Stärke Dein vegetatives Nervensystem – lerne Deinen Nacken kennen (auch gut bei Tinnitus)

Viele vegetative Beschwerden kommen unter anderem daher, dass wir unseren Körper nicht gut kennen. Am Schreibtisch sitzend fühlen wir uns irgendwann wie eingelullt. Doch bleiben wir zu lange sitzen, können unerklärliche Beschwerden, Angst und Panikattacken hinzukommen – Auslöser ist oft ein zu langes Verharren in derselben Position (das spielt sogar schon bei der Schulangst eine Rolle).

Wollen wir etwas gegen Nackenschmerzen tun, sind wir oft zu schnell. Wir lassen uns beim neuen Bewegungslernen kaum Zeit: Bei Nackenschmerzen drehen wir unseren Kopf in alle Richtungen in der Hoffnung, dass sich die Muskeln entspannen. Doch dazu fehlt die Grundlage: das gute Gespür.

Links und rechts neben unserem Kehlkopf liegen in den Arterien Druckrezeptoren – wenn wir mit unseren Händen Druck darauf ausüben, kann der Blutdruck sinken (Carotissinus-Massage – nur vorsichtig auf einer Seite ausprobieren, am besten im Sitzen). Ebenso kann eine permanent angespannte Muskulatur einen Einfluss auf diese Druckrezeptoren haben.

Wenn du nun im Stehen oder Sitzen den Kopf langsam nach hinten neigst, kannst du spüren, wie auch deine Halsschlagadern und dein Kreislauf darauf reagieren. Du merkst, wie sich die Augen hinter deinen geschlossenen Lidern in ihrer Position halten. Relativ gesehen bewegen sie sich also passiv nach unten.

Du spürst innen deinen Schlund und merkst, dass du vielleicht schlucken musst. Du kannst den Luftweg verfolgen, den die Luft durch die Nase bis in den Rachen nimmt. Und du spürst vielleicht, wie sich dein Atem verändert oder wie sich die Bewegung bis in deinen unteren Rücken hinein auswirkt.

Wenn du den nach hinten gekippten Kopf millimeterweise, sehr langsam nach rechts oder links neigst und drehen, spürst du vielleicht, wie ein Nasenloch freier wird und die Luft besser hindurchströmen kann. Wenn du den Unterkiefer leicht vorschiebst, merkst du vielleicht, wie kurz Tinnitus-artiges Piepsen entstehen kann.

Ganz wenig nur

Du kannst die Bewegungen ganz klein halten und doch spürst du Effekte, wenn du ganz langsam vorgehst. Als Frau kannst du vielleicht sogar manchmal ein „Menstruationsgefühl“ spüren – auch, wenn du schon in der Menopause bist. Wenn du jünger und ganz aufmerksam bist, kannst du das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur (= Uterusmuskulatur) während der Regel bis in den Unterkiefer hinein spüren.

Diese Aufmerksamkeit können wir langsam schulen. Gerade beim Älterwerden, wenn vielleicht sowieso schon alles weh tut, fühlen wir uns manchmal wie eingesteift. Dabei spüren wir schon Mini-Bewegungen. Auf eine Art nehmen wir unseren Körper feiner wahr – weil wir ihn besser kennen und weil er sich früher meldet. Er ist für uns spurbarer geworden.

Wenn Du diese kleine Nackenübung nur für wenige Minuten ausführst, kannst Du langsam immer genauer spüren, was diese Minibewegungen auslösen. Versuche, mit diesen Körpergefühlen vertrauter zu werden. Wiederhole diese Übung vielleicht ein paar Tage hintereinander morgens für wenige Minuten.

Wenn Du an Nackenschmerzen leidest, mache genau da Stopp, wo der Schmerz anfängt. Versuche, die Grenze herauszufinden zwischen dem Gefühl, dass die Dehnung noch förderlich ist und dem Gefühl, dass jetzt ein „schädlicher Schmerz“ erreicht ist. Gehe immer wieder zurück hinter den Schmerz und verharre etwas an dieser Grenze.

Du kannst in Deiner millimeterkleinen und langsamen Bewegung vielleicht eine Position finden, in der der Schmerz zumindest etwas weniger wird. Vielleicht ist er in einer bestimmten Position sogar ganz weg? Versuche, hier innezuhalten solange Du magst.

Achte auf Deine Intuition: Wo willst Du Dich oder Deinen Kopf jetzt ganz langsam hinbewegen? Gehe dem nach und bewege Deinen Kopf so, wie Du es gerade möchtest.

Diese Bewegungsmeditation kannst du ganz langsam über den ganzen Körper hinweg ausweiten. Mache sie nicht zu lange – höre auf, wenn Du genug hast.

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Beitrag vom 24.4.2026 (begonnen am 11.10.2024)

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