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Scham – ein zwischenmenschliches Gefühl, das durch Blicke verstärkt werden kann

Für uns selbst können wir denken, machen, tun, was wir wollen. Zwar kann man sich auch vor sich selbst schämen, doch Scham tritt besonders dann auf, wenn andere Menschen hinzukommen. Wer sich schämt, befürchtet, verachtet zu werden und schuldig zu sein (Gerhart Piers und Milton Singer, 1953: Shame and Guilt: A Psychoanalytic and Cultural Study). Weiterlesen

Psychoanalyse ist hart, weil man erkennt, was man verpasst hat

Jahrelang ringt man in der Psychoanalyse um Erkenntnisse. Irgendwann dämmert es einem, warum man da ist, wo man gerade ist und warum man es früher nicht anders machen konnte. Und dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Jetzt weiß man, warum man nicht seinen Traumberuf ergriffen hat, warum man kein Geld hat, warum man krank geworden ist, warum man keinen Partner finden und/oder kein Kind bekommen konnte. Doch jetzt ist es für manches zu spät. Der Schmerz, der dann entsteht, ist unendlich groß. Will man noch retten, was zu retten ist, oder will man einfach verbittern?Weiterlesen

Triebe (englisch: Drives): Der körperliche Drang in uns

Manchmal fühlen wir uns zu etwas „getrieben“. Ohne Hunger und Durst ist kein Leben möglich. Wir kennen unzählige Triebe. Manchen müssen wir unbedingt nachkommen, z.B. dem „Trieb“, uns zu entleeren. Weiterlesen

Agieren (Acting out and Acting in)

Was nicht bewusst ist und daher nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, das agieren wir häufig aus. Wenn wir eine Psychotherapie machen und uns etwas gänzlich unbewusst ist, dann stellen wir unsere Probleme mithilfe von Handlungen dar. Wir kommen vielleicht ständig zu spät und machen damit unseren Widerwillen deutlich. Wir können unsere „Wut ausagieren“, indem wir dem anderen die Autoscheibe einschlagen. Wenn wir agieren, veranlassen wir andere Menschen zum Reagieren und Mit-Agieren. Sobald die Gründe für das Agieren verstanden sind und wir Vorstellungen und Worte für unser Erleben gefunden haben, können wir darüber nachdenken und darüber sprechen. Unser Agieren lässt dann nach. Weiterlesen

Der Rauswurf wird beendet – der Kampf mit der inneren Mutter

Darf man das machen? Darf man ein weinendes Kind mit großen hungrigen Augen rausschmeißen? Darf man es aus seinem Inneren rausschmeißen, wenn man meint, dass es die innere hungrige Mutter ist, die da weint? Vielleicht wurde man geboren, um der Mutter zu helfen. Vielleicht war man das Ein und Alles für eine Mutter, die sonst nichts hatte. Eine Mutter, in Not geboren und fast verhungert. Es gab nie Geld. Kein Zuhause. Nur Unruhe und Angst. Weiterlesen

Wie werde ich Psychoanalytiker*in? Das Kasuistisch-technische Seminar

In der psychoanalytischen Ausbildung stellt man seinen Patienten („Ausbildungsfall“) bzw. die Behandlung regelmäßig seiner Ausbildungsgruppe vor. Bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) wird hierfür der Begriff Kasuistisch-technisches Seminar („KT“ oder „KTS“) benutzt. Es ist ein Pflicht-Seminar, das Ausbildungskandidaten (AK) nach dem Vorkolloquium einmal pro Woche besuchen. Weiterlesen

Autismusspektrum: Autistische Zustände psychoanalytisch erklärt

„Ich kann mit Smalltalk nichts anfangen!“, sagen viele Menschen, die „auf dem Spektrum“ sind, wie es heute heisst. Das bedeutet auch: „Ich kann nicht mit den anderen spielen.“ Tatsächlich spielen autistische Kinder oft „anders“ und nicht so oft mit anderen Kindern. Weiterlesen

Wie geht es den Partnern von Psychotherapeuten, Seelsorgern und Psychoanalytikern?

„So würdest Du mit Deinen Patienten nie reden!“, sagt die Frau eines Psychoanalytikers. Und Recht hat sie. Mit Patienten lässt sich so gut umgehen, weil Psychotherapeuten sie nur für jeweils 50 Minuten sehen, weil sie Geld dafür bekommen und weil die Rollen klar verteilt sind. Die Partner und Partnerinnen von Therapeuten verspüren dennoch mitunter Neid auf die Patienten. Während in den Partnerschaften manchmal kaum Zeit für ein Gespräch bleibt, sind dem Patienten, der im Kalender steht, Zeit und Aufmerksamkeit sicher – und im Fall einer Psychoanalyse sogar Jahrelang. Das ist nicht immer leicht zu ertragen.Weiterlesen

Severely deficient autobiographical memory (SDAM): „Ich kann mich kaum an die Kindheit erinnern.“

Manchen fällt es so richtig erst in einer Psychotherapie auf: Wenn sie nach der Kindheit gefragt werden, haben sie kaum Erinnerungen. Während sich viele etwa ab dem vierten Lebensjahr zumindest an prägende Ereignisse aus der Kindheit erinnern, scheint bei manchen die Kindheit völlig aus dem Gedächtnis gestrichen zu sein. Die Erfahrung in der Psychoanalyse zeigt, dass in diesen Fällen häufig schwer traumatisierende Ereignisse vorlagen. Zum Beispiel ist Erinnerung schwierig, wenn man als Kind kaum Gelegenheit hatte, zu erzählen, denn durch Erzählungen festigt sich auch die Erinnerung. Im Laufe einer Psychoanalyse kehren häufig Erinnerungen zurück und die Analysanden sagen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich daran noch erinnere!“Weiterlesen

„Ich liebe Dich“ – warum gehen Gefühle kaputt, wenn wir sie aussprechen?

Ich las einmal ein englisches Stück, das ging ungefähr so: Sie spürte Liebe in ihrem Bauch. Das Gefühl stieg in ihrem Hals auf und legte sich auf ihre Zunge. Sie sprach das Wort „Liebe“ aus. Und es fiel auf den Boden und zerbrach wie Glas in tausend Scherben. | Warum haben wir so oft den Eindruck, dass unser Gefühl stirbt, wenn wir es aussprechen? Vielleicht, weil die Worte unserem Gefühl nicht immer gerecht werden können. Unsere Gefühle sind oft so unaussprechlich, dass wir spüren: Das Wort kann nicht annähernd ausdrücken, was wir wirklich fühlen. Vielleicht denken wir, der andere will von uns hören, was wir fühlen – so wie Erwachsene zu einem Kind manchmal sagen: „Was sagt man da?“, um das Wort „Danke“ zu hören. Doch dadurch wird etwas Wertvolles zerstört: Das Gefühl geht kaputt. Weiterlesen