Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) als frühe Störung: Was hilft?

Psychische Traumata können tödlich sein. Sie führen zu einem empfindlichen Nervensystem. Sie belasten das Herz und verkürzen die Telomere, die Endstücke der Chromosomen, die auf die Lebenserwartung hinweisen. Komische Eindrücke und Gefühle kommen immer wieder hoch. Sie sind in mir.

Und ich spüre mich abgegrenzter denn je. Keiner kann sie mir abnehmen. Sie lassen sich nicht im MRT darstellen und nicht weg-erzählen. Traumatische Erlebnisse sind kein Hirntumor. Und doch wirken sie maligne. Ich spüre es an meinem Herzen, an meinem inneren Druck. Mit der Seele ist es wie mit der Haut: Auch, wenn ich weiß, dass meine offene Haut vom Stress kommt, so wird sie dadurch nicht besser. Ich bin gefangen mit mir, in mir, mit diesen Bildern und Empfindungen.

Der Alltag kommt mir zuhilfe. Ein guter Milchkaffee schwächt die inneren Bilder ab. Augenbewegungen verscheuchen sie, die Arbeit und das ZDF-Morgenmagazin bringen Erleichterung. Doch nachts kommen sie wieder, die Bilder und Zustände. In der dunklen Jahreszeit besonders. Im Alleinsein oder Zuzweitsein. Manchmal helfen Körperbewegungen. Und manchmal, wenn ich in der Sonne liege, sind sie einfach weg.

Wenn ich spüre, dass sie mein Leben verkürzen könnten, diese inneren Bilder, dann werde ich sauer. Und verzweifelt. Ich kann mir selbst dabei zugucken, wie ich wie eine Sanduhr ablaufe. Das Maligne hat ein Eigenleben. Es ist lebendig. Und wenn ich es so nicht haben will, mache ich es nur schlimmer. Das einzige, das vielleicht hilft, ist die gute innere Stimme und das Mitgefühl. Das Mitgefühl betrachtet das Maligne und das, was dadurch eingeht in mir, mit einem mitfühlenden Blick.

Ich suche DAS entscheidende Erlebnis – doch es gibt nur einen ganzen Schwamm voller Vermutungen

Wer an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidet, kann von seinem Trauma vielleicht erzählen. Wenn du jedoch schon sehr früh Traumata erlitten hast, insbesondere im Babyalter, gibt es viele Fragezeichen. Oft ist gar nicht so richtig klar, was nun genau zu dieser extremen Anspannung, zu der massiven Angst, zur scheinbar lebenslangen Schlaflosigkeit und einem unberechenbaren Körper geführt hat. Vielleicht wünschst du dir, „DAS entscheidende Trauma“ zu finden, z.B. in einer Hypnosetherapie.

In Wirklichkeit ist die Gesamtheit der Erlebnisse das Problem – an die wir mitunter keine bewusste Erinnerung haben. Bei der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zeigen sich oft die Symptome der PTBS plus Beschwerden bei der Regulation von Emotionen und von Beziehungen.

Es ist höchst mühselig, herauszufinden, was in der Vergangenheit war und wie sich die unmöglichsten Symptome erklären lassen. Oft hilft es schon, ein lückenloseres, plausibleres Narrativ für sich zu finden. Ein „So könnte es zumindest gewesen sein“ hilft oft schon. Vielleicht würdest du deinen Zustand auch so ähnlich beschreiben:

  • „Ich möchte immer rausrennen, wenn ich mit jemandem in einem Raum bin – auch wenn der andere noch so wohlwollend ist.“
  • „Ich komme mir ständig eingesperrt vor, sodass es mir nicht möglich ist, in bestimmten Gebäuden zu arbeiten.“
  • „Wenn ich sehe, wie sich die anderen über kleinste Probleme aufregen, kann ich nur verzweifeln, weil keiner ahnt, was ich durchgemacht habe. Bei meinen Befürchtungen geht es wirklich um’s Existenzielle – bis über den Tod hinaus!“
  • „Ich habe ständig Schmerzen oder vegetative Symptome. Ich fühle mich die meiste über elend und sehr erschöpft. Die Zeiten, in denen es mir einigermaßen gut geht, sind in der Minderheit.“
  • „Ich kann nicht ins Kino gehen, weil mir die Filme zu laut sind. Ich hatte genug Lärm in meinem Leben.“

Ein Hinweis auf eine Traumatisierung im vorsprachlichen Alter, bei denen die bewusste bildhafte und sprachliche Erinnerung fehlt, können starke psychische und körperliche Beschwerden sein, deren Stärke sich nicht erklären lässt. Beschwerden wie Übelkeit, Reizdarm, Atemnot oder Angst treten oft scheinbar zusammenhangslos auf.

Deine plötzlichen starken Beschwerden machen es Dir vielleicht schwer, eine Beziehung zu führen, weil Du von Deinen Beschwerden regelrecht überfallen wirst und Du weder dir selbst noch dem Partner erklären kannst, warum es Dir auf einmal so schlecht geht. Manchmal wirkt es wie passive Aggression, doch ich denke, dass sich vieles mit Körpergefühlen erklären lässt, die eine Art Erinnerung an nicht Erinnerbares sind. Vielen Betroffenen fällt es schwer, überhaupt einen Partner zu finden. Wenn der Partner gefunden ist, ist die Sorge oft groß, dass sich die Beschwerden verschlimmern könnten oder dass man den Partner zu sehr belastet. Die emotionale Spannung kann zu fast unverständlichen Wutausbrüchen führen, doch meistens steckt Angst dahinter.

Die kPTBS kann auch zu Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen und infolge dessen zu einer verkürzten Lebenserwartung führen – und nun?

Traumatische Atmosphären und offene Gewalt hinterlassen ihre Spuren

Komplexe posttraumatische Belastungsstörungen entstehen häufig nach lang andauernder offener oder verdeckter Gewalt. Die Beschwerden sind besonders schwer, wenn die Traumatisierungen in den ersten fünf Lebensjahren passiert sind (Eric Dunn et al., 2017). Häufig entstehen sehr schwere Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Identitätsstörungen. Nicht wenige Betroffene erhalten die Diagnose „Borderline-Störung“, wenn sie „emotional instabil“ sind, aber sich Traumata nicht wirklich festmachen lassen.

