Vater und Mutter sind ein Paar. Das Kind ist ausgeschlossen. Das Kind wird größer. Zusammen mit anderen geht es zur Schule. Die anderen gehen auf Parties. Die anderen heiraten und bekommen Kinder. Sie leben in Häusern, aus deren Fenstern abends gemütliche Lichter funkeln. Einsam geht das Mädchen daran vorbei. Das Mädchen wird zur Frau – ganz alleine. Die Männer kehren zu ihren Frauen zurück. Die Frau bekommt ein Kind. Der Vater holt es in den Ferien ab. Vater und Tochter sind zusammen. Die Mutter ist ausgeschlossen. Es ist ausgeschlossen, dass sie jemals jemanden an ihrer Seite haben wird Weiterlesen
Es ist still. Nur der Atem geht. Einer schlägt die Beine übereinander. Einer streicht sich mit der Hand durch das Gesicht. Schlucken. Die Uhr tickt. Ein Räuspern. Darmgeräusche. Spannung auf der Haut. Leichte Übelkeit. Schwindet wieder. Wechselt mit Wohlgefühl. Die Ohren lauschen. Die Augen geschlossen. Wieder offen. Wo sind die Grenzen? Über dem Körper eine Schicht, die man nicht sieht. Ob der andere wohl darauf blickt und starrt und beobachtet? Ob er nur schaut? Oder sich lustig macht? Ob er gleich angreift – im Guten wie im Bösen? Oder gar schläft? Weiterlesen
Er lässt sich nicht verdrängen. Nicht begraben. Nicht erdrücken. Er ist immer da. Untransformierbar. Mal im Hintergrund, mal im Vordergrund. Er lässt sich nicht erweichen, nicht zum Lachen bringen. Er versteht Dich nicht. Er ist das Konglomerat des Bösen, das Du erlebt hast. Er steht da. Unerbittlich. In Dir. Der Böse. Und ist doch Teil von Dir. Weiterlesen
Das Kind streckt der Mutter die Zunge raus und reizt sie damit bis aufs Blut. Der junge Mann wird von seiner Freundin verlassen und verspürt den Drang, sich auf der Straße vor anderen Frauen auszuziehen. „Du kannst mich mal am Arsch lecken“, sagen wir. Provokation hat etwas mit „Nacktmachen“ zu tun. Weiterlesen
Erst bist du auf der Suche. Vielleicht dein halbes Leben lang. Oder länger. Und dann triffst du auf einen Menschen, der ist gut. Der nimmt sich Zeit, der nimmt dich ernst. Er lehrt dich, dich selbst zu verstehen. Da gibt es keine „brutale Ehrlichkeit“, sondern vorsichtiges Fragen, vorsichtiges Interesse. Dann tritt noch ein guter Mensch in das eigene Leben. Und dann noch einer und noch einer. Keine Angst, es ist auszuhalten, denn der schlechten Menschen gibt’s genug. Aber das Gute, das ist wie eine Kette. Ein Glied reiht sich an das andere. Irgendwann wirst du gehalten und aufgefangen vom Guten. In Freiheit. Und Sicherheit. Und plötzlich kommt es: Das späte Glück, die späte Familie ist da.Weiterlesen
Dieser ohrenbetäubende Lärm. Doch das Kind, es kann nicht mehr schreien. Die Mutter drückt ihm den Atem ab. Das Kind liegt auf dem Rücken. Es ist vielleicht acht oder neun Jahre alt. Es sieht. Weiße Tropfen. Von der Tapete herunterrinnen. Es bekommt keine Luft mehr. Noch eine Sekunde. Und das Licht geht aus, denkt das Kind. Es blickt die Mutter an. Vielleicht seine Rettung. Es blickt. Der Mutter in die Augen. Die Mutter lässt los. Ganz plötzlich. Und ist weg. Das Kind, es setzt sich auf. Es sitzt auf dem Bett. Das sommerliche Vormittagslicht leuchtet durch das Fenster. „Glück gehabt“, denkt das Kind. „Hab ich ein Glück gehabt.“ Weiterlesen
Manchmal, da war es so einsam. Das Kind ging ins Bett, ohne Mutter. Die saß nebenan. Das Einzige, was dann noch tröstete, war der Strahl der tiefstehenden Abendsonne, der durch die Jalousetten fiel und auf dem Boden ein warmes Licht hinterließ. Weiterlesen
Es ist so laut, denkt das Kind. Die Eltern, sie streiten nur – fast jeden Tag. Das Kind darf nicht nach Hilfe suchen. Es wird geschlagen, wenn es erzählt. Es schweigt. Es ist ein ruhiges Kind – die Lehrer, sie mögen es sehr. Das Kind hat Bauchweh. Es hofft, dass der Kinderarzt es errät. Es ist der Lärm, der diese Bauchweh macht. Das Kind muss schweigen. Der Kinderarzt sieht nichts. Lärm kann man nicht sehen. Weiterlesen
Das kleine Mädchen läuft auf den Papa zu. Es kribbelt in seinem Bauch, vor lauter Freude. Er nimmt es in seine Arme und wirft es hoch in die Luft. Das Mädchen jauchzt. Der gesunde Vater ist stark. So stark, dass er seine eigenen Gefühle kennt, hält, lenkt. Er freut sich mit seinem Kind. Die beiden sind glücklich. Und arglos. Und sie dürfen es bleiben, denn die Mutter schaut zu und freut sich. Weiterlesen
Es nutzt nichts. Sie kommt immer wieder. Egal, wieviel Schutz ich mir vor mich und um mich herumstelle: Sie dringt durch Mauern, durch meine Haut, durch mein Körperfett – direkt in mich ein. Und dann ist ihre Seele in mir und tobt. Sie macht mich krank. Sie schadet mir. Sie will mich aushöhlen, will mich töten. Irgendwo sitzt sie und schickt mir ihre bösen Gedanken, davon bin ich überzeugt. Ich spüre es, ich fühle es. Ich wünschte, sie würde sterben. Aber dann ist die Angst noch größer: Dann kann sie vom Himmel aus, von überall her in mich eindringen. Weiterlesen