Wie werde ich Psychoanalytiker*in? Die Lehranalyse, die Psychoanalyse beenden: Wie fühlt sich das an?

Die Beendigung einer Psychoanalyse oder Lehranalyse würde der Analysand in verschiedenster Weise etwa zwei Jahre vor dem Ende ankündigen, hörte ich vom Psychoanalytiker Salman Akhtar („Master Clinicians and Theologians in Dialogue“: Salman Akhtar, Youtube). Ich denke, auf mich traf das ungefähr zu. Ich weiß, dass ich in früheren Phasen der Ausbildung oft nichts vom Ende der Lehranalyse hören wollte. Zu unvorstellbar war es für mich.

Ich glaube heute, dass es ein wenig ist wie mit anderen Lebensphasen auch: Vormittags ist man meistens noch nicht bereit, sich wieder zum Nachtschlaf hinzulegen. Eine Schwangere in den ersten Wochen möchte sich noch nicht mit der Geburt auseinandersetzen. Am Ende der Schwangerschaft jedoch kann sie die Geburt kaum erwarten, weil der Bauch so schwer ist, dass sie einfach nicht mehr will.

Eine Bekannte sagte mir einmal: „Ich weiß oft nicht, wann und wieso in mir eine Entscheidung fällt. Ich spüre einfach nur: Jetzt ist dies oder jenes dran. Manchmal ist es, als würde mein Wille etwas wollen, was ich eigentlich nicht will. Dann bin ich noch nicht entschieden. Doch wenn ich mich nicht mehr wehre, dann merke ich oft, wie ich meiner Entscheidung langsam folgen kann.“

Ich würde sagen: Das Ende – wenn es gut geht – ist irgendwann einfach da. Das Ziel ist erreicht, man fühlt sich satt, man weiß es über eine längere Zeit, man braucht den Analytiker nicht mehr. Als Studentin hatte ich schon einmal eine Psychoanalyse gemacht und ich weiß noch, dass ich mich nach der letzten Stunde fühlte, als sei ich zu früh aus dem Nest gefallen. Am Ende der Lehranalyse war es anders: Es fühlte sich rund an. Es war alles gesagt. Beziehungen sind befriedigend geworden, die Talsohle ist durchschritten und etwas ist etwas entstanden, das das Unaushaltbare aushalten kann.

Allein stehend, in Beziehungen lebend

Einsamkeit, Unruhe, Zerknirschtheit, Unsicherheit, Aversion, Ratlosigkeit, Angst – all das kann nun allein gehalten werden. Mit dem Lehranalytiker in mir. Was hat er damals gesagt? Wie hätte er nun gehandelt? Der Lehranalytiker geht noch eine ganze Weile mit. Die äußere Beziehung ist getrennt, aber die innere Beziehung geht weiter. Neue Freiheiten entstehen, alte Befangenheiten kommen vielleicht zurück und werden neu bearbeitet. Sehnsucht kommt, Dankbarkeit, Ärger, Trauer und Freude. Viele Gefühle begleiten das Ende einer Lehranalyse.

Die neue Beziehungsfähigkeit macht Freude. Und sie macht lebensfähig.

Das Ende der Lehranalyse erinnert vielleicht an den Auszug von zu Hause: Nun kann man von außen das Ganze betrachten. Eine Psychoanalyse bzw. Lehranalyse ist eine einzigartige Situation. Sie ist ähnlich wie die Kindheit. Nie wieder kommt die frühe Mutter-Kind-Beziehung zurück. Sie war einzigartig, aber sie musste auch enden. Eine Psychoanalyse/Lehranalyse kann man fortführen, wenn man möchte. Manche gehen ein Leben lang zur Analyse. Andere machen andere Erfahrungen. Am Ende der langen Reise einer Lehranalyse fängt eine neue Zeit an. Und wie immer ist es offen, was sie bringen wird.

Die Substanz in mir. Erst spät im Leben kam eine Substanz in mich, die mich nährte. Es ist, als hätte ein anderer ein Stück von sich selbst in mich hineingelegt. Doch der andere ist lange weg. Geht dann auch die Substanz verloren? Was ist es, das mir plötzlich so viel Halt gab, dass ich manchmal meinte, vor nichts mehr Angst zu haben? Jetzt, da der andere weg ist – läuft da meine Substanz aus wie der Sand aus einer Ritze? Ich werde unruhig, ich will die Substanz festhalten und meine, sie zu verlieren. Doch irgendwann merke ich: Die Substanz, das ist meine Wahrheitsliebe. Sie war immer da, doch der andere gab mir den Mut, ihr zu folgen. Egal, was mir passiert: Ich habe immer die Wahrheit.

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Beitrag vom 23.1.2026 (begonnen am 26.12.2021)

One thought on “Wie werde ich Psychoanalytiker*in? Die Lehranalyse, die Psychoanalyse beenden: Wie fühlt sich das an?

  1. MJ sagt:

    Seit ich im Dezember diesen Text hier gelesen habe, konnte ich diese Seite nicht mehr besuchen. So sehr hat es mich aufgewühlt!

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