Folgen der Vojtatherapie als Baby: „Ach könnten wir viele uns doch zusammentun“

Ausbildungen sind nicht möglich. Wegen der Angst. Partnerschaften nicht möglich. Aus Angst. Kinderwünsche bleiben unerfüllt. „Wenn ich nur daran denke, dass mir jemand nahe kommt, dass er mich berührt, dass er neben mir liegt, geht gar nichts mehr“, sagen sie. So fühlen sich unzählige Vojta-Kinder.

„Mein Psychotherapeut geht aber kaum darauf ein“, sagen sie. Weil kaum jemand begriffen hat, was Vojta mit den Kindern macht. Die Vojta-Therapie kann man nicht „liebevoll“ ausführen: Das Kind hat Panik, es ist mitunter dem Kreislaufkollaps nahe, es schreit, es will sich befreien. Es ist eine Festhaltetherapie. Diese, aus meiner Sicht grausame Therapie, hinterlässt möglicherweise tiefste Wunden.

Die meisten Eltern bleiben stumm. Viele Betroffene können sich nicht bewusst an die Therapie erinnern. Von manchen anderen, die sich noch erinnern können, wurde sie wie eine Vergewaltigung erlebt. Doch sie haben keine Lobby. Sie gehen nicht zur Polizei. Sie haben keine Stimme. Sie haben ihre Stimme als Baby verschrien und verloren. „Ach könnten wir viele uns doch zusammen tun. Und allen sagen, wie schlimm es ist“, höre ich immer wieder von Betroffenen. Auf Facebook habe ich eine Gruppe erstellt für Menschen, die als Kind die Vojtatherapie erhielten und heute unter den Folgen leiden: www.facebook.com/…

Vojta-Therapie: Die merkwürdige Zurückhaltung der Gesellschaft – Schuld und Scham spielen möglicherweise eine Rolle

Die Vojta-Therapie bei Babys kommt aus meiner Sicht einer Misshandlung gleich. Daher wende ich mich immer wieder an verschiedene Stellen mit der Bitte, man möge sich doch nochmals mit der Vojta-Therapie auseinandersetzen unter Berücksichtigung der heutigen Erkenntnisse der Bindungs- und Säuglingsforschung. Ich habe das Bundesgesundheitsministerium, den G-BA, verschiedene Neurologen, Kinderärzte, Krankenkassen, Kinderschutzverbände, die GAIMH.org und Fernsehsender angeschrieben. Und ich stoße immer wieder auf eine ganz merkwürdige Zurückhaltung.

Und es ist nicht einfach: Der von mir sehr geschätzte Prof. Karl Heinz Brisch (khbrisch.de), der bekannt ist als Experte für frühe Bindungen, hat zusammen mit Prof. Theodor Hellbrügge ein Buch herrausgegeben (Kinder ohne Bindung, Klett-Cotta 2015, amazon). Professor Hellbrügge wiederum setzte sich sehr für die Vojtatherapie ein (www.vojta.com/…). Im Jahr 2010 wurde dem Vorsitzenden der Internationalen Vojta-Gesellschaft, Dr. Friedemann Schulze das Bundesverdienstkreuz verliehen (www.vojta.com/…). Das Problem ist, dass sicher alle helfen wollten, aber dass heute, da die Kinder erwachsen sind, erst die möglichen psychischen Folgen sichtbar werden.

Der Satz „Keiner will’s gewusst haben“ kommt mir da in den Sinn. Die Vojta-Therapie sei halt eine Therapie, höre ich. Man kenne sich da medizinisch nicht aus. Man vertraue den Ärzten und Therapeuten. Die Vojta-Therapie sei eine hervorragende Methode für Kinder mit einer Zerebralparese. Und dann ist Ende. Ich finde unter Fachleuten nur wenig Verbündete, die sich dieses Themas einmal annehmen wollen. Immerhin konnte ich ein paar kritische Expertenstimmen zusammentragen.

