Einsamkeit: „Am schlimmsten sind die Sonntage – und die Abende. Und die Nächte.“

Einsamkeit ist ein fast körperlicher Schmerz. Nicht berührt zu werden, tut unglaublich weh. Das Gefühl des „Nichts“ auf der Haut und in der Seele macht unruhig. Eine stille Wut auf andere mit Partner und Familie und ein stechender Neid auf alle, die nicht einsam sind, macht sich breit.
Wer ein berufliches Ziel erreichen möchte, kann darauf hin arbeiten. Wem es an Geld mangelt, kann versuchen, irgendwie an Geld zu kommen. Doch wem es an Liebe und Beziehung mangelt, der sieht sich oft in einer Art „Unmöglichkeit“ gefangen.
Weiterlesen als Mitglied.
Verwandte Artikel in diesem Blog:
- Familienlos
- Leben ohne Berührung – wie soll das gehen?
- Hoch gebildete Frauen finden nur schwer einen Partner
- Raus aus der Alltags-Einsamkeit!
- Auf dem Boden an frischer Luft schlafen, kann bei Einsamkeit helfen
Links:
@OsecommeJu: La solitude, c’est une vraie tristesse. youtube.com/shorts/_FApFcb-7qs
Eine Untersuchung mit 200 Menschen im Alter von 50-68 Jahren hat ergeben: Einsame Menschen haben gegenüber nicht einsamen Menschen einen um 10-30 mmHg erhöhten systolischen Blutdruck (die erste Zahl der Blutdruckmessung ist also erhöht). Louise Hawkley et al., Universität Chicago (2006): Loneliness is a unique predictor of age-related differences in systolic blood pressure. Psychology and Aging 2006, Mar 21 (1): 152-164, ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16594800
Robert S. Weiss:
Loneliness: The Experience of Emotional and Social Isolation
The MIT Press Classics
Seit dem 21.6.2017 ist der Radiobeitrag „Einsamkeit erleben und bewältigen“ in der Mediathek von ERF Plus (Evangeliumsrundfunk) abrufbar. Die Moderatorin Lucia Ewald fand mich über meine Blog-Beiträge zum Thema Einsamkeit und interviewte mich. Herzlichen Dank!
Jeannette Fischer (2023): Was ich begehre, ist in mir. Narziss und Narzissmus. Vittorio Klostermann
jeannettefischer.ch/de/narzissmus/
Julianne Holt-Lunstad et al. (July 27, 2010): Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review. PLoS Med 7(7): e1000316… Nach der Studie von Julianne Holt-Lunstad und Kollegen „sind mangelnde soziale Bindungen genauso ungesund wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit. Ein weit gespanntes soziales Netz dagegen verringerte die Sterberate im jeweiligen Untersuchungszeitraum um die Hälfte.“
Soziale Kontakte verlängern das Leben. Tagesspiegel Wissen, 28.7.2010
Fromm-Reichmann, Frieda (1959): Loneliness. Contemporary Psychoanalysis, 1990 (26): 305-329, PDF
Jörg Wiesse (Hrsg., 2000): Identität und Einsamkeit – Zur Psychoanalyse von Narzissmus und Beziehung. Vandenhoeck und Ruprecht, amazon
Martha Lear (1987): The Pain of Loneliness. New York Times, 20. Dezember 1987, nytimes.com…
Orna Ophir (2015): Loneliness and the Sense of Belonging. Thoughts about Immigration, Loneliness and Communities of Those Who Do Not Belong. The Candidate 6/2015
Danielle Knafo (2020): Alone in a crowded mind: When psychosis masks loneliness. Psychoanalytic Psychology , Volume 37 (2): 9 – Apr 19, 2020, deepdyve.com/…
Katharina Zimmer: Die Kunst, allein zu leben. lovelybooks.de/…
M. Hojat, BD Borenstein and R. Shapurian (1990): Perception of childhood dissatisfaction with parents and selected personality traits in adulthood. Journal of General Psychology, 117(3), 241–253,
psycnet.apa.org/record/1991-04239-001 „Dissatisfaction with parents was also related to a lack of satisfactory relationships with peers.“
Sean S. Seepersand: Understanding Loneliness Using Attachment And Systems Theories And Developing. An Applied Intervention. fr.scribd.com/…
Beitrag vom 14.4.2026 (begonnen im Dezember 2012)
VG-Wort Zählpixel dffeede7c9394840b47fe00fa04d0bc3
8 thoughts on “Einsamkeit: „Am schlimmsten sind die Sonntage – und die Abende. Und die Nächte.“”
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.



