„I fall in love“ heißt es, wenn wir uns verlieben. Auf englisch sagt man zu „schwanger werden“ auch „to fall pregnant“. Wenn wir fallen, dann geschieht uns etwas. Mitunter träumen wir in Alpträumen vom Fallen. Als ich einmal eine für mich sehr wichtige Beziehung zu Ende ging, träumte ich, dass sich die Holzpanelen vom Boden hochhoben und darunter ein tiefes Loch sei, in das ich fallen könnte. Die Tiefe ist körperlich spürbar. Wir spüren sie vielleicht vom Herzen an abwärts. Wenn wir fallen, scheint sich das Denken auszuschalten und die Muskeln werden schwach.Weiterlesen
Als „kataton“ (kata = griechisch: „von oben nach unten“, herab; tonus = Spannung) bezeichnet man einen Menschen, der nur noch da sitzt uns sich unter großer innerer Anspannung nicht mehr bewegt. Das kommt unter anderem bei sehr schweren Depressionen und Psychosen vor. Manchmal wippen die Betroffenen ihren Körper vor und zurück, weil das Schaukeln sie wenigstens etwas beruhigt. Manche Menschen spüren sich selbst und ihren Körper im starren Liegen oder Sitzen mehr als in der Bewegung. Weiterlesen
Alexithymie ist die Schwierigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu beschreiben und zu regulieren. Wenn wir ein Gefühl nicht wahrnehmen können, obwohl es gerade stark aktiv ist, können körperliche Beschwerden auftreten. Das Kleinkind spürt Wut vielleicht nur als „Bauchweh“ – anstatt eines Affektes hat es eine Körpersensation. Auch wir kennen das: Wir spüren Schuldgefühle, bekommen aber gleichzeitig Magenschmerzen, weil uns die Schuldgefühle zu viel sind und wir sie nicht besser regulieren können. Manchmal aber können wir unser Grundgefühl nicht erkennen oder benennen. Es kommt vielleicht zu einem Symptom (Angst, Kopfschmerz etc.), aber es fehlt die bewusste Wahrnehmung der Emotion (z.B. Wut, Neid, Schuld). Weiterlesen
„In meiner Klasse sind jetzt die Jungs in der Überzahl“, erzählt mir eine Lehrerin. Es handelt sich um dieselbe Schülerzahl und um dieselben Schüler. Doch einige Mädchen hätten im Laufe der Schulzeit festgestellt, dass sie sich als Junge fühlten. Sie wollten sich zu Männern entwickeln. Viele Ärzte unterstützten das recht früh mit Hormonbehandlungen, höre ich. Die Kinder wollten von den Lehrern und Lehrerinnen nun anders angesprochen werden. Viele Erwachsene sind ratlos. Wie lässt sich das verstehen?Weiterlesen
Normalerweise wollen wir das Negative vermeiden. Wir haben Angst vor dem „Schmerzgedächtnis“, wir wollen uns „rein“ halten und positiv denken. Doch indem wir versuchen, das Schlechte von uns wegzuhalten, machen wir uns eng. Es ist außerdem ermüdend – das Schlechte ist sowieso da. Die buddhistische Nonne Pema Chödrön stellt auf Youtube die Meditationsform „Tonglen“ vor. Dabei atmest Du ein, indem Du Dir eine klaustrophobische Enge vorstellst, etwas Dunkles, Dickes, Negatives. Du leitest diese Einatmung in Deinen gesamten Körper oder auch nur in Dein Herz. Paradoxerweise lassen dadurch Engegefühle im Herzen manchmal nach.Weiterlesen
Psychoanalytische Therapien wirken – das haben mehrere Studien erwiesen (siehe Literaturliste unten). Oft wird die lange Dauer der Behandlung kritisiert: Die von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten 300 Stunden sind für viele häufig nur der Anfang. In manchen Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse auch weiter, doch nicht wenige Patienten führen die Analyse mit Gespartem als Selbstzahler fort, andere nehmen sogar einen Kredit auf. Doch der Aufwand kann sich wirklich lohnen. Ich selbst denke manchmal: Die Psychoanalyse, die ich selbst gemacht habe, wird mir bis an mein Lebensende helfen. Weiterlesen
Am Anfang unseres Lebens steht die sehr nahe Beziehung zur Mutter. Neun Monate lang waren wir aufs engste mit ihr verbunden. Wie in einer Symbiose verbrachten wir – wenn alles gut ging – die ersten Wochen miteinander. Langsam kam für uns merklich der Dritte im Bunde dazu, der Vater oder die Lebenspartnerin der Mutter. Weiterlesen
Manchmal wird es uns plötzlich übel, ohne dass wir wissen, warum. Möglicherweise erleben wir gerade eine Situation, die wir unbewusst mit einer früheren Situation verknüpfen, die wir als überwältigend erlebten. Bereits damals wurde uns übel, denn das Überwältigende konnten wir nicht gänzlich aufnehmen – wir versuchten es, wieder auszustoßen. Vorgänge wie diese lassen sich mit dem Begriff „Embodiment“ beschreiben: Psychisches ist nicht nur in unserer Psyche vorhanden, sondern auch in unserem Körper. Weiterlesen
Vater und Mutter sind ein Paar. Das Kind ist ausgeschlossen. Das Kind wird größer. Zusammen mit anderen geht es zur Schule. Die anderen gehen auf Parties. Die anderen heiraten und bekommen Kinder. Sie leben in Häusern, aus deren Fenstern abends gemütliche Lichter funkeln. Einsam geht das Mädchen daran vorbei. Das Mädchen wird zur Frau – ganz alleine. Die Männer kehren zu ihren Frauen zurück. Die Frau bekommt ein Kind. Der Vater holt es in den Ferien ab. Vater und Tochter sind zusammen. Die Mutter ist ausgeschlossen. Es ist ausgeschlossen, dass sie jemals jemanden an ihrer Seite haben wird Weiterlesen
Wenn Du ständig andere Menschen zu Deiner Beruhigung brauchst, leidest Du vielleicht unter einer Ich-Schwäche. Das bedeutet, dass Deine „Ich-Funktionen“ eingeschränkt sind. Zu den Ich-Funktionen gehört zum Beispiel die Steuerung von Affekten wie Wut oder Beunruhigung. Auch das richtige Wahrnehmen der inneren und äußeren Welt gehört zu den Ich-Funktionen. Manchmal wird Dein steuerndes „Ich“ möglicherweise von einem strengen „Über-Ich“ mit seinen moralischen Vorstellungen und vom „Es“, also den Trieben, eingequetscht. Eine besonders ausgeprägte Ich-Schwäche heißt „Ich-Defekt“. Weiterlesen