#CoronaPsychologie: „Das bisschen Maske, das bisschen Abstand …“
Es ist ein Debatten-heißer Sommer. An Corona entzündet sich das Leib-Seele-Dilemma. Die Hitze entzweit die Gesellschaft in diejenigen, die die Maske weiter tragen und die, die es nicht tun. Fernab vom Corona-Virus ist es psychologisch äußerst interessant, was da alles passiert. Es lassen sich so viele Schichten analysieren, dass es diesen Blog sprengen würde. Doch vielleicht lassen sich schon kleine Funken anschauen.
Das Thema Mund-Nasen-Schutz ist ein emotionales, ein höchst persönliches. Wie wir dazu stehen, hängt davon ab, ob wir Gewalt-Erfahrungen gemacht haben oder nicht. Es hängt davon ab, ob wir selbst, unsere Eltern und Großeltern Kriege hautnah miterlebten oder nicht. Es hängt vielleicht sogar mit unseren vorgeburtlichen Ängsten zusammen: Hatten wir die Nabelschnur um den Hals gewickelt? Wurden wir natürlich geboren oder per Kaiserschnitt kurz vor dem Erstickungstod?
Atem ist Leben – und darum geht es
Der Atem ist unser Leben. Wir wollen saubere Luft einatmen und sind der Gefahr ausgesetzt, dass krankmachende Partikel darin enthalten sind. Wir wollen uns beim Einatmen schützen (die Evolution hat dazu die Nase erfunden). Wir brauchen aber auch unsere Freiheit: Frische Luft ist ein Symbol der Freiheit. Wir können durch den Mund atmen, wenn uns die Nase zu eng wird.
„Ich musste als Kind immer den Mund halten“, sagt eine „Masken-Gegnerin“.
Die Diskussion um den Mund-Nasenschutz hängt auch davon ab, ob wir als Kinder frühtraumatisiert wurden oder nicht, ob unsere Eltern uns zur Strafe in ein enges Zimmer sperrten oder nicht, ob wir schon einmal in einem Aufzug stecken geblieben sind, ob uns jemand den Mund zugehalten oder sexuell missbraucht hat.
„Was mich krank macht, sind diese nüchternen, vernünftigen Beitäge“, sagt Einer. „Was mich beruhigt, sind die nüchternen Beiträge“, sagt ein Anderer.
Komplex, verdrängt und schwer zu verstehen
All diese hochkomplexen Erinnerungen und Verdrängungen spielen in dieses Thema mit hinein. Unser Unbewusstes in diesem Land verbindet mit den Corona-Einschränkungen vielleicht sogar die Gaskammern und die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg, ohne dass wir uns dessen bewusst werden. Da gibt es heftige widersprüchliche Vorstellungen. Es gibt im Krieg Gasmasken zum Schutz und Gaskammern zur Vernichtung. Das könnte z.B. eine (un-)bewusste Phantasie im Zusammenhang mit Mund-Nasenschutz-Masken sein.
Es gibt Menschen, die Regeln nicht befolgen und durch provokantes Brechen von Regeln anderen Menschen schaden. Andere Menschen halten jede Regel ungefragt ein. Wieder andere werden bei Gehorsam skeptisch – nur durch das Brechen von Regeln konnten im Krieg Leben gerettet werden, indem mutige Menschen den Verfolgten Unterschlupf gewährten oder ihnen zur Flucht verhalfen.
Man kann gar nicht genug „übertreiben“, wenn man verstehen will.
Es geht jedem Menschen in seinem Innersten um Leben und Tod. Ob er zu den sogenannten „Egoisten und Maskenverweigerern“ gehört, ob er zu denjenigen gehört, die „sich und andere schützen“ wollen, ob er zu den Gegnern oder Befürwortern der Maskenpflicht zählt. Dazwisschen gibt es unzählige Menschen, die sich in der Diskussion einfach zurückhalten. Wir wissen eben so vieles nicht. „Ich habe die Phantasie, mein Kind könnte ersticken“, sagt eine Mutter, die unter der Geburt um das Leben ihres Kindes bangte.