Oft wird erst durch eine Familienanamnese klar, dass früh Gewalt, Trennungen oder schwere medizinische Behandlungen stattgefunden haben. Manche Betroffene, die als Kind Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben, werden selbst gewalttätig – besonders, wenn es an Bildung, also an Worten und Mentalisierungsfähigkeit fehlt. Viele wissen nicht, wie sie mit ihrer Hilflosigkeit und ihrem Hass auf die Welt umgehen können. Manchmal zeigt sich in der Gewalt auch der Wunsch, endlich vom anderen gehört und geliebt zu werden, endlich dem anderen nahe zu sein.

Mitunter fand eine „Identifikation mit dem Aggressor“ statt. Häufig werden die Worte als Taten eingesetzt (z.B. in Form von Beleidigungen). Erst mühselig lernen viele, die Worte zum Nachdenken zu nutzen. Viele kompensieren ihre Erlebnisse auch so, dass sie sagen: „Ich will niemals gewalttätig werden, niemals mein Kind schlagen, niemals aggressiv sein!“ Die Gewaltlosigkeit ist ihr höchstes Ideal und ihrerseits wieder quälend und einengend.

Wer dem Bösen auf die Spur kommt, kann es besser regulieren

Jeder Mensch hat das Potenzial, „böse“ zu werden: Wenn ich Hunger habe und nichts zu essen bekomme, werde ich zunehmend aggressiv. Wenn ich von denen, die ich liebe, ausgeschlossen werde, kommt der Hass. Bei Menschen mit einer kPTBS, die sich schon sowieso oft gequält fühlen, wirken die neue Verletzungen wie ein Brennglas.

Vielleicht leidest auch du an einem großen inneren Hass auf die Welt. Der kann schon dann entstehen, wenn du siehst, dass andere irgendwie „lebensfähiger“ sind als du. Da kann Rach-Sucht hinzukommen, die vielleicht schwer einzuordnen ist. Da die Traumata schon früh stattfanden, weisst du kaum, wogegen sich deine Rache eigentlich wenden soll. Deine „Feinde“ sind dann vielleicht deine Kollegen und andere, scheinbar „böse“ oder „dumme Menschen“.

Es tut dir möglicherweise gut, auf, auf Menschen oder Tiere zu treffen, die ähnlich schwer verletzt sind wie du. Vielleicht bist du im Tierschutz aktiv oder in Antidiskriminierungsprojekten. Du bist vielleicht so verletzlich, dass du manchmal kaum bemerkst, wenn du selbst andere Menschen verletzt – Menschen, von denen du meinst, dass so tiefes Leid wie du nicht kennen. Andererseits kämpfst du vielleicht gegen das Bild, ein „Opfer“ zu sein und präsentierst unentwegt deine Stärke. Die schärfsten und verletzendsten Bemerkungen komen oft von Menschen, die selbst am tiefsten verletzt sind. Das merkt man zum Beispiel bei jungen Müttern – sie sind oft belastet und sagen rasch: „Mein grösster Feind sind die anderen Mütter“. Eigentlich ist es nur so schwer, weil alle irgendwie im selben Boot sitzen.

Wenn du dich unverstanden fühlst, kannst du extrem wütend oder „kalt“ werden. Wer verletzt ist, schweigt den anderen eisig an – würde die Eisigkeit aufhören, kämen die Tränen. Es ist ein scharfer innerer Schmerz, der die Wut hervorruft, sie mitunter aber auch verdeckt. Das Problem ist, dass Menschen mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung häufig davon ausgehen, dass andere sie nicht verstehen können – teilweise zu Recht, denn was sie erlebt haben, geht oft über die Phantasie von Menschen aus gesünderen Familien hinaus.

Das Gefühl, zu denken hängt eng mit dem Gefühl, zu handeln zusammen

Vielleicht hast du auch die unbewusste Phantasie, dass etwas schon Realität geworden ist, wenn du es nur geddacht hast (Thought-Action-Fusion). Dieses unsichere Gefühl wird oft dann noch erschwert, wenn es schwerfällt, die eigenen Impulse zu kontrollieren. Wenn du dich in die Ecke gedrängt fühlst, reagierst du vielleicht prompt und heftig – ein schlechtes Gewissen ist vielleicht die Folge. Doch die Kontrolle über das eigene Verhalten kann so schwer fallen wie das ruhige Sitzenbleiben, wenn der Zahnarzt plötzlich einen Nerv trifft. Hier können jahrelanges Yoga, Meditation und Psychoanalyse helfen, was viel Disziplin erfordert, aber oft ein freieres und abgegrenzteres Lebensgefühl mit sich bringt.

Was du vielleicht spürst ist, dass sich deine innere Erlebniswelt oft wie ein Schleier auf die äußere Welt legt. Immer wieder fühlst du dich bedroht, bedrängt, missachtet, alleingelassen, gezwungen oder eingesperrt – auch, wenn andere weit davon entfernt ist, so mit dir umzugehen. Deine Beziehungen erscheinen dir besonders kompliziert – wobei Beziehungen wohl immer kompliziert sind. Es wird leichter, je besser du dich selbst verstehst, weil du dich dann auuch den anderen Menschen verständlicher machen kannst.

Es ist so ungerecht!

Wenn das „innere Böse“ nach und nach freigelegt wird, ist das extrem schmerzhaft, denn es fühlt sich ungerecht an: Wenn du traumatisiert wurdest, hast du sowieso schon „die Arschkarte gezogen“. Und dann sollst du es sein, der an sich arbeitet? Du sollst diejenige sein, die aggressiv und zerstörerisch sein kann?

Es ist zum Schreien ungerecht: Der Weg ins Trauma ist schmerzhaft, aber der Weg nach draußen ist oft ebenso grausam.