Liebe Cosima,
das klingt schrecklich traurig! Ja, manchmal sieht man (über Jahre/Jahrzehnte) kein Licht, kein Ende des Tunnels. Vielleicht mögen Sie ja irgendwann nochmal im Kommentarfeld hinterlassen, wie es Ihnen nach einer Zeit der Psychoanalyse geht. Ich würde mich freuen.
Herzliche Grüße
Dunja Voos
Sehr geehrte Frau Voos, Ihren Artikel zu lesen tut sehr gut, weil ich mich endlich verstanden fühle. Ich (48 Jahre) fühle mich sehr einsam, ich habe mich schon als Kind einsam gefühlt. Mein Problem ist, dass ich mir mit Schokolade viel Kummerspeck angefuttert habe. Ich denke, dass ich, solange ich so dick bin, keinen Partner finde werde, aber abnehmen schaffe ich auch auch nicht, weil ich den Trost der Schokolade dringend brauche. Also bleibe ich weiter einsam, esse weiter Schokolade usw. Ein Teufelskreis, aus dem ich nicht raus komme. Ich mache seit kurzem eine Psychoanalyse bei einem Mann, aber gehalten fühle ich mich dadurch nicht. Das Problem meiner Einsamkeit sieht er nicht.Jetzt ist er im Urlaub und ich bin deshalb noch verzweifelter, weil ich ihn so vermisse. Ich bin manchmal zutiefst verzweifelt und weiss nicht, was ich machen soll. Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Liebe Grüsse Cosima
Danke für diesen Artikel – ich fühle mich gerade ganz tief verstanden. Bei den Kommentaren hatte ich bei Peters Beitrag ein ganz intensives „Aha-Erlebnis“.(Zitat: Viel Schlimmer als die einsamen Wochenenden fand ich es damals mich in einer Gruppe einsam zu fühlen. Schnell kam das Gefühl und der Gedanke hoch: „Ich werde einsam und alleine sterben.“ Das erzählen darüber brachte Aussagen wie: „Das ist Quatsch, wir sind doch alle für dich da“ zutage. Wenig hilfreich und noch mehr Einsamkeit fördernd, denn schließlich musste ich ja allem Anschein nach verkehrt fühlen). Das erlebe ich momentan ganz oft, dass mir versichert wird: du bist nicht allein, wir sind für dich da, du hast doch ein super leben…. und unbewusst war vermutlich meine denkende Reaktion: hey, du bist diejenige, die zuviel grübelt, die nicht wertschätzt, die FALSCH ist.
Und jetzt beginnt sich gerade in mir ein wenig zu lösen, eine ich-darf-mich-so-fühlen Emotion kommt hoch und das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl. Ich weiß das löst die Themen nicht auf, aber es nimmt den Druck. DANKE nochmals….. was für ein Geschenk ist dieser Blog!
Danke für diesen spannenden Artikel! Ich selbst arbeite ehrenamtlich bei der Rettung und habe leider schon oft Menschen gesehen, die aufgrund der Folgen von Einsamkeit drastische Maßnahmen setzen. Natürlich sind auch oftmals andere Hintergründe der Auslöser, aber das Gefühl des In-Stich-gelassen-seins, des Allein-Seins scheint häufig eine große Rolle zu spielen. Auch wenn die sozialen Medien eine vielfältige Möglichkeit zum Kontakte knüpfen bieten, sind sie meiner Erfahrung nach doch mit Vorsicht zu genießen. Den nicht jeder Kontakt ist positiv zu bewerten, mancher ist für den Kontaktsuchenden eher ein Risiko als ein Glück.
