Scham, Körper und unbewusste Phantasien: Wenn du dich vor Scham kaum bewegen kannst

Scham folgt oft rasch auf unsere – oft unbewussten – Phantasien. Oft können wir gar nicht so genau sagen, warum wir uns in diesem Ausmaß schämen.

Wenn Scham entsteht, dann wünschen wir uns, unsichtbar zu sein. Geht das nicht, können sich neben dem Schmerz auch sexuelle Gefühle hinzumischen. Die japanische Fesselkunst (Shibari) macht sich dieses Versteckenwollen zunutze. Wenn etwas nicht mehr schamhaft versteckt werden kann, beispielsweise die Brust mit den Armen, so kann sich das Schamgefühl in ein erotisches Gefühl umwandeln. Erstaunlich ist oft auch, dass wir uns vor oder nach dem Sex schämen, jedoch nicht währenddessen. Sexuelle Erregung kann uns das Schamgefühl abe einem gewissen Punkt nehmen.

Weiterlesen als Mitglied.

Jetzt Mitglied werden

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Ana-Maria Rizzuto (1991):
Shame in Psychoanalysis: The Function of Unconscious Fantasies. International Journal of Psycho-Analysis, 1991, 72: 297-312, pep-web.org/…

Guenter-Seidler.de:
Der Blick des anderen. Eine Analyse der Scham. Klett-Cotta, 4. Auflage 2015

When positive affects are thwarted, shame happens. The Tomkins Institute, USA

David Emerson, Elizabeth HopperPeter A. Levine:
Overcoming Trauma Through Yoga: Reclaiming Your Body. North Atlantic Books, 2012
Deutsche Fassung:
Trauma-Yoga. Heilung durch sorgsame Körperarbeit. Probst-Verlag, 2. Auflage 2014

Elizabeth Hopper über „Trauma Sensitive Yoga“ (TSY). New England Psychologist, 1. Januar 2016

Donald L. Nathanson (editor):
The Many Faces of Shame. New York/London: Guilford Press; 1987, amazon

Thomas H. Ogden (2006): Frühe Formen des Erlebens. Psychosozial-Verlag

Susan Isaacs (1948):
The Nature and Function of Phantasy. In: International Journal of Psycho-Analysis 29, 73-97
www.libraryofsocialscience.com/….PDF

Bonnie Evans (2017):
The first autism controversies. In: The Metamorphosis of Autism: A History of Child Development in Britain, ncbi.nlm.nih.gov/…

TAl Eizman, 26.2.1998
Beobachtung beeinflusst Wirklichkeit. Pressemitteilung des Weizmann-Instituts, idw-online.de/…

Beitrag vom 7.6.2026 (begonnen am 21.7.2016)

4 thoughts on “Scham, Körper und unbewusste Phantasien: Wenn du dich vor Scham kaum bewegen kannst

  1. Martha Grewes Lilienthal sagt:

    Liebe Frau Voos. Ich bin Mutter einer 7jährigen Tochter. Seit Anbeginn haben wir eine innige und gute Beziehung zueinander. Ich hatte viel Zeit für unsere Familie. Hatte und habe Zeit mich mit allem auseinander zu setzen. Unsere Tochter schämt sich sehr. Sie ist anfällig regelrecht für Kritiken ihren Mitschüler. Hat da wie zu wenig Selbstwert und lässt sich aus der Ruhe bringen. Ist schnell traurig wenn Mitschüler sie ungerechtfertigt und falsch behandeln. Es scheint als würde sie alles Gesagte, Gezeigte ihrer Mitschüler mitnehmen.
    Ich frage mich was ich tun kann UND was mein Anteil daran war und ist und wo ich in Zukunft anders mit ihr umgehen muss um sie zu stärken. Dabei sehe ich verschiedene Ansichtsweisen über die Entstehung vom Scham überhaupt.
    In diesem Text wird auf ein gestörtes MutterKindVerhältnis hingewiesen. Auf Ablehnung oder nicht adäquate Reaktionen der Mutter auf ihr Kind. Frau Voos, Kraft meiner Wassersuppe finde ich nicht dass ich so zu meinem Kind war. Es bricht mir das Herz wenn ich nur daran denke dass es evtl unbewusst von mir oder meinem Partner doch so gewesen sein könnte. Was kann ich dennoch proaktiv tun, um unsere Beziehung da zu stärken (und diese schlimme Scham, die so oft auf ihr lastet) zu bessern?
    Eben da ich so viel Zeit hatte mache ich mir nun den Vorwurf dass es vllt besser gewesen wäre dass ich sie alsbald weg von mir in Fremdbetreuung hätte geben sollen. Jetzt lastet es tatsächlich alles auf mir. Wenn es doch unbewusst meine Art war mit ihr zu agieren.

    Was genau kann ich tun zu verstehen woher es kommt und ebenso wie ich ihr mit ihren 7Jahren helfen kann. Psychoanalyse für 7jährige?

    Ich bin dankbar für jede Idee!!

  2. Kati sagt:

    Da muss ich Frau Voos Recht geben, natürlich dauert es etwas, aber wenn die Beziehung tiefer wird, und ich kann nur sagen das wird sie sogar sehr!!! Dann wird das Gespräch immer lockerer und man kann auch über diese schambehafteten Dinge sprechen. Und ich kann nur sagen, wie gut das tut, das endlich wo abladen zu können!
    Meine Analyse ist bald zu Ende, und sie wird mir in der Tat sehr fehlen!

  3. Dunja Voos sagt:

    In der Psychoanalyse kann über die Scham gesprochen werden. Es dauert vielleicht lange, bis man beim Psychoanalytiker auch über sehr peinliche Dinge reden kann, aber in der Regel ergibt es sich im Laufe der Analyse. Viele haben auch das Gefühl, ihre peinlichen Dinge „beichten“ zu müssen, sodass sie auch darüber sprechen wollen.

  4. Nessaia sagt:

    Mich würde mal interessieren, wie in der Psychoanalyse in der Praxis mit Scham umgegangen wird. Man soll ja auf der Couch alles sagen. Zumindest verlangen das wohl einige Analytiker von einem. Ich kann mir nicht vorstellen, daß dieser Grundsatz in der Praxis wirklich umgesetzt wird. Manchmal denkt man ja Sachen, die sind so peinlich, daß man sich lieber die Zunge abbeißen würde, als zu sagen, was gerade in einem vor sich geht …..

Schreibe einen Kommentar