„Mein Patient hat sich umgebracht.“ Wie gehen Psychotherapeuten mit dem Suizid ihrer Patienten um?

Wenn sich ein Psychotherapie-Patient das Leben nimmt, kann der Psychotherapeut trauern wie nach dem Tod eines Angehörigen. So erging es mir selbst – und so wird es auch im Deutschen Ärzteblatt beschrieben: „Selbstfürsorge: Wenn Patienten sterben“ (PP 10, Ausgabe November 2011, Seite 506).

Viel wird darüber nicht gesprochen, denn Schuld und Scham spielen eine große Rolle. Wenn der Patient, dem man helfen wollte, aus dem Leben scheidet, hinterlässt dies auch das Gefühl des Scheiterns. Mitunter tauchen dramatische Ängste auf: „Ob jetzt wohl die Polizei zu mir kommt?“, fragt man sich – und manchmal ist es so. Oft wird der Tod des Patienten still verarbeitet: „Ich habe tagelang nur geweint“, erzählt ein junger Psychoanalytiker.

Im Zusammenspiel zwischen Patient und Psychotherapeut ist in der Zeit vor dem Suizid viel geschehen, was oft erst im Rückblick ersichtlich wird. Jedoch ist der Psychotherapeut nur ein Teil des Gesamtgeschehens, dem der Patient ausgesetzt war.

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Links:

Michael Kammer-Spohn (2013):
Selbsttötung – Ist der Psychiater schuld? Zeit Nr. 37/2013, 5.9.2013, zeit.de/2013/37/…

Adam Phillips (2026):
Aufgeben – über die Freiheit, loszulassen. Psychosozial-Verlag 2026: „Winnicott sagte, dass er, wann immer ihm jemand sagte, er wolle sich umbringen, nie versucht habe, es demjenigen auszureden; stattdessen habe er sich lediglich bemüht zu klären, dass der Betreffende die richtigen Gründe hätte.“ S.31

William James: Is Life Worth Living? International Journal of Ethics, 1895, Spinebill Press 2021, amazon: „Almost fifty years before Viktor Frankl’s Man’s Search for Meaning, William James discovers that feelings of pessimism and melancholy can be defeated through the power of action and struggle, and that life’s meaning is created through your own actions.“

Janina Lehmann, Rüdiger Nübling, Annabelle Siebert, Thomas Schnell (2025):
Suizide von Psychotherapie-Patientinnen und deren Auswirkung auf ihre Behandlerinnen. Suicides of psychotherapy patients and their impact on their psychotherapists. Psychother Psychosom Med Psychol 2025; 75(11): 465-474, DOI: 10.1055/a-2648-4063, thieme-connect.com/…

Tobias Teismann, Birgit Wagner, Laura Hofmann (2026):
Suizid in der Psychotherapie. Meine Patientin hat Suizid begangen – und jetzt? beltz.de/…

Suizid belastet Auch Psychotherapeuten. gesundheitsberatung.com/…

Harry T. Hunt (2007):
“Dark Nights of the Soul”: Phenomenology and Neurocognition of Spiritual Suffering in Mysticism and Psychosis. Review of General Psychology, Vol. 11, Issue 3. doi.org/10.1037/…, journals.sagepub.com/…

C. McMyler and S. Pryjmachuk (2008):
Do ’no-suicide‘ contracts work? J Psychiatr Ment Health Nurs. 2008 Aug;15(6):512-22, doi: 10.1111/j.1365-2850.2008.01286.x , pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18638213/

Paul Götze & Ulrich Lamparter (2020):
Suizid – ein Thema für die Psychoanalyse. Forum der Psychoanalyse, 7. Mai 2020, Volume 36, pages 119–122, link.springer.com/…

Beitrag vom 18.6.2026 (begonnen am 1.7.2023)

One thought on “„Mein Patient hat sich umgebracht.“ Wie gehen Psychotherapeuten mit dem Suizid ihrer Patienten um?

  1. Maiken Liefeith sagt:

    Es geht um das, was unser Menschsein ausmacht. Und das leidet, weil einem der andere Wert ist.
    Solche „Antisuizidverträge“ sind in sich schon pervers, weil oft jede Behandlung oder Hilfe abgelehnt wird von therapeutischer Seit aus, wenn man so etwas nicht unterschreiben kann oder will.
    Es geht denen um die Versicherungstechnische Verantwortlichkeit.
    Der Mensch als solches ist denen gleich.
    „Friss Vogel oder stirb.“ – Wobei dies Therapeuten bei einigen doch Erfolg haben, weil die Menschen wollen und es auch können oder es gelernt haben, denen nach dem Mund zu reden.

    Das ZI Mannheim sagte mir mal:“ 1/2 Stunde pro Woche investieren wir nicht in einen Menschen.“ Vor 2 Jahren wurde dort ein Patient erschlagen von der Polizei, weil er sich dem Zugriff der Klinik entziehen wollte und der Arzt wegen angeblicher Suizidalität die Polizei rief.

    Ein Menschenleben gilt nichts.

    Wer darunter leidet und an einem anderen „hängt“ zeigt einfach eines: sein Menschsein.

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