Stärke Dein vegetatives Nervensystem – lerne Deinen Körper kennen: Der Nacken (auch gut bei Tinnitus)

Viele vegetative Beschwerden kommen unter anderem daher, dass wir unseren Körper nicht gut genug kennen. Am Schreibtisch sitzend fühlen wir uns irgendwann wie eingelullt. Unsere Muskeln machen sich durch Verspannung bemerkbar oder wir leiden unter Kreislaufproblemen und unerklärlichen Beschwerden. Angst und Panikattacken können hinzukommen – Auslöser ist oft ein zu langes Verharren in derselben Position (das spielt sogar schon bei der Schulangst eine Rolle).
Wollen wir etwas gegen Nackenschmerzen tun, sind wir oft zu schnell. Wir lassen uns beim neuen Bewegungslernen kaum Zeit: Bei Nackenschmerzen drehen wir unseren Kopf in alle Richtungen in der Hoffnung, dass sich die Muskeln entspannen. Doch dazu fehlt die Grundlage: das gute Gespür. Lass Dir Zeit!
Wir müssen unseren Nacken erst wieder kennenlernen, damit wir uns wieder mit ihm wohlfühlen. In der Nacken- und Halsregion passiert ganz viel: Neben unserem Kehlkopf liegen in den Blutgefässen Druckrezeptoren – wenn wir mit unseren Händen Druck darauf ausüben, kann sich der Blutdruck verändern. Ebenso kann eine permanent angespannte Muskulatur mit Einfluss auf diese Druckrezeptoren nehmen, auch, wenn die Druckrezeptoren hauptsächlich den Druck von innen messen. Sie messen quasi den Blutdruck und regulieren den Körper.
Wenn du nun im Stehen oder Sitzen den Kopf gaaanz langsam nach hinten neigst, kannst du spüren, wie die Augen hinter deinen geschlossenen Lidern die Position halten, sich gefühlt also nach unten bewegen. Du spürst deinen inneren Schlund und dass du vielleicht schlucken musst. Du kannst den Luftweg verfolgen, den die Luft durch die Nase bis in den Rachen nimmt. Und du spürst vielleicht, wie sich dein Atem verändert oder wie die Bewegung sich bis in deinen unteren Rücken hinein auswirkt.
Wenn du den nach hinten gekippten Kopf millimeterweise, sehr langsam nach rechts oder links neigst und drehen, spürst du vielleicht, wie ein Nasenloch freier wird und die Luft besser hindurchströmen kann. Wenn du den Unterkiefer leicht vorschiebst, merkst du vielleicht, wie kurz ein Ohrgeräusch entstehen kann oder wie sich dein Tinnitus leicht verändert.
Ganz wenig nur
Du kannst die Bewegungen relativ klein halten und doch spürst du Effekte, wenn du nur ganz langsam vorgehst. Als Frau kannst du vielleicht sogar manchmal ein „Menstruationsgefühl“ spüren – auch, wenn du schon in der Menopause bist. Wenn du jünger und ganz aufmerksam bist, kannst du das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur (= Uterusmuskulatur) während der Regel bis in den Unterkiefer hinein spüren.
Diese Aufmerksamkeit können wir langsam schulen. Gerade beim Älterwerden, wenn vielleicht sowieso schon alles weh tut, fühlen wir uns manchmal wie eingesteift. Der Vorteil daran ist, dass wir unseren Körper sehr fein wahrnehmen können und schon Mini-Bewegungen genau spüren.
Wenn Du diese kleine Nackenübung nur für wenige Minuten ausführst, kannst Du langsam immer genauer spüren, was diese Minibewegungen auslösen. Versuche, mit Deinen Körpergefühlen vertrauter zu werden.
Wenn Du an Nackenschmerzen leidest, mache genau da Stopp, wo der Schmerz anfängt. Versuche, die Grenze herauszufinden zwischen dem Gefühl, das die Dehnung noch förderlich ist und dem Gefühl, dass jetzt der „schädliche Schmerz“ erreicht ist. Gehe immer wieder zurück hinter den Schmerz, der „zu doll“ ist und verharre etwas an dieser Grenze.
Wie fühlt sich der Schmerz an? Versuche, ihn innerlich genau zu beschreiben, während Du Deine Bewegungen machst. Du kannst in Deiner millimeterkleinen und langsamen Bewegung vielleicht eine Position finden, in der der Schmerz xumindest etwas weniger wird. Vielleicht ist er in einer bestimmten Position sogar ganz weg? Versuche, hier innezuhalten solange Du magst. Überhaupt achte auf Deine Intuition: Wo willst Du Dich oder Deinen Kopf jetzt ganz langsam hinbewegen? Gehe dem nach und bewege Deinen Kopf so, wie Du es gerade möchtest. Diese Bewegungsmeditation kannst du ganz langsam auch über den ganzen Körper hinweg ausweiten. Mache sie nicht zu lange – höre auf, wenn Du genug hast.
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Beitrag vom 7.2.2026 (begonnen am 11.10.2024)