Es geht um unser Leben und jeder hat eine andere Vorstellung, was darunter zu verstehen ist. Der Eine stellt sich vor, das Virus tötet ihn. Der andere stellt sich vor, dass er nicht mehr leben kann, wenn er nicht mehr in Gemeinschaft singen darf. Jede Meinung will ernstgenommen werden. Wir stehen am Anfang eines neuen Bewusstseins, höre ich oft von Lehrern wie z.B. Eckhart Tolle. „Ich tue es gerne für die Gemeinschaft“, sagt Eine. „Ich bin sehr verzweifelt. Die Gemeinschaft mit ihrer Widerstandslosigkeit macht mich krank“, denkt eine Andere. „Der andere ist mir grad egal“, sagt der am Boden Zerstörte.
Eine hoffnungsvolle Zeit
So chaotisch und auch gewaltsam es gerade zugeht im Kampf um solche scheinbar „einfache Fragen“, so groß ist auch die Möglichkeit, das Unverständliche langsam verständlich werden zu lassen. Wir müssen nur mit den verschiedensten Menschen sprechen – und zwar über ihre verborgenen Phantasien, Ängste, Erfahrungen, Zukunftspläne, Hoffnungen und Verzweiflungen.
„Mein Bruder starb viel zu früh an einem Virus“, erzählt ein Masken-Befürworter. Es sind immer nur die ganz persönlichen Geschichten, die uns antreiben. Wenn wir uns füreinander ernsthaft interessieren, nach der Kindheit, den Träumen und den Phantasien fragen, wird rasch klar: Niemand will dem anderen etwas Böses. Weder der „Egoist“, noch der „Kooperative“. Jeder handelt in dieser Frage aus ganz persönlichen und hochspeziellen Gründen, deren Tiefe wir noch gar nicht ergründet haben.
Warum so wenig Widerstand?
(Dieser Beitrag entstand am Anfang der Corona-Pandemie) Wenn ich früher stundenlang im Stau stand, fragte ich mich oft, warum hier eigentlich alle so geduldig sind. Warum begehren die Menschen nicht stärker auf? Jetzt haben wir keinen Stau mehr, doch die Frage bleibt: Warum nehmen die Menschen die Corona-Regelungen so fraglos hin? Viele staunen über diese gesellschaftliche Ruhe und können selbst doch nur im Fluss mitschwimmen. Ich denke gerade oft an Patienten in der Psychiatrie, die fraglos jahrelang zahlreiche Medikamente schlucken, ohne weiter nach wirklicher Hilfe für sich zu suchen.
Die Lähmung
Ob es nun richtig ist, was wir gerade tun oder nicht, das wissen wir erst sehr viel später. Erstaunlich finde ich es jedoch, dass die Menschen wie gelähmt all dies annehmen, ohne hörbar Fragen zu stellen. Es regiert die Angst. Doch lässt sich all dies alleine durch Angst erklären? Was ist mit dem Denken?
Das Beklemmende ist aus meiner Sicht: Es wird kaum diskutiert. Wir können ja den Shutdown durchführen, wir können ja Masken tragen und Abstand halten, aber die Frage ist ja: Warum wird nicht mehr über die Schmerzen gesprochen, die uns diese Maßnahmen bereiten? Warum nehmen wir jede Regel hin, ohne auch bisheriges medizinisches Wissen und den Verstand zu berücksichtigen?
Wie ein Alptraum
Ich denke an Parallelen zu einem Alptraum. Sigmund Freud sagte, dass jeder Traum der Versuch einer Wunscherfüllung ist. Beim Alptraum gibt es zwar viele Rätsel, dennoch zeigen sich auch dort häufig Elemente, die an eine Wunscherfüllung denken lassen.
Ich erkläre mir also, dass es vielleicht auch deshalb so wenig Widerstand und Fragen gibt, weil gerade auf gewisse Weise tiefe Wünsche in uns befriedigt werden.
Natürlich ist da zum Einen die Angst und das Noch-Nichtwissen. Zum anderen aber erfahren wir endlich wieder etwas, was wir lange vermissten: „Klare Führung“, Weitgehende Einigkeit in der Politik. Wir haben in der Politik nun endlich Eltern, die eine Richtung vorgeben.
Endlich Ruhe!
Wir sind erschöpft vom Alltag und dachten oft: So kann es nicht weitergehen. Nun sind wir in einer verordneten Pause und merken: Dieses ruhigere Tempo tut uns in vielerlei Hinsicht gut (wenn wir nicht gerade von massiven Existenzängsten oder Depressionen geplagt sind).
Wir sehen auch unseren Wunsch erfüllt, endlich die Natur zu schonen.
