„Was denkt der jetzt von mir?“ heisst auch: Was fühlt der andere in Bezug auf mich?

„Was mag der jetzt von mir denken?“ Wir machen uns einen Kopf darüber, was andere von uns denken. Wir haben das Gefühl, dass wir das ja relativ leicht steuern können, wenn wir uns nur „richtig benehmen“. Waz wir jedoch kaum beeinflussen können, ist, was der andere fühlt, wenn er mit uns zusammen ist. „Mag er/sie mich noch? Ist der/die andere sauer auf mich?“ Diese Fragen verunsichern uns. Weil es oft so schwer ist, zu beeinflussen, wie der andere in Bezug auf uns fühlt, wollen wir wenigstens, dass er gut über uns denkt. Wir beginnen dann damit, etwas leisten zu wollen. „Wenn ich viel leiste, dann mag mich der andere“, denken wir
Aber eigentlich können wir ja nur sagen: „Wenn ich viel leiste, dann sieht der andere meine Leistung. Er kann sie anerkennen oder nicht.“ Die innere Rechnung geht nicht auf, denn wir fahren sozusagen auf Straße A (dem Denksystem), während wir Straße B (das Gefühlssystem) erreichen wollen. Dann entsteht das Gefühl, immer mehr leisten zu müssen. Einfach Sein und Lassen ist manchmal gar nicht so einfach. Unser Leistungsdenken ist oft nichts anderes als der Wunsch nach Liebe. Derweil sitzt unsere Katze einfach nur da. Sie leistet nichts – wir lieben sie, weil sie ist.
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Dieser Beitrag erschien erstmals am 9.1.2015
Aktualisiert am 26.5.2025
3 thoughts on “„Was denkt der jetzt von mir?“ heisst auch: Was fühlt der andere in Bezug auf mich?”
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Man will seine Angst lindern aber in Wahrheit verstärkt man seine Ängste auf diese Weise bloß immer mehr…
Ja das stimmt. Ich kenne auch noch das Gefühl in Bezug auf Leistung: wenn ich viel Leiste (+keine Fehler machen), dann lässt der andere mich in Ruhe. Dann werde ich nicht bedroht und muss keine Angst haben. Aber je mehr ich leiste, um so mehr Angst bekomme ich, manchmal bis hin zu Panikattacken. Was später oft zu einem Wechsel führt zwischen viel leisten und gelähmt sein (und auch erschöpft und depressiv sein).
Es gab in unserem Mietwohnhaus die Situation, dass in meiner Nebenwohnung der Brandmelder angegangen war. Ich habe den Hauseigentümer angerufen. Der kam vorbei mit dem Ersatzwohnungsschlüssel; gleichzeitig traf die Polizei ein (wer sie angerufen hat, weiß ich nicht). Ich weiß nicht, warum es mich so getroffen hat, als der Eigentümer mich leicht am Arm berührt und mich mit den leisen Worten, ich wäre „hier wohl über“ „weggeschoben“ hat.
Es war ein Fehlalarm, die Nachbarin war nicht in der Wohnung.