Stand 2025: Der G-BA hat das Thema Vojtatherapie endlich aufgegriffen: www.g-ba.de/beschluesse/7035/. Zusammen mit Professor Carsten Spitzer (Klett-Cotta), Universität Rostock, führe ich eine Onlinebefragung zur psychischen Gesundheit nach Vojtatherapie als Baby durch.

Die Vojtatherapie wird angewendet, bevor die Kinder sprechen können, bevor sie sich erinnern können. Viele bekamen sie, ohne zu wissen. Sie wundern sich nur, dass sie keine Zweierbeziehung führen können, dass sie nicht arbeiten oder ausruhen können, dass sie suizidal sind. „Manchmal haben die Nachbarn die Polizei gerufen, wenn sie mich schreien hörten“, erzählt eine Betroffene. „Aber es war nur Therapie, sie mussten wieder gehen.“ Vojta-Opfer sind wortlos. Sie haben keine Lobby. Nach Vojta behandelte Kinder fühlen sich als Erwachsene oft wie sexuell missbraucht und können doch nirgendwo anklagen. Dieser Beitrag sei allen schwer und oft unwissend Leidenden gewidmet.

  • „Ich trinke jeden Tag Alkohol“, sagt eine Betroffene. Sie wurde sechs Jahre lang mit Vojta behandelt.
  • „Ich habe eine Essstörung“, sagt eine Betroffene. Sie wurde lange auf dem Küchentisch behandelt.
  • „Ich hatte noch nie eine intime Beziehung.“ 30-jährige Akademikerin, zwei Jahre als Baby/Kleinkind nach Vojta behandelt.
  • „Mit der Behinderung kann ich leben, nicht jedoch mit den psychischen Folgen der Vojta-Therapie.“ Junge Frau, jahrelang nach Vojta behandelt.
  • „Sehen Sie diese enormen Fortschritte?“, fragt der Kinderarzt. „Ohne Vojta-Therapie wäre das nie gegangen.“ Die Mutter traut sich nicht zu sagen, dass sie diese Therapie nach der Verordnung nie durchgeführt hat.
  • „Ich musste immer rausgehen. Ich konnte das Schreien nicht ertragen, aber meine Frau ließ sich nicht davon abbringen.“ Ein Vater.

Schuldgefühle verhindern Auseinandersetzung

Obwohl die Vojta-Therapie bei Babys sehr umstritten ist und viele Eltern (ver-)zweifeln lässt, sieht es nicht so aus, als könne sie bald „ins Gruselkabinett verbannt“ werden, wie die Kinderpsychiaterin Dr. Franziska Cottier-Rupp es ausdrückte (siehe „Kritische Expertenstimmen“). Doch woran liegt es, dass ein Ende dieser – wie ich finde furchtbaren – Methode nicht in Sicht ist? Wenn Geisterfahrer auf der falschen Bahn sind, fahren sie oft immer schneller in der Hoffnung, dass eine Ausfahrt kommt. Ähnlich ist es im alltäglichen Leben auch: Wenn ich merke, dass ich auf einem falschen Weg bin, ist es oft umso schwieriger, diesen Weg zu verlassen, je länger ich ihn schon gehe.

Manchmal klebt man regelrecht auf falschen Wegen – einerseits in der Hoffnung, es könnte sich plötzlich ein Ausweg zeigen. Andererseits fühlt man sich möglicherweise wie ein Verlierer, wenn man den eingeschlagenen Weg aufgibt. Manche Wege können wie eine Sucht sein, obwohl man genau weiß, dass sie falsch sind. Immer mehr muss man sich innerlich rechtfertigen, immer größer wird die Scham, weil man einen falschen Weg bewusst weiter geht. Das Loslassen kann zu einem richtigen Kraftakt werden.

