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Mit einem Ruck – plötzlich ist die Angst da. Wie ist die Atmung beteiligt?

Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Bild, eine Atmosphäre, eine unbewusste Erinnerung. Manchmal auch nichts. Dann ein Ruck. Er geht durch Körper und Psyche. Der innere Boden wird weggezogen. Eine ungeheure Schwäche kommt. Orientierungslosigkeit. Die anderen gucken schon. Die Erschütterung ist da, die Kaskade geht los. Ich weiss schon, was kommt. Im Darm löst sich alles. Die Panik bricht durch, äußere und innere Wände werden porös, die Bedrohung scheint überall zu sein. Eine Frage von Millisekunden: Schweissgeruch, Zittern, Atemnot. Weiterlesen

Kafka, Körper und die Frühe Störung

Ich habe einen neuen Patienten, der so langweilig ist, dass ich Ihre Hilfe brauche. Der Patient Herr K. (geb. 3.7.1883, privat versichert) wurde mir überwiesen von Frau Professor Claudia Liebrand und Herrn Professor Rainer Kaus. Herr K. ist als Therapeutenkiller bekannt. Zunächst fühlte ich mich freudig herausgefordert, doch schon in der ersten Sitzung kämpfte ich mit Gefühlen von Leere und Langeweile. Ich spürte keine vitalen Affekte, sondern eher Negativsymptome, wie sie bei einer schweren Depression oder einer Schizophrenie vorkommen: Ich fühlte mich irgendwie leer und zurückgewiesen.Weiterlesen

Symbole sind Denkverschwendung

„Gibt es das wirklich, dass manche Menschen glauben, sie haben einen Engel auf der einen und einen Teufel auf der anderen Schulter, die ihnen unterschiedliche Sachen sagen?“, fragt das Kind. „Manche Menschen stellen sich das so vor. Der Engel und der Teufel sind Symbole. Sie machen es dem Menschen leichter, über manche Dinge zu sprechen.“ – „Ich sage lieber: Ich habe zwei Meinungen. Symbole sind Denkverschwendung. Die muss mein Denken ja erstmal erschaffen. Da denke ich lieber direkt“, sagt das Kind. Weiterlesen

Sicherheitshalber

Sicherheitshalber - stellen wir uns schon mal auf den Abschied ein, dabei wollen wir noch gar nicht Abschied nehmen. Sicherheitshalber bereiten wir uns innerlich auf das Wiedersehen vor, dabei genießen wir doch noch unser Alleinsein. Wir versuchen, in der Sch...

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Autismus-Spektrum-Störung, Asperger und die Kühlschrank-Mutter: Wie können wir besser differenzieren?

Wenn Du die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ oder „Asperger-Syndrom“ hast, fühlst Du Dich möglicherweise sehr gestresst, wenn Du körperlich nah mit anderen Menschen zusammen bist. Laute Geräusche, Menschenmengen und starke Gerüche belästigen Dich vielleicht stärker als andere Menschen. Vielleicht hattest Du schon früh einen großen Wortschatz und bist sehr belesen. Viele Betroffene haben auch einen hohen Intelligenzquotienten und ein außergewöhnliches Hobby. Auch auf hypersensible, frühtraumatisierte oder schizoide Menschen können einige der Beschreibungen zutreffen. Weiterlesen

Arbeit des Negativen nach André Green (1993)

Auch das Negative arbeitet in uns: Die Abwesenheit der Mutter des anderen kann uns enorm beschäftigen. Wenn das äußere Objekt nicht da ist, dann sind wir mit unserem Ich ganz besonders allein – es wird deutlich spürbar, manchmal sogar übermächtig und quälend. Wenn wir mit einem anderen zusammen sind und in uns selbst etwas spüren, was wir nicht haben wollen, dann stoßen wir es gerne aus. Wir bringen es im anderen unter (projektive Identifikation) oder wir verdrängen und verleugnen es, also schieben es bei uns selbst in den Keller. Das alles setzt voraus, dass wir uns selbst als abgegrenztes Wesen erleben können. Weiterlesen

Präcox-Gefühl: Der erste intuitive Eindruck bei der Schizophrenie-Diagnostik ist wichtig

Als „Präcox-Gefühl“ (also vor-reifes Gefühl) wird ein erstes intuitives Gefühl bezeichnet. Es zeigt sich, bevor man weiß, was genau überhaupt los ist. In der Psychiatrie bezeichnet man damit den ersten intuitiven Eindruck des Psychotherapeuten vom Patienten, der oft schon deutlich auf die Diagnose „Schizophrenie“ hinweisen kann. Der Psychiater Thomas Fuchs schreibt in seinem Beitrag „Intuition in der psychiatischen Diagnostik“, S. 38 (beginnend mit einem Zitat von Jakob Wyrsch [1892-1980]: „‚Die Einzelsymptome und ihre Summe machen also das Ganze der Schizophrenie noch nicht aus, sondern es kommt immer noch etwas hinzu oder geht etwas darüber hinaus, und dieses Etwas muss es wohl sein, was uns intuitiv die Diagnose erlaubt‘ (Wyrsch 1946).“Weiterlesen

Brüchig

Wie aufgebrochener Asphalt auf der mit dem Schlaghammer aufgebohrten Straße. So liegen die Steine in Fetzen an der Oberfläche neben dem ausgetrockneten Loch. Außen Beschädigung, innen tiefe Erschütterung. Wie in meine Einzelteile zerlegt, alle Bauklötze umhergeworfen. So fühlt es sich an. Darüber fegt ein Gedankensturm, der fast alle Fensterläden abreißt. Auch innen ist nichts mehr geschlossen. Es herrscht eine Überfüllung aus Abwesenheit. Die Wirkung, die die Mutter hatte, ist verheerend. Weiterlesen

Ich-Ideal: Ich wäre so gerne so anders

„Ich wäre gerne viel gelassener, disziplinierter, schlanker.“ Wir alle haben ein Ich-Ideal, also eine Vorstellung davon, wie wir gerne sein würden. Kleine Kinder möchten so sein wie die Grossen. Sie identifizieren sich mit ihnen und idealisieren sie. Erst später kommt es zur Desillusionierung: „Meine Eltern sind furchtbar, ich will niemals so werden wie sie!“, sagen wir jetzt vielleicht. Wir haben neue Vorstellungen davon entwickelt, wie wir gerne sein möchten. „Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte“, soll der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855) gesagt haben.Weiterlesen

Harold Searles: Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung

Die „Collected Papers on Schizophrenia and Related Subjects“ des Psychoanalytikers Harold F. Searles (1918-2015) wurden erstmals im Jahr 1965 veröffentlicht. 2008 legte sie der Psychosozial-Verlag neu auf: Das Buch „Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung“, Psychosozial-Verlag, ist 275 Seiten stark, eng bedruckt und herrlich gemütlich. Es wurde mit großer Sorgfalt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Sprache stammt ungewohnterweise aus der Zeit vor dem Internet. Man kann schmunzeln, wenn man Formulierungen wie diese liest: „so aber dünkt es mir völlig natürlich …“ (S. 84). Erholsamerweise gibt es keine Info-, Merkkästen oder sonstige Marginalien. In aller Seelenruhe und höchst präzise beschreibt Searles seine Arbeit mit schizophrenen Patienten. Gänzlich unaufgeregt, sehr nüchtern und logisch erklärt er, wie das „Verrücktsein“ entstehen und wie die psychoanalytische Behandlung helfen kann. Weiterlesen