Als „kataton“ (kata = griechisch: „von oben nach unten“, herab; tonus = Spannung) bezeichnet man einen Menschen, der nur noch da sitzt uns sich unter großer innerer Anspannung nicht mehr bewegt. Das kommt unter anderem bei sehr schweren Depressionen und Psychosen vor. Manchmal wippen die Betroffenen ihren Körper vor und zurück, weil das Schaukeln sie wenigstens etwas beruhigt. Manche Menschen spüren sich selbst und ihren Körper im starren Liegen oder Sitzen mehr als in der Bewegung. Weiterlesen
„In meiner Klasse sind jetzt die Jungs in der Überzahl“, erzählt mir eine Lehrerin. Es handelt sich um dieselbe Schülerzahl und um dieselben Schüler. Doch einige Mädchen hätten im Laufe der Schulzeit festgestellt, dass sie sich als Junge fühlten. Sie wollten sich zu Männern entwickeln. Viele Ärzte unterstützten das recht früh mit Hormonbehandlungen, höre ich. Die Kinder wollten von den Lehrern und Lehrerinnen nun anders angesprochen werden. Viele Erwachsene sind ratlos. Wie lässt sich das verstehen?Weiterlesen
„Ich soll spätestens nach einer Stunde Schmerzen etwas einnehmen, damit sich der Schmerz nicht ins Schmerzgedächtnis einprägt und dann immer leichter kommt und länger bleibt“, erklärt mir ein Patient, der an chronischen Schmerzen leidet. Dies habe ihm ein Arzt empfohlen. Ich höre das oft. Es ist, als ob viele Menschen sich gar keine Chance mehr gäben, bei Schmerzen nach Lösungen ohne Schmerzmittel zu suchen. Zu groß ist die Angst, die Schmerzen könnten sich wie auf einer Nerven-Autobahn in die Nervenbahnen einbrennen. Weiterlesen
„Es wird ernst“ – heißt: Es gibt kein Entrinnen mehr. Es ist real. Kein Spiel, kein Humor, kein Lockersein. Kein „Das-wird-schon-wieder“, kein „Alles-ist-möglich“. Es wird ernst. Der Boden unter den Füßen wird fest, die Blicke sind ehrlich, die Gefühle echt. Weiterlesen
Manchmal wird es uns plötzlich übel, ohne dass wir wissen, warum. Möglicherweise erleben wir gerade eine Situation, die wir unbewusst mit einer früheren Situation verknüpfen, die wir als überwältigend erlebten. Bereits damals wurde uns übel, denn das Überwältigende konnten wir nicht gänzlich aufnehmen – wir versuchten es, wieder auszustoßen. Vorgänge wie diese lassen sich mit dem Begriff „Embodiment“ beschreiben: Psychisches ist nicht nur in unserer Psyche vorhanden, sondern auch in unserem Körper. Weiterlesen
Vater und Mutter sind ein Paar. Das Kind ist ausgeschlossen. Das Kind wird größer. Zusammen mit anderen geht es zur Schule. Die anderen gehen auf Parties. Die anderen heiraten und bekommen Kinder. Sie leben in Häusern, aus deren Fenstern abends gemütliche Lichter funkeln. Einsam geht das Mädchen daran vorbei. Das Mädchen wird zur Frau – ganz alleine. Die Männer kehren zu ihren Frauen zurück. Die Frau bekommt ein Kind. Der Vater holt es in den Ferien ab. Vater und Tochter sind zusammen. Die Mutter ist ausgeschlossen. Es ist ausgeschlossen, dass sie jemals jemanden an ihrer Seite haben wird Weiterlesen
Es ist still. Nur der Atem geht. Einer schlägt die Beine übereinander. Einer streicht sich mit der Hand durch das Gesicht. Schlucken. Die Uhr tickt. Ein Räuspern. Darmgeräusche. Spannung auf der Haut. Leichte Übelkeit. Schwindet wieder. Wechselt mit Wohlgefühl. Die Ohren lauschen. Die Augen geschlossen. Wieder offen. Wo sind die Grenzen? Über dem Körper eine Schicht, die man nicht sieht. Ob der andere wohl darauf blickt und starrt und beobachtet? Ob er nur schaut? Oder sich lustig macht? Ob er gleich angreift – im Guten wie im Bösen? Oder gar schläft? Weiterlesen
Er lässt sich nicht verdrängen. Nicht begraben. Nicht erdrücken. Er ist immer da. Untransformierbar. Mal im Hintergrund, mal im Vordergrund. Er lässt sich nicht erweichen, nicht zum Lachen bringen. Er versteht Dich nicht. Er ist das Konglomerat des Bösen, das Du erlebt hast. Er steht da. Unerbittlich. In Dir. Der Böse. Und ist doch Teil von Dir. Weiterlesen
Man solle sich „in sich selbst zu Hause fühlen“ – dann könne man auch eine Partnerschaft eingehen, heisst es. Und doch ist das für manche Menschen ein Ding der Unmöglichkeit, weil das „Zuhause“ ein Ort von Geschrei, Missachtung und Grausamkeit war. Weiterlesen
Bei schweren psychischen Störungen spielen unbelebte Dinge oft eine sehr große Rolle: Messies häufen Müll an, zwanghafte Menschen sammeln Briefmarken, Fetischisten erregen sich an Stöckelschuhen und narzisstische Menschen brauchen dicke Autos. Bei Psychosen werden Dinge oft ganz speziell verwendet. Beispielsweise versuchen sich manche Psychotiker, sich mit Alufolie vor Strahlen zu schützen. Andere verwenden einen Schrank als Symbol für den psychischen Container oder nutzen ihn als Projektionsfläche und fürchten sich vor dem Dunklen darin.Weiterlesen