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Wie werde ich Psychoanalytiker*in? Heilen durch Verstehen und „Joining up“

„Also Du hast den Patienten verstanden. Und was machst Du dann, damit Du ihm hilfst?“, werde ich manchmal gefragt. „Da hat der Analytiker mich verstanden und ich habe mich allein dadurch um Längen besser gefühlt. Ich habe das Gefühl, es hat sich wirklich etwas verändert“, erzählt eine Patientin. „Und dann?“, fragt die Freundin. „Nichts ‚und dann‘ – das hat gereicht“, sagt die Patientin. Tatsächlich geraten Patienten und Analytiker manchmal in Erklärungsnot, wenn es an dieser Stelle um die Wirkung der Psychoanalyse geht. Es müsse doch etwas folgen, man müsse doch etwas machen, so der Gedanke. Doch man darf gelassen bleiben. Weiterlesen

Ausgeschlossen oder bedrängt

Ausgeschlossen oder bedrängt. Nur diese beiden Zustände kennt das Kind. Es versucht, die Mutter zu lesen. Aber da ist nichts, was es lesen könnte. Da sind nur fremde Buchstaben, die es nicht versteht, die niemand verstehen kann. Hier kommst Du nicht rein. Immer wieder kommt dem Kind dieses Bild der unlesbaren Mutter von früher. Es denkt: „Ich will das so nicht! Ich will mir eine Beziehung vorstellen, die geht. Nur, wenn ich mir eine Beziehung vorstellen kann, die geht, kann ich auch in echt eine berührende Beziehung eingehen“, denkt das Kind. Und es quält sich mehr und mehr, weil ihm die guten Bilder nicht kommen wollen.Weiterlesen

Wut – Gefühle erklärt für Kinder (aber nicht nur)

Wenn Du richtig wütend bist – wie fühlt sich das an? Wie ein Erdbeben? Wie eine Wallung, die von unten hoch kommt? Zittern deine Hände? Wirst Du rot und möchtest ganz laut schreien? Wut ist ein sehr, sehr starkes Gefühl. Wenn man wütend ist, bekommt man ungeheure Kraft. Und es wird einem alles egal – man will die Wut nur los werden. Wir glauben manchmal, dass wir explodieren, wenn wir jetzt nicht jemanden anschreien. Kleine Kinder schlagen einfach zu, wenn sie wütend sind. Das ist wie ein Reflex: Zack, ist die Schaufel auf dem Kopf des anderen.Weiterlesen

Enttäuschung – wie damit klar kommen?

Enttäuschung ist ein Herz-erdrückenes Gefühl. Man mag den anderen nicht mehr. Er fällt hinten rüber. Das, was man für wahr hielt, ist (nicht mehr) wahr. Vielleicht war es einmal wahr – für uns und für den anderen. Bei einer Enttäuschung hat sich etwas massiv verändert. Wir können etwas nicht mehr rückgängig machen. Wir haben uns im anderen – oder in uns selbst – getäuscht. Bei einer Enttäuschung tut sich ein Unterschied auf: zwischen jetzt und gleich, vorher und nachher, Vergangenheit und Zukunft, gedachtem und wahrem Zustand, vorhandenem und verlorenen Liebes- und Lebensgefühl.Weiterlesen

Vom Zweifel zur Eindeutigkeit: „Du merkst, wenn es soweit ist.“

„Soll ich ihn verlassen, oder nicht?“ | „Sind das noch Vorwehen oder geht’s jetzt los?“ | „Ist es nun der Blinddarm oder nicht?“ | „Soll ich mein Studium fortsetzen?“ Wir alle kennen Lebensphasen, in denen wir lange zweifeln und nicht wissen, wie wir das verstehen sollen, was da passiert. Wir wissen nicht, was wir tun sollen und ob wir überhaupt etwas tun sollen. Vielleicht kämpfen wir, beißen uns durch, denken positiv und wollen die Dinge in eine Richtung lenken. Doch der Zweifel bleibt wie ein Plateau, das sich über Jahre und Jahrzehnte erstreckt. Und irgendwann schmilzt es heraus: „Das ist es!“ Wir spüren die Eindeutigkeit. Weiterlesen

Wie lässt sich subjektives Erleben verändern?

