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Hoffen, hoffen, hoffen

Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als zu hoffen. Manchmal kannst du nichts anderes tun, als Tee zu trinken und zu warten. Während du dich so ohnmächtig fühlst, schlägt dir das Herz bis zum Hals. Es fühlt sich an, als müsstest du sterben – weil du eben nichts tun kannst, während dein Innerstes rast. Aber du kannst hoffen – immer wieder hoffen und hoffen. Weiterlesen

Unfassbar einsam – ein Zweizeiler

Keine Geschwister. Schwister. Wister. Keine Eltern. ltern. milie. Unfassbar. einsam. gemeinsam. die anderen. nderen. nur. die. Weiterlesen

Der unbarmherzige Patient. Der unbarmherzige Therapeut.

Noch drei Minuten, sagt der grosse Zeiger. Gleich wird er klingeln, mein Patient. Wie fast jeden Tag zur vollen Stunde. Und ich kann nichts dagegen tun. Er wird da sein. Er wird wollen. Er will, dass ich zuhöre und nachdenke. Ich kann nicht weg. Dabei bin ich müde. Wie eine Mutter. Doch der Säugling, er gibt keine Ruhe. Er fordert und fordert. || Noch drei Minuten, sagt das Autoradio. Dann steige ich aus und begebe ich mich zur Tür meines Lehranalytikers. Er wird da stehen und auf mich warten. Ohne Gnade. Er fordert von mir, dass ich sage, was mir einfällt. Ständig. In jeder Sekunde. Meine ich. In meiner Welt. Er sitzt da und wartet und wartet. Wie ein Herrscher. Ich bin müde, ich will nichts mehr sagen. Doch er ist da, komme, was wolle.Weiterlesen

Die Perle in mir – wann mach‘ ich auf, wann mach ich zu?

Da ist eine Perle in mir. Ich bin eine Auster und lasse mich in der Tiefe des Meeres sanft hin- und herbewegen. Meistens ist meine Schale zu, denn ich befürchte, dass man mir meine Perle klauen könnte, wenn ich mich öffne. Was aber, wenn es gar nicht (mehr) so ist? Was, wenn die anderen respektvoll vor mir stehen bleiben? Wenn sie mein Gesicht, meine Perle respektieren? Wenn sie selbst darum bemüht sind, meine Perle zu beschützen? Ich komme an einer anderen Auster vorbei. Sie ist weit offen und trägt eine wunderschöne Perle. Ich sehe sie glänzen. Neid kommt auf. Und auf einmal bin ich es, der rauben will! Ich will diese Perle haben, ich will sie klauen, mir zu eigen machen. Doch dann fällt mir meine eigene Perle ein. Ich hätte nichts davon, die andere Perle zu klauen. Sie würde nicht zu mir passen. Ich hinterließe eine leere Schale und würde selbst einsam werden. Da ist es doch sinnvoller, ich lasse meine eigene Perle in Ruhe wachsen, sodass sie selbst schön glänzt.Weiterlesen

Ausgeschlossen oder bedrängt

Ausgeschlossen oder bedrängt. Nur diese beiden Zustände kennt das Kind. Es versucht, die Mutter zu lesen. Aber da ist nichts, was es lesen könnte. Da sind nur fremde Buchstaben, die es nicht versteht, die niemand verstehen kann. Hier kommst Du nicht rein. Imme...

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Unverdaulich

Unvereinbar. Die Mutter, sie möchte helfen und Schlimmeres verhindern, doch sie übt Gewalt aus. Sie quetscht das Kind in der Vojta-Behandlung. Diese Brüste über dem Kind! Viel zu früh wird es gezwungen, Widerstand zu leisten, ein Ich zu entwickeln, sexuelle Erregung zu empfinden. Immerhin: Das Schreien wirkt fast wie ein Schmerzmittel. Die Mutter, die selten zärtlich sein kann, ist die Angreiferin. Sie spricht dem Kind tröstlich zu. Nun ist es vollends verwirrt. Liebe, Gewalt, Erregung – so vermischt, dass es nicht zu verarbeiten ist. Diese Gefühl, etwas nicht verarbeiten zu können, etwas nicht genießen oder annehmen zu können, jemandem nicht angstfrei begegnen zu können, eine unaushaltbare Ambivalenz zu verpüren, lässt das Kind nie mehr los. Weiterlesen

Unser Krankenkassensystem

Ich will das nicht alles mittragen müssen: diese Zahnklammer- und Weisheitszahnindustrie, die oft viel zu frühen operativen Geschlechtsangleichungen, die vielen unnötigen Rücken- und Nasenscheidewand-OPs, die vielen Sprachtherapien von Kindern, die einfach nur etwas mehr Zeit brauchen, die vielen Intensivbehandlungen von hochbetagten Menschen, die gerne schon längst gestorben wären. Gar nicht zu reden von der Vojtatherapie bei Babys – einer Misshandlung auf Rezept, wie ich finde. Ich schimpfe. Und breche mir den Arm. Ich wähle die 112, komme wie selbstverständlich in die Notaufnahme, werde bestens behandelt. Und bin dankbar. Für unser Krankenkassensystem.

Dieser Zwang, zu zerstören: eine Vojtatherapie-Geschichte

Dieser Zwang zu zerstören entsteht nur aus Angst. „Nie wieder“ lautet das Ziel. Immer. Das Kind, es kann nur erahnen, wann der nächste Angriff kommt. Sein Schreien klingt wie eine Melodie. Erst zaghaft, fragend, klagend. Können die das wirklich wieder tun? Diesmal wird’s doch nicht so schlimm – oder? Doch, auch diesmal wird’s schlimm. Und erbarmungslos. Die Sprache, es gibt sie noch nicht. Kein Wort. Das Schreien steht auf. Das Kind, es schreit in Not. Alle hören es. Doch keiner hört hin. Keiner geht hin. Die Täter und Täterinnen machen weiter. Spitze, verzweifelte Schreie. Das hört niemals auf. Weiterlesen

Die ausreichend gnädige Mutter

Die Mutter war außer sich. Schon wieder. Das Kind hatte alles falsch gemacht. Und doch hatte es etwas richtig gemacht: Weil es die Mutter nicht einschätzen konnte, machte es die Mutter wütend, damit es wusste, wo es dran war. Damit es Eindeutigkeit hatte. Doch ein kleines Kind kann die Welt nicht entdecken, wenn die Mutter wütend mit ihm ist. Also versucht es, die Mutter wieder zu besänftigen. „Hab mich wieder lieb, Mama!“, sagt das Kind mit all seiner Kraft. Die erschöpfte, versteinerte Mutter kann nicht sagen: „Ist schon gut, mein Schätzchen.“ Aber die Mutter hat ein Minimum an Fähigkeit, gnädig zu sein. Als sie ausreichend gnädig ist, lässt das Kind los. Weiterlesen

Das Unaushaltbare aushalten

Jeden Tag dasselbe. Jede Nacht dasselbe. Dieses unaushaltbare, unaufhörliche Das. Nicht nur, wer im Gefängnis sitzt, ist gefangen. Das Alltagsrad lässt keinen Ausgang zu. "Wie lange noch?", fragt man sich, obwohl das Ende der Fahnenstange schon längst erreicht...

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