jemals heilen?

Das Trauma, es ist immer in mir. Ich erinnere mich (nicht). Ich habe (keine) Bilder dazu. Ich sehe außen so vieles davon wieder. In Gesichtern, Absichten, Körperhaltungen, Tageslichtern. Worten. Täglichen Gefängnissen. Doch wie soll ich leben und arbeiten, wenn es immer in mir ist? Ich spüre: Es ist nicht starr. Ich kann es hin- und herbewegen. Und ich kann meinen Körper bewegen.

Manche Körperhaltungen bringen mich dem Trauma näher. Und wieder weiter weg. Das Trauma will gesehen, gefühlt, besprochen, beschwiegen, gehalten und gewürdigt werden. Aber es ist auch das andere da – das Unbeschädigte. Ich kann mich selbst beobachten, ich kann „es“ beobachten, wie es kommt und geht. Es lässt mich Mitgefühl und Mitleid haben – mit mir selbst und mit allen anderen, denen es auch so geht.

„Ein Trauma überwinden“ – was heißt das eigentlich?

Vielleicht kannst du größtenteils über dein Trauma nachdenken und dich selbst gut beobachten. Aber wenn es zu einer Situation kommt, in der sich alles wieder so anfühlt wie früher, dann kann es sein, dass der innere Abstand verloren geht. Das Innere ist stärker als die äussere Realität.

So fühlst du dich überwältigt – alles Nachdenken, alle beruhigenden Worte helfen nicht mehr. Du gerätst innerlich in Panik und reagierst wie immer, ohne etwas tun zu können: Die Panikattacke, der Durchfall, das Erbrechen, der Kopfschmerz, die Atemnot sind da. Die Zeit erscheint wie eine Ewigkeit, selbst wenn dir klar ist, dass du dich einer Situation vielleicht nur wenige weitere Minuten aussetzen musst.

Ein Trauma zu überwinden kann heissen, zu dem Gefühl zu erlangen, dass irgendwie alles gut ist. Traumasensitives Yoga kann dabei sehr gut helfen. Es kann dazu führen, dass du innerlich beweglicher bleibst und dass es dir dann auch unter Anspannung gelingt, fähig zum Nachdenken zu bleiben. Der innere Spielraum kann sich weiten, wenn du auch deinen Körper weitest, zum Beispiel durch tägliches, ultralangsames Yoga. Die Beziehung zu dir selbst und zu anderen kann weniger misstrauisch werden.

Durch ultralangsames Yoga kannst du deine Muskeln so trainieren, dass du dich langsam besser fühlst.

Ein Trauma zu überwinden kann auch heissen, „DAS“ kennenzulernen und die Katastrophe, die du im Kopf und im Körper hast und die irgendwie schon geschehen ist, annäherungsweise zu verstehen. Die Angst vor dem Zusammenbruch begleitet dich vielleicht immer wieder. Bleibe bei dir.

Wenn du eine Analytische Psychotherapie machen willst (wird von den Kassen gezahlt): In einer Psychoanalyse tauchen die Gefühle, die mit dem Trauma verbunden sind, wieder auf. Doch es wird nicht nur darüber geredet. Du kannst Unsagbares spüren und Dein Analytiker kann dich verstehen. Wird das Unaushaltbare liebevoll vom Analytiker gehalten, hat das etwas sehr Tröstliches – und auch Heilsames. Das Gefühl des liebevollen Gehaltenwerdens kannst du in dir auffnehmen. Dann fühlst du dich nicht mehr so „von allen guten Geistern verlassen“.

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Links:

Bessel van der Kolk (2015):
The Body keeps the score
Brain, Mind and Body in the Healing of Trauma
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Dunja Voos (2020):
Schatten der Vergangenheit
Trauma liebevoll heilen
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Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 4.10.2017
Aktualisiert am 20.12.2025

2 thoughts on “Das Trauma in mir – kann es jemals heilen?

  1. Gaby sagt:

    Liebe Melande, genauso habe ich das auch erlebt. Habe ein paar Anläufe gemacht: in einer körperorientierten Psychotherapie-Gruppe, bei einer esoterischen Allgemeinärztin, zuletzt in einer Hochschul-Trauma-Ambulanz. Jetzt hab ich diese üblichen Wege aufgegeben und versuche „es“ mit meinen eigenen meditativen und spirituellen Möglichkeiten zu bewältigen. Das ist jedenfalls jedesmal erleichternd, und ich habe das Gefühl, so komm ich weiter.

  2. Melande sagt:

    Ich musste meine schlimmen Erlebnisse immer `runterschlucken:.

    Zuletzt in meiner „tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie“ bei einem Psychoanalytiker, nachdem ich mir den Mut genommen hatte, vor diesem Arzt/Therapeut, den Deckel aufzumachen („es“ tief erschüttert und verzweifelt aus mir herausgelassen habe: WARUM HABT IHR MIR DAS ANGETAN?!!). Er hatte NUR, wie immer, mit seiner „gleichschwebenden Aufmerksamkeit“ zugesehen/zugehört. Sagte, als ich ihn nach diesem „Ausbruch“ anschaute (- immer gleiche unbewegte Mimik- ) gar nichts…… Ich habe, wie ich das inzwischen gelernt habe (mangels hilfreicher Reaktion vom Gegenüber), „es“ wieder schnell „weggedrückt“. Und habe, als wäre nichts gewesen, von was ganz anderem gesprochen.
    Frust ist zurückgeblieben, auch, nachdem ich ihn später darauf angesprochen habe.
    In mir ist die Frage entstanden: Haben ältere Psychoanalytiker (wie er), die ca. 40 Jahre lang von morgens bis abends Therapiegespräche machen, vielleicht ….EINFÜHLUNGSVERMÖGEN verlernt?

    Melande

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