„Jetzt freu dich doch mal!“, hören wir. Doch Gefühle lassen sich nur bedingt steuern. Subjektives Erleben ist sehr schwer konkret zu beeinflussen. Manche psychisch Leidende schaffen es nicht, eine Psychotherapie zu beginnen, weil sie schon am Telefon den möglichen Helfer als Bedrohung wahrnehmen. Das kann dann wie ein Fluch sein. Weiterlesen

Übelkeit beim Sex – woher kommt das?

„Wie kommt das Baby in den Bauch?“ In der Vorstellung kleiner Kinder hat die Schwangerschaft oft noch irgendwie mit dem Verdauungstrakt zu tun, obwohl sie ahnen, dass es noch ein anderes System gibt für Befruchtung, Schwangerschaft und Geburt. Wenn Kinder Szenen beobachten, die an Sexuelles erinnern (z.B. Geburten im Fernsehen), wird es ihnen manchmal übel. Auch als Erwachsene spüren wir die enge Verbindung von Magen-Darm- und Reproduktionstakt – rein körperlich, aber auch psychisch. Wenn wir dazu noch sexuellen Missbrauch oder Gewalt erfuhren, können Berührungen rasch Übelkeit in uns auslösen. Unsere (un-)bewussten Phantasien entstehen unter anderem durch körperliche Empfindungen und durch Erinnerungen. Viele sind ein Leben lang aktiv und allein schon manche Phantasie kann uns Übelkeit verursachen. Doch die Übelkeit beim Sex lässt sich auch mit dem Nervus vagus erklären. Weiterlesen

Die psychoanalytische Abstinenzregel aus heutiger Sicht: Darf ich meinen Patienten berühren? Darf ich mich im Internet zeigen?

Im weitesten Sinne bedeutet „Abstinenz“, dass der Therapeut keine private – vor allem aber auch keine sexuelle – Beziehung mit dem Patienten eingeht. Der italienische Psychoanalytiker Gaetano Benedetti (1920-2013) schreibt: „Die Abstinenzregel bleibt grundsätzlich gültig als Selbstdisziplin, als Selbstreflexion, als ständige Überprüfung der unbewussten Motivationen, als Verzicht auf narzisstische Interventionen“ (Die Kunst des Hoffens, Vandenhoeck & Ruprecht 2000, S. 158). Weiterlesen

Psychosen verstehen, Medikamente absetzen – wer kennt sich aus?

Wer in der Psychiatrie die Medikamenteneinnahme verweigert, hat oft einen schweren Stand. Ärzte und Therapeuten werfen den Patienten mitunter vor, sie könnten nicht vertrauen, hätten keine Krankheitseinsicht und würden sich trotzig wie ein Kind benehmen. Zum Glück gibt es Psychotherapeuten wie den New Yorker Psychiater Peter Breggin (geboren 1936) – er setzte sich sein Leben lang dafür ein, Psychosen zu verstehen und keine Psychopharmaka zu verordnen. Je stärker die Antipsychotika die Psychiatrie eroberten, desto weniger Raum blieb für psychologische Erklärungsmodelle und Psychotherapie. Weiterlesen

Körpersymptome als Aggression gegen den Partner oder Traumafolge?

Das Paar will ins Konzert und die Frau bekommt Migräne. „Vielleicht haben Sie die Migräne ja bekommen, weil Sie wütend waren auf Ihren Mann. So konnten Sie ihm das Leben vermiesen, ohne selbst schuld zu sein.“ Eine Zeitlang war es modern in der Psychoanalyse, das Augenmerk auf mögliche Aggressionen zu legen. Das kann manchmal stimmen und auch hilfreich sein, wenn man denn so wieder die Kontrolle über die Kopfschmerzen gewinnen könnte. Heute prüfen viele Psychoanalytiker jedoch auch, ob nicht ein Trauma hinter der plötzlichen Migräne stecken könnte. Der Konzertsaal kann mit Einengung und Zwang verbunden werden. Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, dass der Körper aufgrund von Müdigkeit, Unverträglichkeiten und Mangelerscheinungen oder „einfach so“ und weitgehend autonom eine Migräne entwickelt. Weiterlesen