Auf der Suche nach Lebenssinn

Vielleicht spürst du eine so große innere Qual, dass du dich morgens fragst, ob du noch leben willst. Und tagsüber hast du vielleicht diesen Gedanken: „Der Neid auf die anderen, die gute Beziehungen haben und sich beruflich mühelos entwickeln können, bringt mich noch um!“ Die Gefühle sind oft unglaublich stark ausgeprägt und du weisst kaum, wohin mit deinen Qualen. Besonders schwierig wird es dann, wenn die Außenwelt verständnislos reagiert.

Wer ängstlich-depressiv ist und Schlimmes erlebt hat, erweckt in der Regel Mitleid. Die anderen sind zugewandt und wollen helfen. Ein Mensch jedoch, der sich nach Vernachlässigung und frühesten Gewalterfahrungen „asozial“ verhält, der offen aggressiv oder gar kriminell ist, erfährt kein Mitleid mehr. In beiden Fällen können die Betroffenen jedoch an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (kPTBS) leiden. Die soziale Schicht, das „Strukturniveau“, muss bei der Diagnose immer berücksichtigt werden.

Häufig sind Jungen und Männer davon betroffen, gewalttätig zu werden. Frauen reagieren mitunter mit selbstverletzendem Verhalten. Beide Geschlechter leiden oft unter Selbsthass. Wenn du die Diagnose „Borderline“ erhalten hast, stösst du mitunter auf Ablehnung. In der Klinik wird das Therapeutenteam streng und sagt: „Wir müssen der Patientin eine klare Front bieten, wir müssen ihr Grenzen setzen.“ Und schon haben wir wieder genau die Situation, unter der du schon so oft gelitten hast und in der du dich – zu Recht – völlig unverstanden fühlst. Es ist ein extrem schwieriger Kreislauf. Es braucht wirklich gut ausgebildete Psychotherapeuten und Psychoanalytiker, die diese Kreisläufe durchschauen und die bereit sind, die Innenwelt der Betroffenen mit ihnen gemeinsam zu erforschen.

Rauskommen durch Bildung, Bewegung und die Hilfe anderer Menschen

Skills, Sport, Meditation, Lösungs- und Ressourcenorientierung können wichtige Stützpfeiler sein. Doch die Schwierigkeiten in der Beziehung können meiner Meinung nach nur in einer guten (therapeutischen) Beziehung verstanden und aufgelöst werden. Es erfordert viel Mut, sich auf die Wahrheitssuche zu begeben. Doch wer sich auf diesen Weg begibt, kann sich oft mehr verändern, als er je erhofft hatte. Der Yogalehrer BKS Yengar sagt, dass „BKS“ früher für „Biting, Kicking, Shouting“ gestanden habe. Durch das Yoga habe er sich vollkommen verändert.

Es dauert lange. Ein großer Leidensdruck und der „Biss“, es wissen zu wollen, sind wertvolle Voraussetzungen. Versuche, dich selbst so gut wie möglich zu bilden. Wer mehrere Sprachen spricht, hat oft einen wertvollen Schatz.

In der ICD-10 gibt es die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) noch nicht als offizielle Diagnose. Meistens behalfen sich Psychotherapeuten, indem sie den Betroffenen Mischdiagnosen gaben, z.B. F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung, F62.0 Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline = F60.31) oder Z61 Kontaktanlässe mit Bezug auf Kindheitserlebnisse. In der ICD-11 ist die kPTBS als 6B41 kodiert und hier aufgelistet: https://icd.who.int/…

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – bringen die inneren Bilder mich um?

Viele Menschen sind auch dadurch traumatisiert, dass sie dem Leiden anderer Menschen zusehen mussten.

Im katastrophalen Moment selbst zeigen wir eine „peritraumatische Reaktion“: Wir erleben Angst und Schrecken, sehen uns „von außen zu“, erstarren oder reagieren körperlich, z.B. mit Wasserlassen oder Erbrechen. Einige Zeit danach folgt eine „akute Traumareaktion“ mit Schlafstörungen, Grübeln, oder intensiven inneren Bildern, die immer wieder an das dramatische Ereignis erinnern.

Traumatische innere Bilder – bringen sie mich um?

Diese akute Trauma-Reaktion kann nach einigen Tagen oder Wochen wieder abklingen. Manchmal bleibt sie jedoch hartnäckig bestehen und es entwickelt sich eine posttraumatische Belastungsstörung. Bei den Symptomen der PTBS sprechen Psychologen auch vom „Intrusiven Syndrom“. Das bedeutet, dass sich die Erinnerungen als „Flashbacks“ aufdrängen. Immer wieder kehren die schrecklichen Bilder zurück. Vielleicht hast du selbst keine Flashbacks, weil du viel Traumatisches sehr früh erlebt hast. Doch was bei dir wie „intrusiv“ wirkt, ist dein eigener unaushaltbarer Zustand.

Viele bringen ihr Trauma nicht zur Sprache – manche wollen es nicht, andere können es auch nicht, weil sie sich zu sehr schämen oder ihnen die Worte fehlen. Wieder andere Menschen kommen einfach nicht auf die Idee, darüber zu sprechen.

Kinder, die in ihrer Familie Alkoholismus, sexuelle Übergriffe, Missbrauch, Demütigungen, Liebesentzug, Eingesperrtwerden und andere schreckliche Dinge erleben mussten, können sich meistens nicht auf gesunde Art entwickeln. Viele werden dann spätestens in der Jugend „auffällig“: Sie sind zutiefst misstrauisch, launisch, oft wütend oder ängstlich, sehr verletzlich und sie fühlen sich leer. Hier spricht man von einer „posttraumatischen Persönlichkeitsstörung“. Bei psychotischen Menschen sind bei genauerer Untersuchung oft sehr schwere, oft subtile und/oder sehr frühe Beziehungstraumata vorhanden.

Seelische Verletzungen sind schwer zu verarbeiten. Es fühlt sich immer an, als würde erst gerade etwas Schlimmes passieren, obwohl von aussen betrachtet gerade alles ruhig ist. Die Gegenwärtigkeit des Traumas kann sich „versteckt“ durch Gefühle und Verhaltensweisen äußern, die eigentlich nicht zur aktuellen Situation passen. Du fühlst dich so und handelst so, als würde dir jezt gerade wieder „vertraut-Schreckliches“ zustoßen.