Wir sehen, dass Dinge auf einmal ganz leicht möglich sind, die nie gingen: Video-Konferenzen im Psychotherapiebereich zum Beispiel. Komplizierte Vorgänge an Universitäten sind gerade stark vereinfacht: „Mailen Sie mir Ihre Doktorarbeit einfach zu“, heißt es jetzt. Banken vergeben leichter Kredite, Nachbarn schenken sich gegenseitig Klopapier. Das Vertrauen untereinander ist gewachsen, man muss sich nicht ständig beweisen. Es gibt viele Aspekte in dieser Zeit, bei denen ich denke: Hoffentlich bleiben sie so.
Auch den Raum, den wir wieder um uns haben, wissen wir zu schätzen: Freie Straßen und mehr persönlicher Freiraum tun uns gut. Was haben wir das vermisst!
Intensivstation im Alltagsleben
Doch mehr und mehr entwickeln wir uns zu einer Intensivstation. Die Hygienemaßnahmen sind so drastisch, dass ich mich oft frage, ob wir später noch mit irgendeinem Keim klarkommen werden. Der herzliche Händedruck fehlt. „Free Hugs“ gibt es gerade vielleicht nirgendwo auf der Welt. Ich hörte eine Großmutter sagen, sie dürfe ihren Enkel nicht sehen, weil sie ihn schützen müsse. Vor genau was, das wisse sie gar nicht. Sie hält sich selbst für giftig und gefährlich.
Wenn sich jemand durch Abstandhalten schützt, dann sehe ich darin auch die Anklage: „Du bist potenziell giftig, bleib mir vom Leib.“
Wie bekommen wir es hin, über all dies ins Gespräch zu kommen? Wie können wir sagen, was wir uns wünschen? Wie können wir den Schutz behalten und dennoch wertvolle Berührungen und Atemfreiheit zurückerlangen? Wie können wir das richtige Maß an Abstand und Nähe finden?
„Nun ist die Luft von solchem Spuk so voll,
dass niemand weiß, wie er ihn meiden soll.“
Goethe: Faust, II. Teil, V. Akt
(Sigmund Freud zitiert diesen Satz in seinem Werk: Zur Psychopathologie des Alltagslebens. Über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum)
Auf Facebook schreibt Ulrike WB: „Wie oft lese ich in den letzten Wochen die aufgeregten Vorwürfe, dass sich das Volk wie Schafe zur Schlachtbank führen lasse … Es wird unterstellt, man habe sein eigenes Denken abgelegt und mach nun alles brav mit. Vielleicht ist man jedoch auch in der Lage, eigenständig zu denken (soweit man die Materie durchdringen kann) und kommt gerade als Folge des eigenen Denkens zu der Entscheidung, sich an die empfohlenen Regeln zu halten.“
Was ist wahr?
Als ich die ersten Corona-Bilder aus China sah und man dort begann, die Menschen zu isolieren, dachte ich: „Jetzt übertreiben sie aber.“ Als hier die Schulen schlossen und mir wichtige Menschen nicht mehr die Hand reichten, war ich verwirrt. „Was passiert hier?“, fragte ich mich. Das Wort „Schutz“ kam auf, was in mir nicht selten Skepsis und Unbehagen auslöst. So oft spüre ich: Das Wort „Schutz“ wird allzu leicht missbraucht. Im guten Sinne hingegen ist Schutz etwas Beruhigendes, Lebensrettendes, Wertvolles.
Im ersten Semester meines Medizinstudiums lernte ich bereits 1992: „Viele von uns, die wir hier in diesem Hörsaal sitzen, werden wahrscheinlich an einer Infektion sterben. Infektionen sind die Gefahr des neuen Jahrhunderts.“
Das Suchen nach innerer Orientierung an bisher Gelerntem
Als immer mehr Schutzmaßnahmen auftauchten, dachte ich: Wo habe ich im Studium nicht aufgepasst? Was ist jetzt so immens gefährlich? Ich dachte an AIDS 1982, aber auch an Ebola, was mir wirklich mächtig Angst machte. Das Corona-Virus ängstigte mich anfangs relativ wenig. Dann aber sah ich Bilder von Menschen meines Alters, die an Corona erkrankt waren und ich bekam doch Angst: Diese Atemnot muss der Horror sein. Die FDP-Politikerin Karoline Preisler zeigte sich auf Twitter (@PreislerKa), als sie an COVID-19 erkrankte und schrieb etwas von „Verrecken an der Tastatur“. Sie sah extrem krank aus und ich bekam eine Ahnung, wie man sich bei der schweren Infektion fühlen muss.
