Die unbewusste Angst vor dem Schlanksein
Wer immer wieder versucht, abzunehmen, und doch scheitert, kann infolge von traumatischen Erfahrungen ein unbewusstes Problem haben: die Angst, schlank zu sein. „Ich habe auf einmal gemerkt, dass meine Hose rutscht. Da habe ich Angst bekommen. Ich dachte, ich falle vom Fleisch“, sagt eine Frau.
Wissenschaftler der Adverse Child Experience Study fanden heraus, dass bei übergewichtigen Menschen relativ oft sexueller Missbrauch in der Lebensgeschichte vorkam und dass der Missbrauch passiert war, bevor das Übergewicht entstand (Interview mit 286 Studienteilnehmern, Vincent J. Felliti 2002, German ACE Article, S. 2). Das Übergewicht sei nicht das Problem, sondern die Lösung für das Problem gewesen, so Felliti. So wird die Angst vor der Gewichtsabnahme, aber auch vor dem Hunger sehr verständlich.
Die unbewusste Angst vor dem Schlanksein hat viele Facetten: Man könnte keine Reserven mehr haben, zu leicht umfallen, attraktiv für einen Mann werden (und wieder schreckliche Sexualität erleben), man könnte sich nicht mehr abgrenzen, man könnte so aussehen wie die Mutter. Manche Menschen bekommen psychosenahe Ängste, wenn sie stark übergewichtig waren und rasch Gewicht verlieren.
Nicht zu vergessen ist der schmerz- und angstlindernde Effekt, den das Essen haben kann: die Kombination aus Süssem und Fettigem stillt Heisshunger, hellt kurzfristig die Stimmung auf und lindert psychische und körperliche Schmerzen. Weniger zu essen kann auch bedeuten, mehr schwer aushaltbare Zustände zu bekommen.
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Links
Vincent J. Felitti et al. (2002)
The Relationship of Adverse childhood Expériences to Adult Health: Turning gold into lead.
Belastungen in der Kindheit und Gesundheit im Erwachsenenalter: die Verwandlung von Gold in Blei.
Zeitschrift für psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2002; 48(4): 359-369, V&R
www.jstor.org/stable/i23859893
Felitti VJ. The Relation Between Adverse Childhood Experiences and Adult Health: Turning Gold into Lead. Perm J. 2002 Winter;6(1):44-47. doi: 10.7812/TPP/02.994. PMID: 30313011; PMCID: PMC6220625.
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30313011/
Danielle Rousseau (2023): The Adverse Childhood Experiences Study
„The Adverse Childhood Experience (ACE) was the biggest study of its kind ever created (Rousseau, 2023). In 1958, Dr. Vincent Felitti and his colleague Dr. Robert Anda of Kaiser Permenente studied more than 50,000 patients, finding clear characteristics or commonalities (Rousseau, 2023).“ … „Additionally, the study revealed that the effects of trauma permeated these patients’ adult lives (van der Kolk, 2014).“ … „Incidents of abuse are never ‘standalone’ events, and for each additional adverse experience reported, the toll in later damages rises (van der Kolk, 2014).“ … „Felittti and his team also discovered that the impact of childhood trauma initially became noticeable in school (van der Kolk, 2014).“
sites.bu.edu/daniellerousseau/…
Dieser Blogbeitrag wurde erstmals veröffentlicht am 14.1.2014
Aktualisiert am 19.12.2025
2 thoughts on “Die unbewusste Angst vor dem Schlanksein”
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Hallo,
Ich bin vor 3 Jahren stressbedingt in die Magersucht gerutscht. Es hatte nie etwas mit dem *Schlankheitswahn* zu tun. Vor 1 1/2 Jahren war ich stark genug dieses Trauma zu beenden.
Ich nahm wieder zu, bis Ich mein ursprüngliches Gewicht erreicht hatte. Nun kommt es aber immer wieder vor, dass Leute doofe Kommentare zu meinem Gewicht geben, eigentlich bin Ich dagegen immun, aber Ich merke, dass Ich unterbewusst reagiere. Ich esse oft impulsartig zu viel aus Angst dass Ich wieder etwas zu hören zu bekomme wie : „na, zu dumm zum Essen?„ „Weist nicht was gut ist !“ “Du hast ja gar keinen Po“ . Da denke Ich oft lieber werde Ich Fett, als das nochmal mitzumachen. Kaum sind dann die 300g Schokolade vernascht, denke Ich wie dumm Ich doch war. Ich weis aber nicht, was Ich sonst in dem Moment machen soll. Denn selbst wenn Ich es mir in dem Moment bewusst mache, kann Ich nichts dagegen tun …
Es istt m.E jedoch keine Angst vor dem Schlanksein, die dick gemacht hat; das war der Versuch, Defizite übers Essen zu kompensieren.
Angst vor dem Schlanksein – etwa: „Dann bekomme ich doch bestimmt Falten, wenn das Fett weg ist“.
Ich habe mal versucht, darzustellen, wie unterschiedlich die Essstörungen sein können –
http://portionsdiaet.de/diaet-reflexion/von-essstorungen-symptomen-und-ursachen-selbsthilfe
– dabei ist nicht alles unbewusst, manches auch suchtartig und überhaupt nicht leicht zu fassen.