Durch eine analytische Psychotherapie kann das Erlebte nach und nach „integriert“ werden, also in irgendeiner Form angenommen werden. Manchmal bleibt es jedoch „eckig“. Es wird jedoch immer leichter, den Alltag, den eigenen Körper und andere Menschen als nicht mehr so bedrohlich oder störend wahrzunehmen.

Verbally Accessible Memory (VAM) und Situationally Accessible Memory (SAM) 

Vielleicht ist dein Trauma „den Worten zugänglich“. Es liegt im „Verbally Accessible Memory“ (VAM). Du kannst dich bewusst erinnern, das Geschehnis in einen zeitlichen Ablauf einordnen und darüber sprechen. Das Trauma ist im Hippocampus, dem Teil des Gehirns, das für Erinnerungen zuständig ist, verarbeitet worden. Das Trauma ist im autobiografischen Gedächtnis abgelegt.

Traumen, die nicht bewusst in Worte gefasst werden können, z.B. weil sie zu überwältigend waren oder uns schon zugefügt wurden, bevor wir sprechen konnten, können oft nur „re-inszeniert“, also ohne Worte dargestellt werden. Sie werden oft durch Körperbeschwerden kommuniziert. Symptome wie Ängste, Schwindel, unbeherrschbare Wut oder Gefühllosigkeit machen sich dann in bestimmten Situationen bemerkbar, die unbewusst an das Trauma erinnern.

Schon Gerüche, Geräusche, bestimmte Worte oder Wetterlagen können die Erinnung an die traumatische Erfahrung wachrufen („triggern“) und die vergangenen Gefühle und Eindrücke wieder ganz nah ins Jetzt holen. Doch oft verbindest du die äußere Situation nicht mit dem Trauma – du kannst dir kaum erklären, warum du gerade jetzt wieder mit Angst und Grübeln reagierst. Es ist unmöglich, über das Trauma zu sprechen. Du kannst dir zum Beispiel in der Psychotherapie und durch genaues Nachforschen nur eine Erzählung schaffen, die plausibel klingt. Das traumatische Ereignis ist immer dann in deiner Innenwelt präsent, wenn irgendetwas in der Umgebung dich daran erinnert. Auch eigene Körperhaltungen, Empfindungen oder Gefühle können an traumatische Situationen erinnern.

Diese Art von Gedächtnis, das auf aktuelle Situationen reagiert, welche den vergangenen – schlechten wie guten – Situationen ähneln, heißt „Situationally accessible memory“ (SAM). Ein Trauma kann dir also über bestimmte Situationen zugänglich werden.

Typ-I-Trauma und Typ-II-Trauma: Das Typ-I-Trauma beruht auf einer umschriebenen schrecklichen Erfahrung, die wir (meist) im Erwachsenenalter gemacht haben. Zu solchen Erfahrungen gehören zum Beispiel Unfälle oder Erfahrungen mit Gewalt, Krieg oder Katastrophen. Unter „Typ-II-Trauma“ wird eine chronische Traumatisierung im Kindesalter verstanden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um einzelne, schlimme Ereignisse handeln. Viele Menschen sind in ihrer Kindheit chronisch traumatisiert worden, ohne dass sie sagen würden, sie wären misshandelt oder vernachlässigt worden. Es sind jedoch viele grenzwertige Erlebnisse, wie belastende Atmosphären, Strafen, Trennungen, Auseinandersetzungen, medizinische Behandlungen, Kritik, Armut oder Liebesentzug, die in ihrer Summe eben doch zu einem „Trauma“ führen können.

Menschen mit schweren Traumata finden ihren Weg manchmal in die Psychoanalyse. Die Psychoanalyse kann das Geschehene nicht wegmachen. Doch es hilft die Tatsache, dass ein anderer „weiß“. Die Gabe, sich selbst innerlich zu beobachten und still zu werden, wächst. Und manchmal, in der Stille, lässt sich spüren, wie das Schlimme nachlässt, wenn man es lässt.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Eric C. Dunn et al. (2016):
Is developmental timing of trauma exposure associated with depressive and post-traumatic stress disorder symptoms in adulthood?
J Psychiatr Res. 2016 Sep 13;84:119–127. doi: 10.1016/j.jpsychires.2016.09.004
pmc.ncbi.nlm.nih.gov/… „Trauma exposure (or more precisely, exposure to events involving perceived or threatened loss of life, serious injury, or loss of physical integrity), is also a requirement to meet DSM-IV criteria for post-traumatic stress disorder (PTSD), which has a lifetime prevalence of 4.7% among adolescents and 7.8% among adults.“ And: „… finding that age at onset to maltreatment may influence the etiology of mental health problems.“ And: „In two of these studies, early exposure to interpersonal trauma, such as witnessing trauma, physical attacks, and sexual molestation, conferred the largest harm relative to other traumas.“

Diana J.English et al. (2005)
Defining maltreatment chronicity: Are there differences in child outcomes?
Child Abuse & Neglect
Volume 29, Issue 5, May 2005, Pages 575-595
doi.org/10.1016/j.chiabu.2004.08.009
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Renate Hochauf:
Frühes Trauma und Strukturdefizit
Ein psychoanalytisch-imaginativ orientierter Ansatz zur Bearbeitung früher und komplexer Traumatisierungen
Asanger-Verlag 2007
zentralbuchhandlung.de …

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The Silent Past and the Invisible Present – Memory, Trauma, and Representation in Psychotherapy
Routledge Mental Health, Taylor & Francis Group 2012
www.routledgementalhealth.com/…

Dunja Voos:
Schatten der Vergangenheit
Trauma liebevoll heilen und innere Balance finden
www.amazon.de/…

Nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD), Version 11, wird die kPTBS definiert als Zeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung plus Schwierigkeiten in der Emotions- und Beziehungsregulation sowie ein verändertes, negatives Selbstbild.

Ruth Riesenberg-Malcolm:
Unerträgliche seelische Zustände erträglich machen.
Psychoanalytisches Arbeiten mit extrem schwierigen Patienten.

