

Der Patient sitzt vor uns und weint bitterlich. Wir jedoch fühlen uns wie versteinert. Wir versuchen, wenigstens mitfühlend dreinzublicken, aber so richtig mag es uns nicht gelingen. Es wird uns unangenehm und wir fragen uns, wie sehr der Patient merkt, dass wir hier nicht so richtig „bei ihm“ sein können. Wieso können wir manchmal mit einem Patienten nicht mitfühlen, obwohl sein Leid so offensichtlich ist? Weiterlesen

Er dreht sich um. Ich schaue auf seinen Rücken. Ich höre, wie sein Atem tiefer wird. Er schlummert ein. Seine Gedanken schweifen ab. „Und was ist mit mir?“, möchte ich schreien. Ich starre auf die Decke, die sich gleichmäßig in seinem Atemrhythmus auf und ab hebt. Meine Haut fängt an zu jucken. Die innere Unruhe steigt in mir auf. Weiterlesen
Wenn wir an einem anderen Menschen etwas entdecken, das uns entspricht, dann identifizieren wir uns mit ihm uns (idem = lateinisch „Dasselbe“). Wir finden den anderen gut, fühlen uns von ihm verstanden und verstehen ihn. Wir übernehmen vielleicht etwas von seinen Verhaltensweisen, vielleicht sogar von seinen Gefühlen und Meinungen. Kinder spielen, wie der Lehrer oder wie die Eltern zu sein. So lernen Kinder, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Gleichzeitig spürt das Kind, dass es nur so tut, „als ob“ es so wäre wie Vater oder Mutter. Weiterlesen

„Das muss Telepathie (Gedankenübertragung, Mitfühlen über die Ferne) gewesen sein!“, denkst du und dir stehen die Haare zu Berge. Du fragst dich: Was, wenn es Telepathie wirklich gibt? Dann kann man doch auch Böses damit anstellen, oder? Ich denke bei der Telepathie geht es nicht um etwas Aktives, sondern um etwas, das wir passiv wahrnehmen. Wenn eine grosse Nähe zwischen zwei Menschen besteht, kommt es zur Kommunikation von „Unbewusst zu Unbewusst“. Telepathische Momente, sozusagen Momente der „Gleichzeitigkeit“, können entstehen. Auch Sigmund Freud machte sich darüber Gedanken. Weiterlesen
„Immer, wenn ich eine Panikattacke habe, habe ich das Gefühl, dass jemand in mich eindringt. Ich glaube in dem Moment, ich fühle mich so unfassbar schlecht, weil meine Mutter mir in eben diesem Moment Böses wünscht. Ich schäme mich, das zu sagen, weil es so psychotisch klingt. Obwohl ich meinen Verstand einsetze, bleibt diese Angst bestehen“, sagte ich als Studentin. Weiterlesen

Häufig haben wir Gedanken, die wir gar nicht bewusst denken („Thoughts without a thinker“, Bion). Sie schweben einfach in uns herum, vielleicht als unbewusste Phantasie oder Körperempfindung. Sie sind noch nicht ausgegoren. Die Gedanken brauchen einen Raum, in dem sie gedacht werden können: Sie brauchen einen Denkraum und natürlich einen Denker, der sie denkt. Weiterlesen

Elf Jahre hat meine Ausbildung bei der DPV gedauert, bis ich mich endlich bei der Ärztekammer zur Prüfung angemeldet habe. Ein Abschlusskolloquium bei der DPV habe ich jedoch nicht gemacht. Ein paar Jahre zuvor wäre diese Vorstellung für mich noch katastrophal gewesen. Ich hätte noch bleiben und vielleicht irgendwann das Kolloquium machen können, aber das Gefühl dafür, wann es wirklich Zeit ist, zu gehen, das kommt einfach. Mich trug der Choral „Es ist genug“ (Bachwerkeverzeichnis 60, Youtube). Obwohl viele oft lange mit der Ausbildung hadern und aufhören möchten, so beissen sich die meisten wohl doch bis zum Abschlusskolloquium durch. Wie ist es, früher zu gehen?Weiterlesen

„Mir ging es am Ende der Stunde wirklich nicht gut und dennoch hat mein Analytiker die Sitzung pünktlich beendet. Manchmal hat dieser strenge Rahmen etwas Grausames.“ Die Psychoanalyse ist für ihren strengen Rahmen bekannt: Die Stunden fangen pünktlich an und hören pünktlich auf (nicht so bei Lacan allerdings). Weiterlesen

„Heute Nacht kommt die Zahnfee“, „Morgen kommt das Christkind“, sagen die Eltern. „Kannst du nochmal unter dem Bett nachgucken, ob da wirklich kein Monster ist?“, fragt das Kind. Das Problem mit guten Geistern: Sie sind nicht allein. Erzählt du deinem Kind etwas von einer guten Fee, dann kann im Unbewussten auch schnell die Vorstellung von einer bösen Hexe auftauchen. Weiterlesen

Aufgewachsen in Gewalt und Todesangst. Aufgewacht in dieser kalten Welt. Auf einmal sickert Dir ins Bewusstsein: „Du bist ganz allein.“ Allein wie eine Aussätzige. Wie hinter Glasscheiben bewegen sich die anderen – als Paare, Familien, Geschwister, als Kinder und Eltern. Lachend und gemeinsam. Schmerzvermeidung tut weh. Du selbst bleibst unberührt. Du berührst niemanden. Weiterlesen