Meditation im Hamsterrad und beim Putzen hilft bei lang andauernder Überforderung

Manchmal sehen wir kein Ende im Tunnel der Anstrengungen. Mitten in der Zeitnot kann es helfen, ganz langsam zu werden. Meditierend die Spüle zum Glänzen zu bringen oder im Stau die einzelnen Nackenmuskeln zu aktivieren, kann sich sinnvoll anfühlen. Wir machen nach einer Weile die Erfahrung, dass es wirklich nützt, was wir tun. Es gibt viele kleine Momente, in denen wir ganz langsam werden können – und sei es, um unseren Schmerz ganz genau zu spüren. Mitten im Hamsterrad.

Wie oft treiben uns die unzähligen, langweiligen Handgriffe im Haushalt fast in den„Bore-Out“? Diese monotone Arbeit, die immer wieder gemacht werden will, ist für die meisten keine Freude. Wer das Gefühl hat, in einer ewigen Mühle zu stecken, dem sei das Buch „Putzen lieben?!“ von Linda Thomas ans Herz gelegt. Schmutz wegmachen bedeutet, Platz für Neues zu schaffen, schreibt Linda Thomas. Sie zeigt, wie aus der Pflicht eine Meditation werden kann.

Aus Sicht der Anthroposophen sind geistige Elementarwesen um uns herum, die uns helfen oder behindern können. Da gibt es zum Beispiel die Undinen (Wassergeister), die Gnome, die Sylphen (Geister der Liebe) und die Salamander. Wer sich ein bisschen auf das Märchenhafte und Verträumte dieser Sicht einlassen kann, kann innerlich ein bisschen spielen.

Linda Thomas beschreibt den Unterschied zwischen Putzen und Pflegen und zeigt an vielen Beispielen auf, dass du beim Putzen durchaus selbstwirksam sein kannst. Sie gründete 1988 eine ökologische Putzfirma, um ihre Kinder auf die Waldorfschule schicken zu können. Sie beschreibt, wie sie beim Putzen andächtig vor den Toiletten kniet und sich bewusst erhebt, wenn sie damit fertig ist. Sie zeigt auf, wie sie durch ihr Putzen atmosphärisch einen Unterschied machen kann und wie die Menschen danach spüren, mit welchem Geist sie putzte.

Linda Thomas beschreibt, wie sich penibel und steril anmutende Wohnräume von jenen unterscheiden, die mit Liebe und Großmut gepflegt wurden. Sie erinnert an Pflanzen in Klassenräumen, die über die Ferientage entweder nur pflichtbewusst gegossen oder liebevoll umsorgt wurden. Kurzum: Sie zeigt, wie das Putzen zu einer liebevollen und andächtigen Tätigkeit werden kann, in der man sich selbst vergessen und sogar erholen kann, in der man träumen, meditieren, planen und etwas bewirken kann. Sie bezeichnet das Putzen als „eine Liebeserlärung an die Gegenwart“.

„Je mehr der Mensch etwas tun muss, was ihn nicht interessiert, desto mehr wird sein Lebensleib geschwächt“ (Linda Thomas, S. 132). „Wer den Sinn und die Würde des eigenen Tuns entdecken kann, arbeitet auch ökonomischer …“ (S. 134) … „Unser Haus ist unser erweiterter Körper.“ (S. 140) „Ich schaffe mir ein ganz neues Objekt, indem ich etwas liebevoll pflege. … Etwas Menschliches geht auf den gepflegten Gegenstand über und in ihn hinein und wirkt von da positiv und heilsam auf die Menschen zurück.“ (S. 232). Vor dem Putzen kommt das Aufräumen. Auch das wird leichter, wenn du den Sinn darin erkennst und mit kleinen Schritten anfängst. Äußere Ordnung führt häufig auch zu innerer Ordnung, das wissen und spüren wir.

Einsamkeit

Mit Liebe putzen ist natürlich schöner, wenn wir es auch für jemand anderen tun, nicht nur für uns. Doch wenn du dich in Einsamkeit gefangen fühlst, kannst du das meditative Putzen auch dazu nutzen, dich neu auszurichten und deine Vorstellungen von einem weniger einsamen Leben bewusst zu visualisieren.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Linda Thomas:
Putzen lieben
Verlag am Goetheanum
amazon, www.goetheanum.org
www.lindathomas.org

Beitrag vom 18.2.2026 (begonnen am 13.11.2014)

Schreibe einen Kommentar