Verlag: Stuttgart, Klett-Cotta, 2003
zvab.com

Patricia J. Bauer und Marina Larkina (2013):
The onset of childhood amnesia in childhood: A prospective investigation of the course and determinants of forgetting of early-life events.
Memory. Volume 22, 2014 – Issue 8: Pages 907-924
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www.tandfonline.com/doi/full/

Dunja Voos:
Schatten der Vergangenheit.
Trauma liebevoll heilen und innere Balance finden

Gabriele Kahn:
Das Innere-Kinder-Retten
Psychosozial-Verlag 2010

DSM-IV-TR Criteria for PTSD
National Center for PTSD
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Marion Sonnenmoser:
Sekundäre Traumatisierung – Mythos oder Realität?
Therapeuten von traumatisierten Patienten entwickeln zum Teil selbst posttraumatische Symptome.
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Berntsen D et al. (2002):
Emotionally charged autobiographical memories across the life span: The recall of happy, sad, traumatic and involuntary memories.
Psychology and Aging, 17(4), 636-652
doi.org/10.1037/0882-7974.17.4.636

Entwurf eines entwicklungsorientierten psychodynamischen Therapieansatzes
für früh traumatisierte Kinder

Dissertation von Cornelia Volk, Berlin 2010 (PDF)

Beitrag vom 28.1.2026 (begonnen am 12.7.2020)

26 thoughts on “Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) als frühe Störung: Was hilft?

  1. Lisa P. sagt:

    Hallo Frau Voos,

    Danke für Ihren Artikel, in dem ich mich erkannt habe. Zu mir: weiblich, 40 Jahre alt, schwer betroffene frühkindliche Autistin und mit kPTBS. Kurzfassung: Narzisstische Erzeugerin, tyrannisierende Ex-Lebensgefährtin der Erzeugerin und Mobbing, Ausgrenzung, keine Akzeptanz meiner Person. Dieser Artikel scheint wie auf mich zugeschnitten zu sein. Suche Hilfe, wegen des Autismus aber nicht einfach, kennt sich fast niemand mit aus. Nur hoffe ich, dass ich nicht so früh aus dem Leben gehen muss. Danke.

  2. Dunja Voos sagt:

    Liebe Nikita,
    ich freue mich sehr über Ihren Kommentar, vielen Dank. Das Thema „kPTBS“ liegt mir am Herzen.
    Viele Grüße und alle guten Wünsche!
    Dunja Voos

  3. Nikita sagt:

    Vielen Dank für den wundervollen Artikel! Als selbst Betroffene habe ich mich tatsächlich in allen Passagen wiedererkannt. Es tut gut, sich ein Stück weit „verstanden“ zu fühlen.

  4. Karin Wienbreyer sagt:

    Lieber Klaus Meisenkayser –
    Ihrer Überzeugung widerspreche ich von ganzem Herzen – und erwiesen ist Ihre Auffassung schon gleich gar nicht.
    Nach meiner Erfahrung ist Traumalösung und -integration letztlich nur durch Wiederbegegnung mit dem einst real Erlebten möglich, ansonsten entsteht wie auch immer geartete Symptomchronifizierung – der Weg geht nur durch den Schmerz hindurch und nicht um ihn herum.
    Von daher empfinde ich auch Frau Voos‘ Arbeit hier im blog so wichtig.

    Herzlichen Gruß
    Karin Wienbreyer

  5. Klaus Meisenkayser sagt:

    Es ist längst erwiesen, dass schwersttraumatisierte Menschen sich nicht zwangsläufig dem Trauma erneut stellen müssen, um zu heilen. Vielmehr besteht in der Konfrontation die Gefahr einer erneuten, zusätzlichen Abspaltung.

    Das Verfahren „Innere-Kinder-Retten“, entwickelt von Gabriele Kahn, das sich mit jeder der bekannten Traumatherapiemethoden kombinieren lässt, arbeitet nicht mit der belastenden Konfrontation mit Traumaerinnerungen, sondern mit positiver Imagination, wodurch betroffene Erwachsene nicht mit ihren Kindheitstraumata in Berührung kommen. Nach dem Retten werden die dissoziierten Anteile integriert.

  6. Dunja Voos sagt:

    Liebe Ana Nym,
    schade, dass Sie sich im Blog nicht mit richtigem Namen zeigen mögen. Ich habe lange überlegt, ob ich Ihren Beitrag freischalten möchte. Doch er enthält die Vorurteile, die ich regelmäßig höre, in fast vollständiger Form. Dem ist also – hinsichtlich der Sammlung an Negativ-Argumenten – kaum etwas hinzuzufügen.
    Viele Grüße von einer modernen und offenen angehenden Psychoanalytikerin, die sich mit sämtlichen von Ihnen genannten Traumatherapien befasst hat.
    Dunja Voos

  7. Ana Nym sagt:

    Ich kann jedem, der traumatisiert ist, nur ganz dringend davon abraten, sich in eine psychoanalytische oder tiefenpsychologische Behandlung zu begeben.

    Da gibt es wesentlich bessere Möglichkeiten und andere und viel modernere Therapieansätze.

    Ich würde so vorgehen:

    VT-Therapeuten bevorzugt suchen und nachfragen, ob sie Traumatherapeut sind. und welche Traumatherapieansätze sie beherrschen.

    Ich würde nachfragen nach EMDR, Brainspotting, SE nach Levine, EFT und noch andere Verfahren wie Schematherapie und PEP. Sehr gut gebrauchen kann man auch allgemein traumatherapeutische Körpertherapieansätze, wo direkt auf das Nervensystem eingewirkt wird wie die Polyval-Therapie nach Porges.

    Wer Sorge hat, wegen zu wenig Therapiestunden, sollte versuchen, mit seinem Therapeuten und der richtigen KK in die sog. Selektivverträge reinzukommen, denn da gibt es mehr Stunden. Alternativ kann man am Ende des Stundenkontingents auch Stunden einklagen. Dazu können die großen Sozialverbände in Deutschland sicher Hilfe leisten. Rechtslage in Deutschland ist nämlich, dass Therapie zu gewähren ist, wenn sie notwendig ist. Dann muss man eben mal einen Widerspruch bei der Krankenkasse einreichen und sich gegen eine Entscheidung wehren…Auch da gibt es Hilfestellung. Keiner muss alles wissen, aber man bekommt viel raus, wenn man sich durchfragt.