Zweifel werden erstickt

Übersetzt auf die Vojta-Therapie mag das heißen: Nachdem die Eltern sich erst einmal auf die Vojta-Therapie eingelassen haben, ist es manchmal schwer für sie, diesen Weg wieder zu verlassen. Wir haben hier eine Therapieform, bei der Mütter mit Schuldgefühlen kämpfen und bei der die Grenzen des Kindes überschritten werden. In der ersten Vojta-Stunde mag die Mutter noch den Impuls verspüren, das Kind aus dieser schrecklichen Situation zu befreien. Doch die Physiotherapeutin beschwichtigt – sie sagt, das Kind schreie nur aufgrund der Anstrengung, obwohl die Mutter Angst und Verzweiflung aus dem Schreien ihres Babys hört. Dass das Baby „trocken“ (also ohne Tränen) schreie, sei ein Zeichen dafür, dass es keine Schmerzen habe. Die Mutter unterdrückt daraufhin ihre Zweifel und lässt sich auf diesen Weg ein – schließlich will sie sich später keine Vorwürfe machen, wenn ihr Kind sich möglicherweise nicht richtig entwickelt. Eine Mutter drückte es in meiner Umfrage so aus:

„(Die Therapie ist) keinesfalls schön für die Mama, aber man sollte wissen, dass das Baby nicht nachtragend ist und es später eher Vorwürfe machen würde, wenn es Schäden hätte, weil wir zu schwach waren, die Therapie durchzuhalten. Zumindest motiviere ICH mich mit diesen Gedanken!“

„Mein Baby lacht und strahlt nach der Therapie“

Häufig stellen Mütter fest, dass ihr Baby nach der Therapie lacht. Viele interpretieren es so, dass es ihm gut geht und dass die Therapie ihm gut getan hat. Doch das Baby lächelt in dieser Situation möglicherweise einfach aus Erleichterung darüber, dass die Qual ein Ende hat.

„Mein Baby kann sich später ja nicht erinnern“

Die Meinung, dass das Baby sich später nicht erinnern könne, muss heute angezweifelt werden. Frühe Erfahrungen wie die der Vojta-Therapie werden im „impliziten Gedächtnis“ abgespeichert. Das Kind kann sich später zwar nicht bewusst erinnern, doch es zeigt seine impliziten Erinnerungen möglicherweise, indem es sich in bestimmten Situationen anspannt, während Umstehende sich fragen, was denn gerade so gefährlich ist. Häufig ist die unbewusste Erinnerung an Zeiten, in denen wir noch keine Worte hatten, schlimmer als die bewusste Erinnerung an schlimme Ereignisse, die wir in Worte fassen können. Die frühen Erfahrungen werden wahrscheinlich auch in das Körpergedächtnis eingeschrieben. Was das bedeutet, wird zur Zeit gerade erst erforscht.

„Mein Baby freut sich auf die Therapie, fordert sie ein, lächelt die Therapeutin an“

Auch das sollte kein Argument für die Therapie sein. Kinder, die von ihren Eltern beispielsweise misshandelt wurden, fordern auch als Erwachsene noch ein, dass andere sie schlecht behandeln oder gar quälen. Kinder suchen immer das auf, was sie kennen – auch das, was ihnen möglicherweise nicht gut tut. Extrem gesprochen: Es gibt auch masochistische Erwachsene, die es genießen, wenn man ihnen Qualen zufügt. Kinder, die gequält werden, können das psychisch oft nur überleben, indem sie die schreckliche Situation umkehren („pervertieren“) und daraus ein Wohlgefühl gewinnen. Sie bringen sich selbst dazu, das Schlimme zu „genießen“, um ihre Verzweiflung zu bewältigen.

„Unsere Beziehung wurde durch die Therapie sogar gekräftigt“

Mütter, die die Therapie – oft gegen inneren Widerstand – fortführen, sagen gelegentlich, dass die Vojta-Therapie ihre Beziehung zum Kind gestärkt habe. Doch was ist damit gemeint? Extreme Situationen verbinden Menschen. Doch ist die vermeintlich gute Bindung mag in Wirklichkeit manchmal eher eine ängstliche Anhänglichkeit sein. Das verunsicherte Kind ist möglicherweise in Angst an die Mutter gebunden. Die Bindung mag durch die Vojta-Therapie enger erscheinen – aber es ist die Frage, ob das eine „gute Bindung“ ist.

