„Wissen Sie, Frau Doktor, es ist wegen dieser Krankheit“, sagt die Patientin. Ich denke: „Oha! Leukämie, Magenkrebs, Brustkrebs?“, und frage: „Welche Krankheit meinen Sie?“ – „Na, die Depression!“ Seit Anbeginn meiner Beschäftigung mit psychischen „Erkrankungen und Störungen“ habe ich Schwierigkeiten damit, die Depression als Krankheit zu sehen. Weiterlesen

Ich hatte mich oft gewundert, dass ich morgens nach dem Yoga vegetativ gestresst bei der Arbeit ankam. „Du machst zu viel davon“, sagte mir die Stationsschwester, mit der ich zusammenarbeitete. Und konnte es kaum glauben, denn ich machte gar nicht so viel. Außerdem beendete ich meine Yogarunden mit der Ruheübung Savasana (Leichenstellung). Yoga ist sehr wirksam und insbesondere Menschen mit Angststörungen und komplexen Traumata müssen es oft sehr langsam angehen lassen. Die meisten Youtube-Videos stammen von jungen dynamischen Yogalehrern und -lehrerinnen. Auch schon beim „Anfängerkurs“ nebenan möchte man vielleicht gleich wieder abschalten. Weiterlesen

Zu Beginn meines Arztberufs erschütterte mich das Leid einer alten Patientin. Die Frau war dement und machte sich eines Nachts auf den Weg zum Grab ihres verstorbenen Mannes. Unbemerkt schlich sie sich aus dem Krankenhaus und schaffte den Weg zum nahegelegenen Friedhof; sie legte sich auf den Boden und war in der Eiseskälte schon tief eingeschlafen. Bis man sie fand. Man brachte sie ins Krankenhaus, erweckte sie wieder zum Leben, und dann lag sie da: Noch mit der Erde unter den Fingernägeln weinte sie furchtbar, weil man sie nicht in Ruhe sterben gelassen hatte. Weiterlesen

Am schlechtesten gehe es den Menschen, die ohne gute innere Mutter leben, sagte der Selbstpsychologe Heinz Kohut (1913-1981). „Urvertrauen“ ist ein großes Wort und wir machen uns Sorgen, weil wir davon ausgehen, selbst kein Urvertrauen zu haben. Doch der Begriff ist idealisiert, denn wer wünscht sich nicht ein Grundgefühl von „absolutem Vertrauen“ oder ungetrübter Geborgenheit? Ein grundlegendes „Alles-ist-gut-Gefühl“ haben manche vielleicht als ein fast ständiges Grundband. Andere spüren hauptsächlich die Angst als Hintergrundmusik. Doch wenn wir mal punktuell schauen, so können wir vielleicht sagen: Die meisten Menschen kennen das Gefühl von Bettschwere. Das sind dann Momente eines Ur- bzw. Grundvertrauens. Weiterlesen