Das Gefühl, verrückt zu werden, ist sehr unangenehm. Es schwirrt im Kopf. Es ist, als ob sich Energien aneinanderrieben. Es ist eine Mischung aus „Ich will das nicht“ und „So ist es aber.“ Ähnlich, wie Schwindelgefühle von unterschiedlichen Wahrnehmungen herrühren (ich bewege mich körperlich nicht, aber die Umwelt bewegt sich), so können wir das Gefühl, verrückt zu werden, dann bekommen, wenn unsere innere Wahrnehmung mit dem Äußeren nicht übereinstimmt. Wenn wir uns ein anderer, dem wir sehr vertrauen, etwas sagt, was wir selbst aber ganz anders wahrnehmen, kann dieses Gefühl entstehen. Weiterlesen
Der Thalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und „Tor zum Bewusstsein“. Der Name leitet sich vom Griechischen „thalamos“ = „innere Kammer, Bett, Schlafzimmer“ ab. Sinnesreize, die über die Sinnesorgane hereinkommen, verlaufen durch den Thalamus, bevor sie die Großhirnrinde erreichen, um dort registriert zu werden. Im Thalamus liegen sehr viele Nervenzellkörper (= Neurone). Der Thalamus ist gleichzeitig ein Filter – er entscheidet, ob die ankommenden Sinneseindrücke wichtig oder unwichtig sind. Außerdem spielt der Thalamus eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung. Weiterlesen

Achtung! Ich werde gleich einen Annäherungsversuch starten. Ich habe dich schon im Blick. Im Visier. Ich weiß, dass du mir nicht geben wirst, was ich brauche. Ich habe diese Erfahrung abertausende Male gemacht. Ich werde 100 Arten haben, dich zu fragen, doch ich weiß: Ich bekomme das Gute nicht. Ich komme zu dir. Der Komet nähert sich dem Planeten. Ich komme näher. Frage indirekt. Beschämt. Pein ist dabei. Wie soll ich nur fragen. Ich versuche es anders. Während ich es versuche, bebt meine Stimme. Der andere, er fühlt sich wie gelähmt. „Was will man von mir?“, fragt er sich. Er fühlt sich unwohl. Beschämt. Die Lähmung nimmt ihm den Atem. Es geht runter. Reise eines Handlungsunfähigen. Weiterlesen
Ich stehe vor meiner Mutter wie vor einem Rätsel. Ich stehe vor meinem Körper wie vor einem Rätsel. Vor meinem Schreibaby. Vor meinem Patienten. Vor meinem Traum. Wo ist der Zugang?Weiterlesen

in diesen tagen fürchten wir uns vor krieg – wie groß unsere kriegsangst ist, hängt von der jeweiligen nahtrichten und der politischen lage ab, aber auch davon, wie alt wir sind, ob wir schon krieg und flucht erlebt haben, ob wir allein sind oder kinder haben oder was wir von unseren eltern und großeltern transgenerational vom krieg mitbekommen haben. in unserer phantasie können wir vieles aushalten, doch wenn wir die realität eines krieges erleben, sind wir uns sicher, dass wir das nie mehr wollen. Weiterlesen

„Was ist das?“, fragte ich mich. Nach dem Infekt fühlte ich mich entsetzlich krank. Alles tat mir weh – ich schaffte es kaum noch nach draussen. Die Blutuntersuchung war vollkommen unauffällig und auch meine Psychoanalyse half mir nicht. Erst viel später begriff ich, dass ich möglicherweise eine „leichte“ Form des Chronischen Erschöpfungssyndroms hatte (Chronic Fatigue Syndrom, CFS, Myalgische Enzephalitis, ME). Weiterlesen

„Wieviele Bahnen schwimmst du?“ Ich dusche heiß. Ich laufe über das nasse Gras. Ich tauche ins warme Wasser. Ich sehe, wie die Sonne darin glitzert. Ich höre, wie ich unter Wasser ausatme. Ich spüre, wie meine Beine mich schieben, wenn ich kraule. Ich sehe die Kugeln der Trennseile an mir vorbeiziehen. Rot und weiß. Weiterlesen

Dir ist vielleicht Unvorstellbares geschehen. Immer wieder, viel zu früh und über sehr lange Zeit. Du fühlst Dich vielleicht alt – sehr viel älter als Du bist. Du fühlst Dich verbogen, krumm und verkorkst. Schief stehst Du da, hart mitgenommen von Gewalt. Doch im Älterwerden siehst Du vielleicht, dass Du sein kannst wie ein Kirschbaum: In rissiger Rinde treibst Du die schönsten Blüten – frisch und jung, denn in Deinem Innersten gibt es Wege, die unversehrt geblieben sind. Weiterlesen

dein körper fühlt sich vielleicht so an, als seien alle stellen problematisch, schmerzhaft oder „falsch“. doch vielleicht fühlt sich eine körperstelle intakt an. vielleicht sind es sogar mehrere. überlege selbst, wo deine körperstellen sind, die unbeschadet davongekommen sind. meiner erfahrung nach werden der untere bauch, die inneren geschlechtsorgane und die schambein-region oft als unbeschadet empfunden. Weiterlesen
Wer Psychoanalytiker*in wird (und ist und bleibt), der wird (ist und bleibt) stets Mensch. Doch gerade in der Ausbildung gibt es viele Abhängigkeiten: vom Supervisor, von den Kostenzusagen, von der Treue der Patienten, von der eigenen Gesundheit und dem Funktionieren des Autos. Vielleicht kämpfen wir in der Ausbildung gegen diese Abhängigkeiten an. „Ich kann doch den Patienten nicht für meine Ausbildungszwecke festhalten“, denken wir und geben uns besonders „loslassend“. Weiterlesen