Weinen hat viele Formen: Wenn die Tränen aus Trauer fliessen, sind wir ganz bei uns. Lass dir Zeit zum Trauern

Wir können vor Wut heulen oder tief-traurig schluchzen. Wir können leise in uns hieinweinen oder vor Angst wimmern. Sind wir überwältigt von Freude oder Schmerz, können uns ebenfalls die Tränen kommen. Je nach Art des Weinens reagiert auch unser Gegenüber: verunsichert, selbst traurig und tröstend, mitfühlend, schweigend oder genervt.

Patholgisches Weinen bei schweren psychischen oder hirnorganischen Störungen erkennen wir in der Regel rasch – es ist monoton, unpassend und irritierend. Weinen vor Trauer setzt voraus, dass wir uns selbst als eigenständiges Wesen begreifen und Trennung erleben können. Wir weinen, wenn wir etwas oder jemanden verlieren. Mütter stellen manchmal einen Zeitpunkt fest, an dem das Schreien des Babys in ein Weinen aus Trauer übergeht.

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Links:

Michelle Hendriks et al. (2007)/
Can the distress-signal and arousal-reduction views of crying be reconciled? Evidence from the cardiovascular system. Emotion, Vol 7(2), May 2007, 458-463? psycnet.apa.org/buy/2007-06782-021
Crying onset was also associated with increases in respiratory sinus arrhythmia and slowed breathing. All crying effects subsided by 4 minutes after onset. It is possible that crying is both an arousing distress signal and a means to restore psychological and physiological balance, depending on how and when this complex behavior is interrogated.“

Fabienne Gutjahr und Cord Benecke (2024):
Crying in psychotherapy: an exploratory mixed-methods study on forms of emotional crying and associated therapeutic interventions. Research in Psychotherapy 2024 Apr 17;27(1):725, doi: 10.4081/ripppo.2024.725, pmc.ncbi.nlm.nih.gov/…

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Wenn wir an einer Depression leiden, weinen wir vielleicht manchmal mehr, aber wir haben weniger Emotionen dabei. Siehe:
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Crying threshold and intensity in major depressive disorder. Journal of Abnormal Psychology, 111(2), 302–312, doi.org/10.1037/0021-843X.111.2.302, psycnet.apa.org/record/2002-12652-009 : „Within the nondepressed group, participants who cried exhibited increases in the report and display of sadness and had greater cardiac and electrodermal activation than did participants who did not cry. There was less evidence of this crying-related emotional activation within the depressed group.“

Christine Acebo et Evelyn B. Thoman (1995):
Role of infant crying in the early mother-infant dialogue. Physiology & Behavior, Volume 57, Issue 3, March 1995, Pages 541-547: „The results indicate that responsive infants have responsive mothers—or conversely, that responsive mothers have responsive infants.“ sciencedirect.com/…

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Mother and newborn baby: Mutual regulation of physiology and behavior— A selective review
Developmental Psychology, November 2005, Volume47, Issue3, Pages 217-229, doi.org/10.1002/dev.20094

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The psychophysiology of crying. Psychophysiology, Volume31, Issue5, September 1994: Pages 460-468
„Crying is thus associated with an aversive state, including negative emotion and a complex mixture of sympathetic, parasympathetic, and somatic activation, and we speculate about the functional implications of these findings.“ onlinelibrary.wiley.com/…

Julia Katila et al. (2024):
Cries of Pleasure and Pain: Vocalizations Communicating How Touch Feels in Romantic Relationships
Research on Language and Social Interaction , Volume 56, 2023 – Issue 4, Pages 330-349,
tandfonline.com/doi/full/…

Gerald Weischede und Ralf Zwiebel:
Neurose und Erleuchtung: Anfängergeist in Zen und Psychoanalyse. S. 188: Die affektive Regulierung der therapeutischen Beziehung am Beispiel des Weinens, Klett-Cotta, 2009

Karin Grossmann:
Weinen als Ruf nach Bindung. amazon

Beitrag vom 11.9.2026 (begonnen am 28.12.2015)

2 thoughts on “Weinen hat viele Formen: Wenn die Tränen aus Trauer fliessen, sind wir ganz bei uns. Lass dir Zeit zum Trauern

  1. Dunja Voos sagt:

    Liebe Simone,
    wer lange nicht weinen konnte, bei dem kann das Weinen oft in der Gegenwart eines anderen kommen, der wirklich verstehen will und gut zuhören kann. Durch das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, kann sich die Spannung oft lösen und das Weinen kommt wie von selbst. Allerdings kann die Scham dem Weinen im Wege stehen. Auch das Gefühl, dem anderen ausgeliefert zu sein, kann am Weinen in Beziehung hindern. Manche können dann tatsächlich am besten im Alleinsein weinen.

  2. Simone sagt:

    Das „Nicht-Weinen-Können“ und wie man es auflösen kann, wäre auch noch ein interessantes Thema für diesen Blog. Ich kann oft sehr lange nicht weinen und wenn es dann wiederkommt (ich muss mich dazu völlig sicher und räumlich allein wissen), dann hat es eine erlösende, besänftigende Kraft. Es gibt fast kein wirksameres Therapeutikum als echte Tränen zu weinen.

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