LIeber Peter,
das freut mich sehr – dank Dir auch für Deinen offenen und hilfreichen Kommentar!
Hallo Dunja,
ein toller Artikel, vielen Dank dafür! Es ist ein so wichtiges Thema, das mit vielen Tabus belegt ist. Ich muss das nochmal schreiben: „Der Artikel ist so klasse!“
Ich kenne das Gefühl der „Einsamkeit“ sehr gut. Alle meine Freunde haben Familien und ich wurschtele so alleine vor mich hin. Dann gab es die Zeit der „kleinen Kinder“ in denen ich kaum Platz hatte. Viel Schlimmer als die einsamen Wochenenden fand ich es damals mich in einer Gruppe einsam zu fühlen. Schnell kam das Gefühl und der Gedanke hoch: „Ich werde einsam und alleine sterben.“ Das erzählen darüber brachte Aussagen wie: „Das ist Quatsch, wir sind doch alle für dich da“ zutage. Wenig hilfreich und noch mehr Einsamkeit fördernd, denn schließlich musste ich ja allem Anschein nach verkehrt fühlen. Glücklicher Weise ist das alles (meist) eine Erfahrung der Vergangenheit.
Für mich war auch der erste Schritt, wie du so gut schreibst, ehrlich mit mir selbst zu sein. Der Weg durch meine Ängste und das schauen auf meine wunden Punkte war nicht einfach! Meine Erfahrung hieraus ist jedoch: „Je mehr ich versuche, das was ist, zu verdrängen, umso stärker bleibe ich darin gefangen.“ Die Frage, die für mich auch dahinter steckt ist: „Wie zeige ich mich, so dass mich die anderen (auch mit meinen Gefühlen) sehen können?“
Mein zweiter Schritt, gerade für die Wochenenden und die Urlaubszeiten war die Suche nach Aktivitäten. Ich habe gezielt danach geschaut welche Unternehmungen, die mir Freude bereiten, Museumsbesuche, Fotografieren, ein gutes Buch lesen …. kann ich nachgehen, wenn ich alleine mit mir bin.
Der dritte Schritt waren Unternehmungen in Gruppen. Das waren zum teil Weiterbildungen, da musste ich ja nicht sagen, dass ich nach neuen Kontakten suche. Alles rein beruflich, versteht sich.
Mein persönlicher Durchbruch war eine „Schauspielausbildung“ dort konnte ich meine Gefühle offen leben. Zu ihr gehörte auch der krönende Abschluss eine Vorstellung vor 400 Menschen.
Ich wünsche allen die sich (noch) einsam fühlen ähnliche Erfahrungen, wie ich sie gemacht habe um so mehr Zwei- oder Mehrsamkeit in ihr Leben zu holen!
Ich weiß, ich wiederhole mich: „Vielen Dank für den tollen Artikel.“
Peter
also was sollen wir konkret tun? kollektives Selbstmord oder was?
nur wenn man den tiefsitzenden Schmerz als Kind fühlt, hört die Einsamkeit schlagartig auf, da man sich in Gott sicher und wertgeschätzt fühlen kann, das ist der einzige Weg um aus der Einsamkeit herauszukommen. Die Verabredungen im außen und die Natur helfen dabei nicht, das dient nur zur Entspannung!! Viele Psychologen wissen das nicht!!!!!Das ist keine Wertung-nur eine Tatsache!!
Ich befasse mich schon viele Jahre mit diesem Thema und kann von mir behaupten, dass das die Wahrheit ist.
Alles Liebe auf dem Weg zu sich Selbst !!