Malignes Introjekt und Täterintrojekt: was tun mit dem Bösen in uns?
„Sagen Sie mir bitte, wie ich es los werden kann!“, sagen manche. Man will ES – oder auch „Das“ genannt – nicht haben. Es scheint hartnäckig in der Psyche zu sitzen wie ein maligner Tumor.
Mit gutem Willen kommen wir nicht nicht dagegen an. In manchen Lebensphasen erscheint es überstark, in anderen könnte man meinen, es sei weg: das sogenannte „maligne Introjekt“. Manche Psychoanalytiker meinen damit so etwas wie einen Fußabdruck z.B. der Mutter, den sie mit Gewalt in die Seele des Kindes gesetzt hat. Manche Mütter „drückten“ ihre Kinder wirklich mit Gewalt. Das lässt sich in der Erinnerung körperlich fühlen. Wir kennen aber auch den inneren Angreifer, der sagt: „Du wirst schon sehen, was Du davon hast!“
Du fühlst dich selbst vielleicht als böse. Es lässt sich nicht verhindern, dass du dich vielleicht bewegst wie deine Mutter. Vielleicht hast du einen ähnlichen Körper wie sie oder du hörst in der eigenen Stimme ihre Stimme. Vielleicht spürst du das vermeintliche „maligne Introjekt“ wie eine innere Gefahr, eine unbestimmte böse Kraft oder wie eine Mutter oder einen inneren Vater, die oder der in dir sitzt und sich weder verjagen noch bekämpfen lässt. „Integrieren“ solle man das Störende, heißt es, doch wie soll das gehen?
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Links:
Paul Williams (2010):
Invasive Objects: Minds under Siege. Routledge 2010 , amazon
Ron B. Aviram (2026)
Fairbairn’s Rationale For Excluding Good Objects From The Unconsious: Clinical Implications
The American Journal of Psychoanalysis 2026, palgrave.com/journals, doi.org/… „While many clinicians have been hesitant to accept his proposition that good objects do not become part of the dynamic unconscious, it is argued that this is a clinically useful and valid model of human psychology. For Fairbairn, the good object is a preconscious internalization and available for engagement with the external world without distortion. His model of the mind, focusing on the unconscious, helps clinicians conceptualize how early relational experiences limit satisfying contemporary life.„
Peter Kutter
Affekt und Körper: Neue Akzente in der Psychoanalyse. Vandenhoeck und Ruprecht 2001
M.I.P. Mitteldeutsches Institut für Psychoanalyse Halle e.V.
Psychotraumatherapie SPIM 30. Somatisch-Psychologisch-Interaktives-Modell in der Standardversion 30
für komplextraumatisierte/dissoziative Störungen. mip-halle.de/…
Ralf Vogt (Hrsg.):
Täterintrojekte. Diagnostische und therapeutische Behandlungsmodelle für dissoziative Strukturen.
Asanger, Kröning 2012, asanger.de…
Gaby Breitenbach und Harald Requardt (2012):
Dissoziative Strukturen: Zeit und Bindungsbereitschaft. aerzteblatt.de, PP 11, November 2012, Seite 523,
www.aerzteblatt.de/…. „Ein Verdienst dieser Arbeit ist es, zu verdeutlichen, dass mit zunehmender Gewalt introjeziertes Material immer Ich-dystoner, unbewusster und immer weniger distanzierbar wird, so dass es sich eben tatsächlich um „fremdes“ Material handelt, das Menschen (von einem Täter) erzwungenermaßen in sich aufnehmen mussten.“
Ralf Vogt (2004):
Beseelbare Therapieobjekte. Strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherapie. Gießen: Psychosozial-Verlag
Beitrag vom 19.4.2026 (begonnen am 6.7.2012)
VG-Wort Zählpixel im ersten Absatz: f208c463ac2f4ba8832a9edff016908c
2 thoughts on “Malignes Introjekt und Täterintrojekt: was tun mit dem Bösen in uns?”
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Liebe Gabriele,
vielen Dank für Ihren bewegenden Kommentar. Meiner Meinung nach hilft bei Problemen, wie Sie sie schildern, die Psychoanalyse („Analytische Psychotherapie“ in der Sprache der Krankenkassen) tatsächlich am besten. Ich empfehle da besonders gerne die hochfrequente Psychoanalyse im LIegen auf der Couch mit vier Terminen pro Woche. Aus meiner Sicht lassen sich die heilsamen Effekte der Psychoanalyse bei sehr schweren Störungen nicht online erreichen, weil die körperliche Anwesenheit von Patient und Analytiker in einem Raum unerlässlich ist. Auch Unterbrechungen der Analyse sind bei so schwerem Leiden oft schwer für die Betroffenen auszuhalten. Stationäre Aufenthalte können aus meiner Sicht nicht mehr als einen Impuls bieten und Motivation sein für eine oft langjährige Psychotherapie danach.
Alle guten Wünsche!
Dunja Voos
Beim Lesen Ihres Artikels „Komplexe PTBS“ habe ich mich so sehr angesprochen gefühlt, dass ich mich erstmal mit kaltem Wasser regulieren musste.
Nach dem Lesen der Artikel
– Typ-2-Trauma
– Thought-Action-Fusion
– Malignes Introjekt
will ich nur noch laut „HIER“ schreien. Vor allem das destruktive Introjekt, die rasende Wut, die Vergeltung und alles vernichten möchte, Selbsthass und Schuld, vermiesen mir das Leben. Ich bin in analytischer Therapie (derzeit coronabedingt leider nicht engmaschig) und sehe wieder diesen riesigen Berg vor mir, den ich nicht mehr sicher bin, jemals überwinden zu können.
Gibt es Therapiekonzepte (auch stationär), die Sie für die o.g. Merkmale empfehlen würden?
Danke vorab und viele Grüße