„Die Vorhaut ist doch nur ein nutzloses Häutchen“, hörte ich eine Mutter sagen, die ihren Sohn aufgrund von Entzündungen operieren lassen wollte. Doch die Vorhaut (lateinisch „Praeputium“) ist eng mit Nerven durchzogen und ermöglicht eine befriedigende Sexualität. Selbstbefriedigung ist für viele Männer ohne Vorhaut kaum vorstellbar. Viele Männer, denen die Vorhaut entfernt wurde, leiden manchmal ein Leben lang unter ihrem Fehlen. Der Autor Clemens Bergner (Pseudonym) ist selbst betroffen und will mit seinem Buch „Ent-hüllt! Die Beschneidung von Jungen – nur ein kleiner Schnitt?“ auf die Probleme der Beschneidung (Zirkumzision, lateinisch: circumcisio) aufmerksam machen. Weiterlesen
Wie gut wirkt eine spezielle Form der Psychoanalytischen Psychotherapie bei der Borderline-Störung? Eine Arbeitsgruppe um Kenneth N. Levy (Pennstate University, USA), Otto Kernberg und Kollegen gingen dieser Frage in einer randomisiert-kontrollierten Studie (2006) nach. In dieser Studie wurden 90 Patienten mit Borderline-Störung zufällig (= randomisiert) auf drei Gruppen verteilt: Die Mitglieder einer Gruppe erhielten eine Übertragungs-fokussierte Psychotherapie (Transference Focused Psychotherapy, TFP), die Mitglieder der zweiten Gruppe wurden mit der Dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) behandelt. Die Teilnehmer der dritten Gruppe erhielten eine unterstützende psychodynamische Psychotherapie. Weiterlesen
Es gibt viele Länder, in denen es keine – oder nur wenige – Lehranalytiker der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) gibt. Das ist zum Beispiel in Osteuropa der Fall. Wer sich in diesen Ländern dennoch zum IPV-Analytiker ausbilden lassen möchte, kann während der Ausbildung eine „Shuttle-Analyse“ machen. Das bedeutet, dass der Ausbildungskandidat grundsätzlich in seiner Heimat arbeitet, aber immer wieder Psychoanalyse-Phasen bei einem Lehranalytiker in einem anderen Land einlegt. Da gibt es viele verschiedene Muster. Manche Ausbildungskandidaten kommen zum Beispiel von Freitag bis Montag angereist, um an diesen vier Tagen Stunden bei ihrem Lehranalytiker zu nehmen. Weiterlesen
„Empireia“ ist griechisch und heißt „Erfahrung“. Wenn eine Therapie empirisch belegt ist, kann das heißen: Die Wirksamkeit ist durch Erfahrung offensichtlich oder sie wurde durch Beobachtung oder Experimente belegt. Sie ist also „wissenschaftlich“ nachgewiesen. Das Kennzeichen empirischer Forschung ist ihre Reproduzierbarkeit. Oder einfach gesagt: Wenn ich 9-mal ein Ei zu Boden fallen lasse, kann ich nach dieser Beobachtung davon ausgehen, dass das zehnte Ei auch zerbrechen wird. Ich kann somit mein Experiment beliebig oft wiederholen – es wird fast immer gleich ausgehen. Somit habe ich empirisch belegt, dass rohe Eier zerbrechen, wenn man sie fallen lässt. Weiterlesen
Der Beginn einer Psychoanalyse kann einem Keller-Aufräumen gleichkommen: Mühevoll schleppt man Kisten, schaut in alte Kartons und schmeißt so manche Päckchen raus. Auf der Couch liegend klagt der Analysand über heftigste Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Panikattacken, Zwangsvorstellungen, Atemnot, Müdigkeit und vielem mehr. Er leidet an Streiterein, Partnerschaftskonflikten, Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten, traumatischen Erinnerungen oder Arbeitslosigkeit.Weiterlesen
„Die Ausbildung bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) ist mir zu teuer“, sagen manche, die sich dafür interessieren. Für Ausbildungsteilnehmer ohne guten finanziellen Hintergrund ist die Ausbildung auch finanziell eine Herausforderung, aber sie ist nicht unmöglich. Das, was die Lehranalyse einem mitgeben kann, ist oft von unbezahlbarem Wert. Existenzängste gehören jedoch bei vielen dazu – man weiß eben nicht, wie es ausgeht. Vor einigen Jahren (2015) habe ich einmal ausgerechnet, wie das bei mir in der Anfangszeit der Ausbildung mit den Kosten aussah. Weiterlesen
Irgendwann geht man in der Psychoanalyse-Ausbildung zu einem Seminar, kommt ins Gespräch mit der Sitznachbarin und stellt fest: Wir haben beide denselben Lehranalytiker. „Couchgeschwister“ nennt man die Kollegen, die zum selben Lehranalytiker gehen wie man selbst. Schnell taucht dann die Frage auf: Wie gehe ich mit meinem Couchbruder/meiner Couchschwester um? Die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus und hängen auch von der Größe des Instituts ab. Weiterlesen
Den Zusatztitel „Psychoanalyse“ darf unter den Ärzten nur ein „Facharzt der unmittelbaren Patientenversorgung“ (UPV) tragen. Fachärzte für Arbeitsmedizin gehören nun auch zur „unmittelbaren Patientenversorgung“ – das beschlossen die Ärzte auf dem Ärztetag 2018 in Erfurt (Beschlussprotokoll, PDF). Das bedeutet, dass auch Fachärzte für Arbeitsmedizin den Zusatztitel „Psychoanalyse“ nach bestandener Prüfung tragen können. Zuvor war dies nur in einigen Bundesländern (Bremen, Niedersachsen und Berlin) möglich. Nun wäre nur noch zu wünschen, dass Arbeitsmediziner, die ausschließlich als Psychotherapeut oder Psychoanalytiker arbeiten, auch die Möglichkeit bekommen, sich kassenärztlich niederzulassen. Weiterlesen
Der Psychoanalytiker schweigt. Er zeigt sich lieber nicht, um seinem Patienten die Möglichkeit zu geben, so viel wie möglich über ihn zu phantasieren. Psychoanalytiker hat einen „aufnehmenden Beruf“ – der Analytiker nimmt das, was die Patienten ihm zeigen und sagen, auf. Der Journalist macht das Gegenteil. Er gibt ständig etwas von sich, verbündet sich mit der Öffentlichkeit, ist immer präsent. Das ist für den Journalisten überlebenswichtig. Nur so können potenzielle Auftraggeber ihn finden. Aber so finden ihn auch Patienten, wenn er gleichzeitig Psychoanalytiker ist. Der Journalist, der öffentlich seine Meinung äußert, der mit Bild und Stimme in Radio und Fernsehen erscheint, ist bekannt. Der Leser/Zuschauer hat das Gefühl, vertraut mit dem Journalisten zu sein. Weiterlesen
Als Kind ist es ein schöner Traum. Wie von Geisterhand erschaffen, kommt nachts der Nikolaus. Er macht alles heimelig. Das Kind stellt sich vor, dass es sich zusammen mit Mutter und Vater über den Besuch des Nikolauses freut. Alles wurde wie von selbst an diesem Morgen gemacht. Es ist, als hätte ein anderer gut für die Familie gesorgt. Matt und müde stehen die Eltern mit tiefen Augenringen daneben.