    Und erst, wenn ich diese Möglichkeiten durch hätte, würde ich mich noch auf die systemischen Therapeuten mit hpynosystemischer Traumatherapie konzentrieren.

    Und wenn ich dieses Feld bearbeitet hätte, dann würde ich nach tiefenpsychologischen TRAUMAtherapeuten suchen und dann erst nach psychoanalytischen TRAUMAtherapeuten suchen.

    Psychoanalyse ist die älteste und die schlechteste Therapieform mit wahnsinnig vielen Risiken, altbacken, unieffizient, hält Patienten mehr oder weniger angebunden, unten und macht mehr Probleme als sie löst. Und dazu wird sie dann noch als Porsche der Therapien hingestellt. Das ist die Psychoanalyse absolut nicht. So viele Menschen sind in der Psychoanalyse tragisch gescheitert, haben Jahre und viel verloren, Jobs, viel Geld und manche sind komplett darin untergegangen. Und das, obwohl sie von anderen Therapieverfahren viel schneller und besser hätten profitieren können.

    Die Psychoanalytiker haben jeden Blick für die Realität verloren. Sie kennen viele moderne Möglichkeiten, wie man Patienten wieder auf die Beine bringt, nicht und doktern da an Themen rum, die für die Heilung überhaupt keine Relevanz hat.

    Die Tiefenpsychologie ist die kleine Schwester der Psychoanalyse und nicht viel besser. Sie ist etwas weniger extrem und radikal, aber auch keine gute Therapie.

    Wer wirklich auf die Hufe kommen will und ein besseres Leben bekommen will, der sollte sich jüngere Traumatherapeuten suchen mit einer modernen Ausbildung und gutem erfahrenen Netzwerk hinten dran, die auf die neueste Forschung bezüglich Biopsychologie/Neuropsychologie und Nervensystem/Gehirn abgestimmt arbeiten.

    Finger weg von alten Psychoanalytiker:Innen und alten Tiefenpsycholog:Innen, die ihre Methode als überlegen hinstellen und die nur in den eigenen Zirkeln unterwegs sind.

    Suchen sie sich moderne junge, herzliche und lockere Therapeuten, die sie wirklich unterstützen wollen und nicht nur ihre Methode an den Mann bringen wollen. Lassen Sie sich nicht als Nutzvieh von Leuten missbrauchen, die sich der moderenen Forschung verschließen, die nicht bereit sind, Neues zu lernen und die sich mit Methoden behängen, die schon vor 30 Jahren wegen Ineffektivität aus dem Krankenkassen-Leistungskatalog hätten rausfliegen müssen, die aber Dank fleißiger Lobbyarbeit bis heute bezahlt werden.

    Ich bin über 20 Jahre in dem Bereich unterwegs und kenne mich besser aus als mancher Profi.

    Ich kann nur jedem raten, sich nicht ein X für ein U vormachen zu lassen und sich an moderne, offene, freundliche Therapeuten zu halten, die Patienten-Feedback-gestützte Therapie machen und darauf achten werden, dass sie als glücklicher und zufriedener Mensch aus der Therapie gehen und nicht als therapiegeschädigtes Wrack.

    Wenn ich für jeden Patienten, der schwer traumatisert in der Psychoanalyse und Tiefenpsychologie voll kaputt gemacht wurde, einen 1 Euro bekäme, dann hätte ich wohl für den Rest meines Lebens ausgesorgt. Passen Sie bitte auf, dass Sie wirklich gut landen und es Ihnen nicht nur so verkauft und eingeredet wird!!!

    Das in diesem Artikel oben die Psychoanalyse ohne jede Kritik, ohne jeden Warnhinweis als für für geeignet dargestellt wird, halte ich für absolut verantwortungslos. Diese Empfehlung kann man soooo nicht stehen lassen.

  8. Tina sagt:

    Ganz toller Artikel. Spiegelt mich sehr gut wieder, ausser mit Rache/Neid, das finde ich in mir gar nicht. Ich kann mich gut mitfreuen und meine es auch so. Da ich ja eh „die Arschkarte gezogen habe im Leben“, sehe ich vieles „gelassen“ – vielleicht ist es auch eine Art resignierte Starre.

    Vielen Dank für Ihren Einsatz!

  9. Dunja Voos sagt:

    Lieber Robert,
    vielen Dank auch für Ihre Rückmeldung.
    Die Psychoanalyse ist immer auch „Traumatherapie“ und „traumaorientiert“. Aus meiner Sicht ist es die intensivste Form der Traumatherapie aufgrund ihrer Beziehungsintensität.

  10. Robert sagt:

    Hallo Frau Voos, vielen Dank für Ihre Worte, ich finde sie werden hier etwas zu oft für ihren satzbau kritisiert. Zumindest finde ich mich in dem geschriebenen sehr gut wieder und finde es toll das auch solche eher für den Alltag subtilen Wahrnehmungen in dem Text Ausdruck finden. Ich weiß leider nicht an welche Therapieform ich mich wenden soll, analytisch, traumaorientiert? Haben sie dazu eine Empfehlung? Vielen lieben Dank

  11. Dunja Voos sagt:

    Liebe/r Unbekannt,
    ich freue mich sehr über Ihren Kommentar!
    Herzliche Grüße,
    Dunja Voos

  12. Unbekannt sagt:

    Guten Tag

    Ich finde diesen Text sehr entsprechend gegenüber meinem Empfinden meiner K-PTBS. Ein grosses Lob. Das hab ich so noch nie so aufklärerisch sonst wo gefunden.