Versteckte Aggressionen

Aggressionen gehören zum Muttersein genauso dazu wie Liebe auch. Beispielsweise ist es mitunter natürlich, traurig und wütend zu sein, wenn ein Kind krank oder behindert ist oder sich vielleicht nicht „richtig“ entwickelt. Eltern jedoch, die ihre Wut sofort verdrängen, weil sie ja nicht sein darf, haben ein Problem. Wohin mit der Aggression? Unterdrückte Aggression wird nicht selten in „Fürsorge“ umgewandelt.

Als Mutter fühlst du dich zunächst geschützt – du hast ein Rezept des Kinderarztes und du möchtest helfen. Doch vielleicht fühlst du dich aggressiv: „Warum muss mir das passieren? Könnten die Dinge nicht einfacher sein?“, fragst du dich vielleicht. Du machst die Therapie vielleicht, während du aggressiv bist. Und die aggressive Therapie passt zu deinem Gemütszustand, was dich auf gewisse Weise erleichtern kann. Diese Vorgänge sind dir vielleicht gar nicht bewusst – bewusst wird dir nur die Scham und das Schuldgefühl. Daher ist es vielleicht für dich sehr schwer, die Vojtatherapie infrage zu stellen, darüber zu sprechen und sie zu beenden. Du brauchst Mut, die neu Gedanken darüber zu machen.

Auf meine kritischen Beiträge zur Vojta-Therapie bei Babys erhalte ich immer wieder erschütternde Mails von heute Erwachsenen, die als Baby und (Klein-)Kind nach der Vojta-Methode behandelt wurden. Vielen gemeinsam ist es, dass sie sich nicht berühren lassen wollen und keine Partnerschaft führen können. Sofern sie sich an die Behandlung erinnern können, sind auch Schamgefühle ein großes Thema. Eine Betroffene schreibt, dass sie gut mit einer körperlichen Behinderung hätte leben können, aber dass sie es nur schwer schafft, mit den seelischen Folgen der Vojta-Therapie zurechtzukommen.

Vojtatherapie und die Beziehung zum Körper

Durchweg alle Betroffenen haben mir geschrieben, dass sie ein sehr schlechtes Verhältnis zum eigenen Körper haben. Viele schämen sich bei dem Gedanken, dass Mutter, Vater oder Therapeuten so mit ihnen umgegangen sind. Nur in Unterhose bekleidet lagen sie auf dem (Ess-)Tisch, während (zumeist) die Mutter die Vojta-Übungen mit ihnen durchführte. Die kindliche Intimität wurde bei der Vojta-Therapie grob verletzt, so empfinden es viele. Wenn die Mutter nicht aufhört, ein schreiendes Kind zu behandeln, dann erinnert es an ein sadistisches Verhalten, das die Kinder zutiefst verstören kann.

Plötzliche Übelkeit

Manche berichten davon, dass sie sich bei der Vojta-Therapie übergeben mussten. Andere erzählen, dass sie oft plötzlich Übelkeit empfinden, wenn sie in Situationen kommen, die sie an die Vojta-Therapie erinnern. Vielleicht kennst Du das als Betroffene auch: Das können Situationen sein, in denen Du in einer verkrampften Körperhaltung bist, in der Du Dich anstrengen musst, in der Du eng mit anderen Menschen zusammen bist oder Dich unter Druck gesetzt fühlst. Das Gefühl des „Gequetschtseins“ begleitet viele. Einige können sich auch deutlich an Schmerzen erinnern, obwohl Vojta-Therapeuten immer wieder behaupten, die Vojta-Therapie sei „nur“ anstrengend, jedoch nicht schmerzhaft.

