Projektion und Projektive Identifizierung im Alltag und in der Psychoanalyse: „Ich wusste, dass du so bist!“

Manchmal löst ein anderer ein starkes Gefühl in uns aus: Wir fühlen uns im Kontakt mit ihm hilflos, wütend, ohnmächtig oder schuldig. Kleine Kinder können uns „wütend machen“, wenn es in ihnen selbst „irgendwie“ brodelt.

Ein Patient in der Psychoanalyse, dem noch die Worte für Erlebtes und innere Nöte fehlen, „macht“, dass der Therapeut sich plötzlich so (traurig, neidisch, verzweifelt, stark) fühlt, wie er sich selbst unbewusst fühlt. Wenn der andere „macht“, dass ich mich so fühle, wie er, dann spricht man von „Projektiver Identifizierung“. Der andere legt dann sein Gefühl, seine Eigenschaft oder Phantasie sozusagen in mich hinein.

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Links/Literatur:

Elisabeth Spillius and Edna O’Shaughnessy:
Projective Identification
The Fate of a Concept
www.melanie-klein-trust.org.uk/…

Kritik an Edna O’Shaughnessy (1924-2022) übt Michael Bacon – er war als Kind drei Jahre lang ihr Patient. In ihren Fallgeschichten heisst er „Leon“.
Michael Bacon (2024):
The therapist who hated me. „Going to a child psychoanalyst four times a week for three years was bad enough. Reading what she wrote about me was worse“ aeon.co/essays/… : „How do I feel about having come across a wild misrepresentation of my early self? … I found a video interview with her recorded sometime around 2015. In it she makes casual mention of ‘my young Leon’. That proprietary comment – made over a quarter of a century after she last saw me – feels to me now like an attempted kidnapping. … O’Shaughnessy wasted part of my childhood for three frustrating years, it wasn’t because she meant to do so, but because she could perceive me only as a device to play out already fixed ideas.“

Grotstein, James (2007):
A Beam Of Intense Darkness
Karnac Books 2007
S. 168-190: Projective transidentification: an extension of the concept of projective identification

Kernberg, Otto (1987):
Projection and projective identification:
Developmental and clinical aspects.
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3693786
In: J. Sandler (Hrsg.):
Projection, Identification and Projective Identification.
S. 92-116, Madison, CT, International Universities Press, 1987.

Robert T. Waska:
Hate, Projective Identification, and the Psychotherapist’s Struggle
J Psychother Pract Res 9:33-38, January 2000

Kenneth Sanders
The Economics of Introjective Identification and the Embarrassment of Riches
British Journal of Psychotherapy
Volume 10, Issue 2, Pages: 133-306, December 1993

Dieser Beitrag wurde erstmals verfasst am 31.5.2012
Aktualisiert am 24.12.2024

One thought on “Projektion und Projektive Identifizierung im Alltag und in der Psychoanalyse: „Ich wusste, dass du so bist!“

  1. Christian sagt:

    Guten Abend, Morgen, Mittag.

    fÅ«r ihre Interessanten, aufschlussreichen Berichte möchte Mensche sich bedanken.
    Natūrlich rein objektiv betrachtet:)
    Gott sei dank gibt es Menschen, die im begrenzten Raum mit begrenzter Zeit
    sich dem Menschen zu wenden. Sich sich selbst spūren lassen.

    Ein schizoid, auf sich selbst zurūck geworfener Mensch.

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