Glück lässt sich nur wenig kontrollieren. Wir können Voraussetzungen schaffen, die es dem Glück erleichtern, zu uns zu kommen. „Good things come to people who can wait“, heisst es. Wir können eine gute Atmosphäre schaffen, um gute Gespräche leichter zu ermöglichen. Aber wir können nicht alles steuern. Und deswegen neigen wir manchmal dazu, das Schlechte zu lenken. Denn das ist auf gewisse Art einfach. Wenn ich für eine Prüfung gelernt habe und alles gebe, dann bin ich dennoch abhängig von vielen Dingen, damit ich die Prüfung bestehe. Wenn ich mich jedoch dumm stelle, dann habe ich’s im Griff. Weiterlesen

„Wo ich hinkomme, reagieren die Menschen mit Ärger auf mich. Ich weiß nicht, wieso. Es sind sehr unbefriedigende Begegnungen.“ Eine Patientin erzählt, dass fast alle ihre Kontakte von unbegreiflicher Aggression betroffen sind. Erst im Laufe der Zeit entdeckt sie, dass sie die anderen ständig steuern will. Sie macht Witze, damit die anderen lachen und sie denkt sich vorher genau aus, was sie sagt, damit die anderen in dieser oder jener Weise reagieren. Auf einmal versteht sie, warum so viel Langeweile in ihrem Leben herrscht: Sie vermeidet die lebendige Begegnung.Weiterlesen
Libido ist das lateinische Wort für „Begierde, Lust“. Sigmund Freud bezeichnete die Libido als „Triebenergie“ – als den Motor, der uns am Leben hält. Später nannte er die Libido auch Eros (siehe Jenseits des Lustprinzips, 1920, Projekt Gutenberg). Weiterlesen
Eine zweite Sitzung an einem Tag kann gerade bei schwer traumatisierten und psychotischen Menschen in der ambulanten Psychotherapie oder Psychoanalyse sehr sinnvoll sein. Manche entwickeln in der Abwesenheit des Psychotherapeuten erschreckende Phantasien und fühlen sich verfolgt. Interessanterweise kann eine zweite Sitzung am Tag meiner Erfahrung nach Verfolgungsängste reduzieren, weil der Abgleich mit der Realität stattfinden kann. In krisenhaften Phasen der ambulanten, hochfrequenten Psychotherapie mit schwer gequälten Patienten können zwei Sitzungen an einem Tag zur deutlichen Entspannung führen.Weiterlesen

Der amerikanische Psychoanalytiker RichardReichbart.com erzählt in seinem Buch „The Anatomy of Psychotic Experience“ (amazon), wie er als junger Student psychotische Episoden erlebte und eine Psychoanalyse begann. Er sei so verstört gewesen, dass er anfangs sieben Sitzungen pro Woche erhielt – also auch sonntags. Weiterlesen

„Früher bin ich auch alleine schwimmen gegangen, aber jetzt mache ich das nicht mehr. Wenn ich alleine raus gehe, dann fühle ich mich noch einsamer. Wenn ich zu Hause bleibe, muss ich wenigstens nicht die anderen glücklichen Menschen, die Pärchen und Familien sehen.“ Vielleicht geht es Dir ähnlich. „Geh`doch mal raus“, raten die anderen Dir. Und Du denkst: „Wenn ich solche Aufförderungen schon höre, krieg‘ ich die Krise.“ Rausgehen ist manchmal das Letzte, was die einsame Seele braucht. Du spürst vielleicht: Der Rückzug auf Dich selbst kann die Einsamkeit paradoxerweise oft wenigstens etwas lindern – jedenfalls im Vergleich zu dem Gefühl, das aufkommt, wenn Du „raus gehst“.Weiterlesen
Die Rheumatoide Arthritis, auch Primär Chronische Polyarthritis (PCP) genannt, lässt viele Betroffene verzweifeln. Die Innenhäute der Gelenke sind entzündet, Finger, Zehen und Hände manchmal kaum zu gebrauchen. Die Erkrankung zählt zu den sieben klassischen Psychosomatosen, wobei insbesondere an schwere Traumata gedacht werden muss. Je länger die Erkrankung dauert, desto stärker verformen sich die Gelenke. Sehr oft entwickelt sich die Arthritis zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr. Besonders Frauen sind betroffen. Es ist nicht so, dass man sagen kann: Menschen mit dieser oder jener Persönlichkeit bekommen diese oder jene psychosomatische Erkrankung. Aber dennoch lassen sich manchmal Gemeinsamkeiten zwischen den Betroffenen feststellen. Weiterlesen
Etwa im Alter von zwei Jahren beginnen Kinder zur Freude ihrer Eltern mit ihrer „Malerkarriere“. Der Pädagoge Wolfgang Grözinger beschreibt, wie Kleinkinder das Malen lernen. Diese Fähigkeit entwickelt sich über Jahre hinweg, doch die Entwicklung sieht bei den meisten Kindern gleich aus. Das erste Gebilde aus Kreuz- und Querstrichen nennen Kunstpädagogen das „Urkreuz“. Es symbolisiere ihrer Meinung nach das „Stehen“. Gleichzeitig lieben es die Kleinen, Spiralen zu malen. Grözinger vermutet dahinter ein schwebendes Raumgefühl der Kleinen. Diese Gebilde nennt er „Urknäuel“. Die ersten Zickzacklinien („Ur-Zickzackstrecke“) dann seien wie ein „Schreiben“ oder ein „Gehen“ auf dem Papier.Weiterlesen

Wir spüren auf unserer Haut oft, wie wir uns fühlen. Bei Panikattacken merken wir vielleicht, wie dünnhäutig wir sind. Menschen mit Psychosen leiden oft unter dem Gefühl, dass viele kleine Insekten auf ihrer Haut herumkrabbeln. Haut, Nervensystem und auch der Zahnschmelz entstehen in der Entwicklung des Embryos aus derselben Keimschicht, nämlich dem Ektoderm. Die psychische Gesundheit lässt sich häufig auch an den Zähnen ablesen. Weiterlesen

Neurologische Soft Signs (NSS) sind leichte neurologische Störungen, die sich bei Bewegungen bemerkbar machen. Sie können z.B. durch Sauerstoffmangel unter der Geburt entstehen. Solche NSS sind manchmal kaum bemerkbar, aber an bestimmten Bewegungen erkennbar. Zum Beispiel können Musiker oder andere Künstler darüber klagen, dass sie bei Repetitionsbewegungen scheitern – einzelne Muskeln des Körpers verkrampfen und die Bewegung geht nicht weiter. Weiterlesen