Seither hielt nun auch ich bewusst Abstand.
Manches geht mir zu weit
Doch dann schlossen auf einmal die Psychotherapie-Praxen und ich bekam erneut Angst – diesmal nicht vor dem Virus, sondern vor dem Gefühl, dass hier wirklich Merkwürdiges passiert. Was mir Unbehagen bereitete war die Tatsache, dass vernünftige, studierte, nachdenkdende Menschen anscheinend fraglos bei dieser Bewegung mitmachten, während mein Hausarzt seine Praxis weiterlaufen ließ und weiterhin ein Gefühl von „Menschsein“ vermittelte. Auch hier kam wieder die Frage auf: Was ist richtig?
An der Stelle, als Psychotherapeuten ihre Praxen schlossen und manche begannen, die Telefon- und Online-Therapie über Gebühr zu loben, wurde mein Kummer wirklich groß.
Ich dachte an die Experimente des Psychologen Harry Harlow. Er konnte ab 1957 an Rhesus-Äffchen zeigen, wie notwendig nicht nur die Nahrung, sondern auch das Kuscheln ist. Die Äffchen, die ohne Mutter in einem Käfig waren, gingen nur zu einer „Draht-Attrappe“, um sich dort Milch abzuholen, kuschelten sich jedoch sonst in die „Fell-Attrappe“ ein. Ich dachte daran, wie Babys sterben können, wenn man sie nur ernährt, aber nicht mit ihnen spricht und sie nicht berührt. Ich dachte an die Vojta-Therapie, bei der Babys von der Mutter entsetzlich gequält werden, nur damit sich körperlich ihre Motorik und ihre Spastik verbessern.
Wir befinden uns in einem Kampf zwischen Körper und Psyche
Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle sieht die jetzige Entwicklung als einen nachvollziehbaren Schritt zu mehr „Bewusstsein“ an. Es gehe um die Unterscheidung von mitunter quälendem Denken und innerem Sein, um klares Bewusstsein und Verwirrung.
Auf der Suche nach mehr Klarheit halten sich die Menschen gegenseitig Zahlen vor und versuchen verzweifelt, das Virus und die Epidemiologie zu verstehen. Doch sie sehen, dass sich das alles (noch) nicht zufriedenstellend fassen lässt.
Gebannt höre ich die vielen Beiträge des Virologen Professor Christian Drosten (Charité Berlin). Auch die Virologin Professor Marylyn Addo, (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung) und die Lungenforscherin Professor Susanne Herold vom Uniklinikum Gießen tun mir mit ihrer besonnenen und hochkompetenten Art gut.
„Wo stehst Du?“
Als ich gefragt wurde, auf welcher Seite ich denn stehe, ob auf der Seite von Drosten oder Wodarg, fragte ich erst einmal, was Wodarg sei. Dann fragte ich mich, ob ich denn überhaupt auf einer Seite stehen müsse oder ob das überhaupt möglich ist. Es ist alles so komplex, dass wir nur Stück für Stück schauen können.
In den letzten Tagen fühle ich mich beruhigter, weil ich sehe, wie nun auch Kritiker der jetzigen Vorgehensweise zu Wort kommen dürfen. Als ich ein Interview des kritischen Immunologen Professor Stefan Hockertz (Uni Hamburg) auf Facebook teilte, wurde ich gewarnt, dass dieser Experte von der AfD unterstützt werde. Ich rief ihn an und er versicherte mir, dass er nichts mit der AfD zu tun habe.
Wie gefährlich ist es? Dieses neuartige Corona-Virus verursacht Lungenentzündungen in einer Schwere, die so bisher selten gesehen wurde (Studien siehe unten). Auf ZDF heute online wurden die Thesen des Mikrobiologen Sucharit Bhakdi unter die Lupe genommen: „Corona-Faktencheck: Warum Sucharid Bhaktis Zahlen falsch sind.“ Von Nils Metzger, https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-faktencheck-bhakdi-100.html 23.3.2020.
Sehr wertvoll finde ich die Beiträge des Palliativmediziners Matthias Thöns auf Facebook: Er erklärt, dass die Beatmung auf Intensivstation leidvoll ist und nur bei wenigen Patienten das Überleben so sichert, dass sie gesund aus dem Krankenhaus gehen. Er schlägt unter anderem vor, im Fall einer schweren Infektion die Hilfe eines Palliativmediziners zu Hause anzunehmen.
