Wie werde ich Psychoanalytiker*in? „Und dann habe ich die Stunde beendet.“

In Kasuistisch-Technischen Seminaren, in denen angehende Psychoanalytiker*innen ihren Fall vorstellen, ist oft der Satz zu hören: „Und dann war die Stunde zu Ende.“ Dieser Satz zeigt vielleicht, wie gehaltvoll der Anfang und das Ende der Stunde sind. Gerade an diesen Rändern der Stunde, an den Übergängen „von der Realität auf die Couch“ und von der Couch zurück in die Realität, passiert ungeheuer viel. Wie blicken sich Patient und Analytiker an? Was wird gesagt oder nicht gesagt? Wie sieht das Schweigen aus? Was passiert im Flur?

Manchmal möchte man sich als Ausbildungskandidat*in gerne verstecken. Während die „eigentliche Stunde“ detailliert ausgeführt wird, wird zum Anfang und zum Ende der Stunde oft wenig gesagt. Es erinnert mich an so manche Geburts- oder Todesanzeige: „Mutter und Kind sind wohlauf“ oder „Er starb im Kreise seiner Familie“ oder gar: „Er/sie suizidierte sich.“

Was uns brennend interessieren würde ist doch: Wie kam das Kind auf die Welt? War es ein Kaiserschnitt, eine natürliche Geburt, eine Geburt mit oder ohne PDA (Periduralanaesthesie)? Woran starb jemand genau und wie hat sich der oder die Suizidale schließlich genau das Leben genommen? Jedem Stundenbeginn wohnt ein Zauber inne. Und jedem Abschied ebenfalls. Um möglichst viel vom Patienten zu verstehen, ist es wichtig, nicht nur die Stunde selbst, sondern ganz besonders auch den Beginn und das Ende der Stunde darzustellen (wobei der Beginn einer Sitzung meiner Erfahrung nach doch oft noch genauer beschrieben wird als das Ende der Sitzung).

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One thought on “Wie werde ich Psychoanalytiker*in? „Und dann habe ich die Stunde beendet.“

  1. Labil sagt:

    Mit den Psychopharmaka wird man klein, unterdrückt und abhängig, gebeugt sozusagen. Ich bekam auch glücklicherweise zeitgleich mit den Psychopharmaka einen Therapieplatz. Deshalb bin ich der Meinung, besser ein schlechter Analytiker, als in dieser hilflosen Situation allein gelassen zu werden.
    Er beruhigte mich, als ich extreme Ängste und Panikstörungen bekam. Ich dachte, ich wäre geisteskrank, aber es lag an den Medikamenten. In der Klinik wäre es noch schlimmer gewesen, da man dort noch übergriffiger behandelt wird. Ein Klinikaufenthalt hätte eine zusätzliche Traumatisierung ausgelöst. Die beste Lösung wäre gewesen, keine medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich war neugierig und wollte wissen, wie eine Psychoanalysestunde abläuft.

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