„No memory, no desire, no understanding“ – geht das in der Psychoanalyse-Ausbildung?
„No memory, no desire, no understanding“ (nichts erinnern, nichts wünschen, nichts verstehen) – wenn es dem Psychoanalytiker gelingt, diese Haltung einzunehmen, kann er sich ganz auf das Hier und Jetzt der Analyse-Sitzung einlassen. Geprägt wurde der Begriff von Wilfred Ruprecht Bion (1897-1979). Doch in der Ausbildung zum Psychoanalytiker ist man häufig so angespannt, dass diese Haltung ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint.
Anstatt sich der Stunde abwartend und wunschlos hinzugeben, denkt der Ausbildungskandidat: „Ich muss dem Patienten doch jetzt eine kluge Deutung geben, damit er bei mir bleibt. Schweige ich schon zu lange? Was wohl der Supervisor dazu sagen wird? Wann der Patient wohl endlich dazu bereit sein wird, sich auf die Couch zu legen? Und wann war nochmal das nächste Gespräch mit der Bank?“
Fest steht: Diese Gedanken und Ängste lassen sich nicht ausschalten. So manche Analyse-Stunde ähnelt einer Meditation, in der man versucht, die negativen Gedanken irgendwie handzuhaben. Aufziehen und wieder gehen lassen? No way. Also bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, als sich von diesem hohen Ideal zu verabschieden und sich mit seinen Ängsten und Sorgen näher zu befassen. „If you don’t have a stomach for anxiety, you’re in the wrong profession“, sagt die Psychoanalytikerin Edna O’Shaugnessy in dem Film „Encounters through Generations“, Youtube.
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Beitrag vom 22.4.2026 (begonnen am 17.5.2017)