Und das eigene Bild?
In mir selbst entstand das Bild vom „Russisch Roulette“: Das Virus kann oft nichts ausrichten, doch bekommst Du – warum auch immer – einen schweren Verlauf, dann ist es grausam und lebensgefährlich. Beide Lungenflügel werden von einer extremen Lungenentzündung befallen. Entzündetes Gewebe stellt sich zwischen die Alveolen (Lungenbläschen) und Kapillaren (feine Blutgefäße, die Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid abgeben). Es scheint bisher eher eine Frage von Glück oder Pech zu sein, bis wir mehr erforschen künnen. Es wirkt so unberechenbar.
„Ein Virus darf nicht zu gefährlich sein, sonst nimmt es sich selbst die Lebensgrundlage. Das ‚weiß‘ es auch und optimiert sich dementsprechend – das heißt: Es wird mit der Zeit weniger tödlich“, hörte ich im Studium.
Die Chancen
Am nachhaltigsten lernen wir durch die Extreme, auch wenn sie katastrophal sind. Doch sie berühren uns zutiefst und die Lehren, die wir aus solchen Zuständen und Erfahrungen ziehen, sind meistens sehr stabil. Diese Corona-Zeit ist extrem und wir werden in einigen Jahren viele wertvolle Schlüsse daraus ziehen können. Diese Schlüsse reichen weit über die Erkenntnisse der Immunologie und Epidemiologie hinaus. Es wird auch auf die Frage, ob der Körper immer Priorität hat, neue Antworten geben.
Ohne Körper können wir nicht leben – er muss geschützt werden. Doch für viele wird das „nackte Überleben“ irgendwann extrem quälend, sodass sie von sich aus den Tod suchen, wenn die Psyche aushungert. Wir alle brauchen Berührung.
Und so findet jeder für sich gerade seinen Weg. Auch als Psychotherapeutin suche ich nach einer Haltung und finde zu diesem Zeitpunkt zu diesem Schluss: So sehr ich in gesunden Zeiten die Online-Therapie als gute Möglichkeit feiere, so sehr bin ich in diesen Tagen dafür, dass psychotherapeutische Praxen – unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen – zumindest für die schwer leidenden Menschen geöffnet bleiben.
„Das Leben mit Corona – Was macht Angst, was macht Mut?“ Ein Podcast auf NDR2
Es war mir eine Freude, dass ich am 1.4.2020 in der NDR2-Redezeit zu Gast sein durfte. Das Interview mit Moderator Andreas Bormann und dem Sportreporter Jens Gideon war sehr lehrreich, denn Jens Gideon erzählte unter anderem, wie er und seine Familie die Covid-19-Infektion überstanden haben. Auch die Fragen und Beiträge der Hörer und Hörerinnen gaben einen guten Einblick in diese „Corona-Zeit“. Danke!
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Links:
Einzelfallstudie: Weiren Luo et al. (9.3.2020):
Clinical pathology of critical patient with novel coronavirus pneumonia (COVID-19)
DOI: 10.13140/RG.2.2.22934.29762, https://www.researchgate.net/publication/339939319_Clinical_pathology_of_critical_patient_with_novel_coronavirus_pneumonia_COVID-19, PDF
Einzelfallstudie: Zhe Xu et al. (2020):
Pathological findings of COVID-19 associated with acute respiratory distress syndrome.
The Lancet Respiratory Medicine, Puplished February 18, 2020,
DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(20)30076-X
https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(20)30076-X/fulltext
Mein Lieblings-Palliativmediziner Matthias Thöns erklärt in einem Youtube-Video seinem Papa, was bei einer schweren Infektion mit dem Corona-Virus zu beachten ist – sehr wissenswert!
Dieser Beitrag wurde erstmals verfasst am 6. August 2020
Aktualisiert am 9.11.2025
One thought on “#CoronaPsychologie: „Das bisschen Maske, das bisschen Abstand …“”
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Liebe Frau Voos –
ja, Lehrer wie Eckhart Tolle können helfen, die Dinge des Lebens zu verstehen, doch wenn dieses Verstehen nicht in mitfühlender Weise auf den real erlebten (oftmals kaum überlebbaren) eignen Lebensanfang schaut, wird es nicht helfen, die seit über zwei Jahren global grassierende Angst (vor der Angst) zu erfassen und zu wandeln.. Bewußtseinserweiternde Worte oder Substanzen mögen das Blickfenster erweitern; ohne Blick auf das Haus, in das diese Fenster gehören, ist dies jedoch ein ‚amputierter Erkenntnisgewinn‘.
