Wie lassen sich starke Affekte regulieren?

Bei grosser Wut oder starker Angst, ist es nicht leicht, einen klaren Kopf zu behalten. Doch es ist gut, wenn wir auch bei grosser Aufregung weiterhin denken und beobachten können. Wenn der innere Faden nicht abreisst, ist viel gewonnen. Wir können versuchen, durch eine verlängerte Ausatmung unser Nachdenken aufrecht zu erhalten. Je weniger traumatisiert ein Mensch ist, desto länger kann er Intensives fühlen und dabei weiter nachdenken.
Stark traumatisierte Menschen verlieren hingegen oft schon bei relativ geringen Affekten die Fähigkeit, sich zu steuern. Affekte zeigen sich in unserer Mimik und Gestik, in unseren Bewegungen und der Bewegungsbereitschaft (z.B. Muskelanspannung, Fluchtreflex). Hinzu kommen vegetative Reaktionen wie z.B. Blutdruckveränderungen, schnellerer Atmung, gesteigerter Darmtätigkeit oder Steigerung der Konzentration von Stresshormonen im Blut.
Weiterlesen als Mitglied.
Verwandte Artikel in diesem Blog:
- Bei der Affektabstimmung (Attunement) von Mutter und Kind gleichen sich Herzschlag und Atmung einander an
- Im Bann
- Mit der Wut umgehen lernen
- Gemeinsamkeiten von Somatic Experiencing und Psychoanalyse
- Ujjayi-Atmung hilft, Affekte zu regulieren
Links:
Rainer Krause:
Affekte und Gefühle aus psychoanalytischer Sicht
PiD – Psychotherapie im Dialog, Juni 2002, 3(2):120-126
doi 10.1055/s-2002-32454
www.researchgate.net/…
Luc Ciompi: Affektlogik
Affektlogik = Lehre vom Zusammenwirken von Fühlen und Denken
„Oberbegriff für eine Reihe von gefühlsartigen Phänomenen – ob man das Gefühl nennt, Emotion nennt, Empfindung, Befindlichkeit, oder auch Bestimmtheit – all das ist mit dem Wort ‚Affekt‘ als Oberbegriff gemeint.“ Prof. Ciompi, Vortrag 2022
• „Ich meine mit ‚Logik‘ alles Kognitive (Aufmerksamkeit, Gedächtnis, kombinatorisches Denken, Entscheiden etc.) … und wie man es zu einem Denkgebäude zusammenfasst.“
• „Emotionen, Affekte sind Energien. Die verschiedenen Emotionen sind an verschiedene Energieverbrauchsmuster gekoppelt … sympathikoton, parasympathikoton …“
• „Evolutionär gesehen ist es ein ‚Hin – zu‘ – alles, was mit Interesse und Liebe zu tun hat, ist ein ‚Hin – Zu“, was mit Angst zu tun hat, ist ein ‚Weg – von‘.“
Kognition habe mit Unterscheiden-Können zu tun.
Professor Luc Ciompi, Vortrag 2022
„1. Emotion und Kognition wirken in sämtlichen psychischen Leistungen zusammen.
2. Schalt- und Filterwirkungen von Emotionen beeinflussen ständig sämtliche kognitiven Funktionen.
3. Gleichzeitig erlebte Emotionen, Kognitionen und Verhaltensweisenverbinden sich im Gedächtnis zu integrierten Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen.
4. Kritisch steigende emotionale Spannungen können globale Veränderungen (sogenannte Bifurkationen) des ganzen Denkens, Fühlens und Verhaltens bewirken. (Anmerkung Voos: Siehe „System Overload“ von Robert Langs)
5. Emotionale Schalt- und Filterwirkungen auf die kognitiven Funktionen sind auf allen individuellen und kollektiven Ebenen selbstähnlich (fraktal) strukturiert.“
Vortrag 2022, https://youtu.be/81aE1I057Xc
Willy Baranger (2009):
The dead-alive: object structure in mourning and depressive states
Routledge 2009 „In the states belonging to the depressive series, mourning cannot be accomplished, and the person remains somehow tied to an object that can neither come to life again nor completely die.“
Beitrag vom 17.2.2026 (begonnen am 29.11.2007)
One thought on “Wie lassen sich starke Affekte regulieren?”
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Bei mir ist die Neigung zu starken zornigen Affekten NACH MEINER BRUSTKREBSKRISE entstanden, in der ich viele äußerst frustrierenden, auch schmerzhaften Erlebnisse im Verlauf der schulmedizinischen Behandlungen verkraften musste. Bis heute (viele Jahre sind vergangen) ist geblieben, dass ich, wenn ich kommunikativ „unmöglich, harsch-unfreundlich, mich-nicht-ernstnehmend und -abwertend“ behandelt werde (also interaktiv schlecht und falsch behandelt werde), einen heftigen Schrei-Impuls in mir aufsteigen spüre. Ich kann ihn einigermaßen steuern,auch zurückhalten, finde es aber meistens „besser“ ihn `rauszulassen, damit der betreffende Andere sein Fehlverhalten bemerkt.
Es ist wohl besser, Kritik ruhiger zu äußern (man sagt zu emotional geladenen Gesprächen: „Wer schreit, hat/bekommt Unrecht“), weil das Gegenüber diese dann besser annehmen kann. Und man ist dann auch weniger „auffällig“.
Ich kann jeden Satz in diesem Abschnitt nachempfinden. Das tut gut. Danke dafür!
Einen lieben Gruß von
Melande