    Zu mir. Ich habe seit ca. 1,5 Jahren eine K-PTBS durch Traumas, Nahtoderfahrung, wie zweimal versuchter Todschlag, Gehirnwäsche, Emotionaler Missbrauch durch eine Person mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung und durch eine Person mit Passiv-Aggressiver Persönlichkeitsstörung. Des weiteren übe ich mich täglich so gut es geht in Achtsamkeit und halte den Austausch mit einer Schutzbehörde. Ich finde es vor allem wichtig, weg vom Täter zu kommen. Das ist jedoch nicht immer so einfach. Man sollte da schauen was klappt, Therapie oder eine Hilfsstelle, man sollte sich nicht einfach unter Antidepressiva setzen lassen, sondern schauen, dass einem geholfen wird, besonders bei akuter gegenwärtiger Misshandlung oder Lebensgefährdung. In meiner Situation als Beispiel ist es sicher hilfreich, Streits und Konflikte zu vermeiden, wenn auch auf meine Kosten, jenachdem. Es kann jedoch sehr schwierig sein mit einer K-PTBS. Besonders mit einem Leben am Limit, wobei man dann wiederum von praktisch niemandem verstanden wird, weil sich die meisten Menschen sowas gar nicht vorstellen können. Immer gut ist Aufklärung, reden, kommunizieren, Respekt, Grenzen wahren, für sich selbst einstehen, es nicht so weit kommen lassen, dass die eigenen Grenzen überschritten werden und man dann sich in riskante Situationen wagt. Sich selbst glauben, vertrauen. Zwangsgedanken nicht vertrauen, sie sind nur ein Nebenprodukt. CBD-Tropfen 11 Prozent als Notfallmedizin bei zum Beispiel Panikattacken, Gleichgewichtsverlustattacken, zu vielen, zu starken Zwangsgedanken. Blutbild beim Arzt checken lassen. Genug essen, viele langanhaltende Kohlenhydrate, Protein, Fett. Als Vegetarier Eisen, Vitamin C, B-Vitamine.

    Liebe Grüsse von ganzem Herzen
    Unbekannt

  13. K sagt:

    Seit dem ICD11 ist die kptbs eine eigenständige Diagnose, der Artikel ist doch irgendwie problematisch und sehr hart. Manche Dinge verstehe ich und diese sind auch akkurat aber „böse Gedanken“ und vor allem dieser Abschnitt:

    „Wenn ich von denen, die ich liebe, ausgeschlossen werde, kommt der Hass. Bei Menschen mit einer kPTBS, die sich schon sowieso oft gequält fühlen, wirken die neue Verletzungen wie ein Brennglas. Die Betroffenen haben oft einen großen inneren Hass auf ihre Eltern und auf die Welt. Oft leiden sie an einer extremen Rachsucht, ohne dass es ihnen im Geringsten bewusst ist. Ihre „Feinde“ sind dann mitunter andere, scheinbar „böse“ oder „dumme Menschen“. So können Menschen mit einer kPTBS sehr aktiv sein im Tierschutz, in Antidiskrimierungsbewegungen oder im juristischen Bereich. Auch kommen die schärfsten und verletzendsten Bemerkungen oft von Menschen, die selbst am tiefsten verletzt sind„

    Aber natürlich ist es ein leichtes solche Texte zu verfassen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

    Auch die Anmerkung mit „dem häufigen frühen Tod.

    Was denken Sie löst dieser Wortlaut aus?

    Dennoch alles Gute Ihnen und ich hoffe Dass Sie mittlerweile etwas erfahrener/weiter auf diesem Gebiet sind.

    Es ist einfach sehr gefährlich, Patienten die sich eh schon einreden dass sie der schlimmste Mensch auf Erden sind, auch noch zu bestätigen.

  14. Dunja Voos sagt:

    Das Leid wird hier sehr deutlich … Rache bringt auf Dauer keine guten Gefühle oder Entlastung. Es auszuhalten, damit zu leben, dass Täter (nächste Bezugspersonen) „ungestraft“ weiterleben, ist enorm schwer, aber oft der beste Weg.

  15. Andreas sagt:

    Böse Gedanken und Rachedurst sind mir im Alltag sehr hilfreich, da ich nicht einsehe, dass die Täter meiner Kindheit und gesamten Jugendzeit ihr Leben sorglos führen dürfen, während ich mich in glühenden Kohlen wälze.

  16. Dunja Voos sagt:

    Ich freue mich sehr über Ihre Worte, lieber Hope. Vielen Dank! Solche Rückmeldungen sind für mich sehr wichtig, damit ich sehe, was hilfreich ist. Gerne mache ich weiter so :-)

  17. Hope sagt:

    Hi!
    Vielen Dank für den langen,sehr detaillierten und informativen Artikel! Es ist April 2022,es gilt eigentlich schon längst die ICD-11,und trotzdem hält sich kein Psychiater dran bzw.beschäftigt sich überhaupt mit den wichtigen Änderungen- insbesondere kPTBS!! Traurig.Hoffentlich ändert sich das bald… Ich bin Ihnen umso dankbarer,dass Sie für uns Betroffene soviele Infos ins Netz stellen. Ich( männlich,43Jahre) habe schon seit Jahren eine komplexe PTBS,entwickelt durch mehrere und langdauernde Traumatisierungen(hauptsächlich im Erwachsenenalter).
    Mein Therapeut hat das auch erkannt,allerdings erst,als ICH SELBST meine starke Vermutung äusserte(2021).Leider kennt sich ( bisher) fast niemand damit aus ( auch nicht mein,sehr guter ,Therapeut)sodass ich keine Hilfe bekommen kann. Ich hege KEINEN Hass gegen die verursachenden Personen,jedoch häufiger Ärger über deren Inkompetenz damals. Dann wieder die Schuldgefühle- wie von Ihnen beschrieben. Scham,Selbstvorwürfe usw..
    Im Gegensatz zu anscheinend vielen anderen Betroffenen denke ich nicht,dass es mir schlechter geht als anderen Menschen.Ich möchte mit NIEMANDEM tauschen! Schließlich hat mir das Erlebte auch gezeigt,wieviel Kraft anscheinend in mir steckt.
    Zum Glück habe ich ein unterstützendes Umfeld,das ich,z.T.mit großem Kraftaufwand,auch pflege,weil ich weiss,dass es enorm wichtig ist.
    Was mir eher zu schaffen macht,sind die Ohnmachtsgefühle.Ich bin ein Kämpfer,schon immer gewesen und trotz allem immernoch.Radikale Akzeptanz ,weil man diese erlebten Dinge nicht mehr ändern kann,fände ich nicht hilfreich und zuviel verlangt,im Gegenteil.
    Deshalb frage ich mich schon lange,wie ich gegen die inzwischen unüberschaubar vielen Flashbacks und Traumata,die mich so oft ungewollt in gefährliche Situation bringen,angehen kann.
    Obwohl ich eher ein optimistischer Mensch bin und meine (schönen) Ziele habe,bin ich mit dem Umgang überfordert.Ich will leben,ENDLICH- und habe nie wirklich gelernt,wie.
    Ich werde weitermachen.
    Das Gute am Schlechten ist: es kann nur besser werden!! ;-)
    Vielen Dank für Ihren Artikel.Es war ( bisher)der einzige,wirklich hilfreiche zu diesem Thema,den ich, nach langer Recherche, gefunden habe!!! Bitte machen Sie weiter so!:-)))