Für viele Menschen scheint dieses (Eltern-)Haus ein bedrohlicher Ort gewesen zu sein, scheinen sich viele Menschen in ihrem ersten Zuhause, der Gebärmutter (im Bauch ihrer Mama), nicht nur unwohl, sondern bedroht und nicht gewollt gefühlt zu haben . Eine schreckliche angsterfüllte erste Lebenserfahrung, die für einen Lebenswinzling unaushaltbar ist und deshalb soweit als möglich verdrängt bzw. abgespalten werden muß.
Ich stimme mit Ihnen überein, daß diese ‚Innenreise‘ zurück zum eigenen Lebensanfang, um angstfrei in die Zukunft schauen zu können, ohne therapeutische Begleitung nicht zu schaffen ist.
Diese Begleitung muß allerdings auf Augenhöhe erfolgen, wozu nach meiner leidvollen Erfahrung die wenigsten (ärztlichen und nichtärztlichen) Therapeuten in der Lage sind. Sie scheinen eine Ausnahme zu sein und Ihren blog empfinde ich von daher als sehr hilfreich.
Was die seit zwei Jahren grassierende Corona-Angst angeht sehe ich ein bis heute andauerndes ekklatantes Versagen vor allem der Ärzteschaft. Statt uns Menschen auf eine drohende Gefahr aufmerksam zu machen und Hilfe zu leisten, die jeden auf seinem weiteren Lebensweg bestmöglich unterstützt (= zur Stärkung des Immunsystems beitragen würde), wurde und wird der Weg der bewußten Panikmache gewählt, der selbst vor der Schädigung von Kindern durch immer frühere ‚Impfempfehlungen‘, also Kindesmißbrauch mit Ansage, nicht zurückschreckt. Mediziner plustern sich – statt dem Bild des Paracelsus zu folgen, der dem Patienten die Funktion des Arztes zuspricht und den Arzt als Helfer sieht – als oberste Heilsinstanz auf.
Ohne Zögern wurden unter bewußtem Mittun der Ärzteschaft Standards der pharmazeutischen Präparateentwicklung zugunsten teleskopierter Verfahren beiseite geschoben, wurden Millionen Einheiten dieser Impfstoffe, deren genmanipulierender Anteil euphemistisch wegargumentiert wird, mit rechtsgültiger Befreiung der Pharmaproduzenten von jedwedem Schadenersatz ge- und der Bevölkerung dieser hochriskante deal als alternativlos verkauft. Was tat und tut die Ärzteschaft? – sie profitiert in der Mehrheit klammheimlich von jeder verabreichten Spritze und schweigt ansonsten mal wieder zu einem gigantischen Menschenversuch. Diejenigen, die es noch wagen, das Narrativ zu hinterfragen wurden und werden mit diversen (nicht selten strafbewehrten) Mitteln mundtot gemacht.
Hinter den Kulissen wird aktuell unter erneuter Einbettung vor allem der öffentlich-rechtlichen Medien peu à peu der nächste Akt des Dramas „Angst haben und Angst machen“ vorbereitet. Ohne aktives und passives Mittun der Mehrheit der Ärzteschaft – vor allem derjenigen, die sich als ihre Sprecher gerieren– würde diese menschenverachtende Inszenierung krachend scheitern.
Die behavioristische Ignoranz, mit der ‚Krieg gegen ein Virus‘ geführt wird, ist m.E. an Skrupellosigkeit kaum zu toppen. Ich befürchte, daß die daraus resultierenden, schon jetzt für Viele spürbaren wirtschaftlichen, emotionalen, organischen und kognitiven Spuren der Dämonisierung eines global auftretenden Virus üblere Verwerfungen und multiplere Traumatisierungen nach sich ziehen werden, als es durch die zurückliegenden Weltkriege geschah.
Bitte lassen Sie nicht darin nach, erhellend und heilsam den Finger auf die Ätiologie der Angst und ihrer Folgen zu legen.
Möge die Übung gelingen!
Alles Liebe
Karin Wienbreyer