  18. KatastroFEE sagt:

    Hallo Frau Voos,
    bei intensiver Recherche im Alleingang, nebst Windmühlen-Kampfes um eine adäquate Akutklinik, ohne Priorität auf 0815 Verhaltenstherapie ( bei kPTBS, HSP, Introversion, etc.) geriet ich auf Ihre informative Seite, mit interessanten Aspekten, zum Teil auch Wiederfindungswert. Danke dafür. Erlauben Sie mir dazu folgende Anmerkungen:

    Diese „…wiederholt schwer verletzenden Situationen…“ sind nicht nur/ immer auf die Kindheit beschränkt.

    >>Es muss bei weitem nicht „das eine große Trauma“ sein, das das Leben eines Menschen zerstört. Vielmehr ist es oft die Ansammlung vieler lauter, chaotischer und wiederholt schwer verletzender Situationen, die man als Kind erlebte und die dann zu einer extremen Anspannung, Nervosität und Angst im Erwachsenenalter führten. <>Wenn Menschen mit einer kPTBS sich unverstanden fühlen, werden sie häufig extrem wütend. Es ist ein scharfer innerer Schmerz, der die Wut hervorruft, sie aber auch verdeckt. Das Problem ist, dass Menschen mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung häufig davon ausgehen, dass andere sie nicht verstehen können – teilweise zu Recht, denn was sie erlebt haben, geht oft über die Phantasie von Menschen mit weitgehend gesunden Eltern hinaus.<<

    Eine kPTBS ist/wird so oft "verschleiert" und BÄMH wird man falsch diagnostiziert, wenn man nicht höllisch aufpasst ("und können, vor Lachen!") …respektive "Hauptsache! iwie behandelt & die Ungesundheitssystemkassen klingeln".
    Das könnten Sie, Betroffenen zuliebe, bitte zurechtrücken. Danke.

    Bleiben Sie resiilient ;)
    IMAGINE…PEACE !!!

    die KatastroFEE-
    Mitte 50ig, analyseaffin

  19. Dunja Voos sagt:

    Liebe Nicole, vielen Dank für Ihren Kommentar. Es war wirklich etwas hart formuliert und ich habe hier neue Worte gefunden. Aber die Tatsache bleibt bestehen. Ich weiß, dass diese Aussage einerseits beunruhigt, andererseits spüren es die Betroffenen selbst. Manche sind erleichtert, dass es hier so offen angesprochen wird. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dann ist es auch leichter möglich, passendere Hilfe zu finden. Und natürlich gibt es auch viele schwer traumatisierte Menschen, die sehr alt werden.

  20. Nicole sagt:

    „Die Kptbs führt häufig auch zu…. und frühen Toden.“ (!) Okay, ich darf voraussetzen, dass Sie in Ihrer Position genau wissen, was so eine Aussage in Betroffenen auslösen kann. Und ich nehme an, dass viele Betroffene logischerweise diesen Bericht lesen. Tut mir Leid, aber umso unverständlich er für mich.
    Alles Gute dennoch weiterhin

  21. Dunja Voos sagt:

    Liebe Hoffende, ich danke Ihnen sehr für Ihre Rückmeldung! Viele gute Wünsche Ihnen.
    Dunja Voos

  22. Lisa sagt:

    Warum sind die zwei auf dem Bild nackt? Können die sich was anziehen bitte.

  23. Hoffende sagt:

    Vielen dank für diesen interessanten Text! Ich finde mich tatsächlich in allen Punkten wieder – auch in dem „bösen“, dem „gewaltvollem“. Ich bin mittlerweile über 50 Jahre alt und seit meinem 17.Lebensjahr habe ich verschiedene Therapien und Klinikaufenthalte gehabt. Ich habe dermaßen viele Diagnosen erhalten – kaum zu glauben!! Erst im letzten Jahr konnte ich in einer Therapie verstehen und anerkennen, dass ich nicht schuld habe, an dem was mir als Kind passiert ist! Dazu habe ich über 40 Jahre lang gebraucht. Es ist einerseits traurig und andererseits zeigt es mir das ich mich immernoch verändern kann, das es sich lohnt zu kämpfen, das mein Leben doch wieder ein Stück mehr Lebenswerter geworden ist.
    Ich danke Ihnen für diesen Text, ich habe mir gerade auch Ihr Buch bestellt.
    Ich hoffe es geht auch für mich noch ein Stück weiter.
    Viele Grüße
    eine Hoffende

  24. Dunja Voos sagt:

    Noch nie Rachegelüste? Noch nie böse Gedanken?

  25. Icke sagt:

    Anna Runkle hat es gut verstanden:
    https://www.youtube.com/watch?v=ZzBl1zEf17Y

  26. Icke sagt:

    Alles gut, bis zu dem Punkt „Böse“. Ich sehe meine Emotionalen- und Kommunikationsprobleme, aber Ich hatte noch nie Rachegelüste, oder „Böse Gedanken“. Das ist zu einfach und unvollständig.

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