Vielleicht leidest Du – wie viele Betroffene – häufig darunter, dass Deine Qualen nicht ernst genommen werden. Auch höre ich immer wieder, dass Ärzte und Therapeuten den Zusammenhang von seelischen Beschwerden und der Vojta-Therapie nicht sehen und die Beschwerden auf mögliche andere Umstände zurückführen. Ich erforsche seit vielen Jahren die möglichen psychischen Folgen der Vojta-Therapie als Baby. Wenn Du betroffen bist, freue ich mich über eine Mail: voos@medizin-im-text.de. Auch als Mutter oder Vater bist Du herzlich willkommen – viele Mütter und Väter fühlen sich schuldig und leiden selbst darunter, die Vojtatherapie bei ihrem Baby durchgeführt zu haben.

„Vojta ist wie Sterben, ohne sterben zu können.“

Das Baby in der Vojta-Therapie, es fühlt sich vielleicht, als müsse es gleich sterben. Aber man lässt es nicht, man schickt es nur an die Kante dazu. Das Baby spürt, dass es zum Sterben nicht reicht. Die nächste Bezugsperson, die Mutter, ist so nah wie nur eben möglich, doch sie dringt auf eine gewisse Art ins Baby ein, während sie gleichzeitig nicht ansprechbar ist. Nur das Denken rettet das Baby, sofern man von „Rettung“ sprechen kann. Später wird es sich möglicherweise fast nie auf sein Gegenüber ganz einlassen können. Es wird sich kaum in etwas versinken können. Es muss immer das Äußere im Blick haben. „Wenn ich aufhöre, zu denken und zu schauen, dann ist die Gefahr groß, dass ich im Ewigen Leben lande“, denkt es.

So ähnlich fühlen sich manche frühtraumatisierte Menschen, die in und mit der schrecklichen Vorstellung leben, das Schlimme könnte immer wieder passieren. Das Baby hat noch kein ausgereiftes Zeitgefühl. Es zählt nur das Jetzt – und das war bei schwer traumatisierten Kindern unaushaltbar. Ich glaube, dass die Vojta-Therapie die Hölle ist und dass man Babys davor bewahren sollte, weil die möglichen psychischen Folgen schrecklich sein können. Es gibt hierzu meines Wissens leider noch keine systematischen Studien.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Dunja Voos:
Vojta-Therapie bei Babys – ein Aufschrei
Hilfe bei einem speziellen Trauma

Selbstveröffentlichung, 9.2.2021
amazon

Karl Heinz Brisch, Theodor Hellbrügge (Hrsg.)
Kinder ohne Bindung
Deprivation, Adoption und Psychotherapie
Klett-Cotta, 1. Auflage 2015
www.amazon.com/dp/B0B5LW4SY4

Beitrag vom 16.1.2026 (begonnen am 11.3.2018)

12 thoughts on “Folgen der Vojtatherapie als Baby: „Ach könnten wir viele uns doch zusammentun“

  1. Dunja Voos sagt:

    Lieber Holger,
    vielen Dank für diesen berührenden Beitrag. Ich wünsche mir, dass sich hier Betroffene zusammenfinden können. Mich würde interessieren wie es Ihnen heute geht.
    Viele Grüße,
    Dunja Voos

  2. Holger75 sagt:

    Hallo in die Runde,
    ich wurde als Kind/Jugendlicher bis ich 16 war täglich 4 mal behandelt. Hinzu kamen Dehnübungen für den Arm. Ich habe eine Halbseite Spastik In den Ferien und am Wochenende waren es meist 5 Einheiten täglich. Wir hatten ja Zeit.. Das heist 2-3 Sunden täglich Krankengymnastik. In der Schule für Körperbehinderte, war ich ,so viel ich weiß, der einzigste Schüler der derart intensiv behandelt wurde. Anordnung des Kinderarztes. Täglich einmal in der Schule. So bald aber ein Kind krank war, wurde ich ein zweites Mal behandelt.
    Vor der Schule, in der Schule und dann sofort wenn ich nach Hause kann und am Abend.. Wenig Zeit zum Spielen. Immer wieder raus gerissen. Selbst auf Klassenfahrten war die Therapeutin dabei. Andere Klassenkameraden/innen hatten eine Befreiung von den Eltern bekommen. Also hatte die Therapeutin viel Zeit für mich, die sie auch nutzte( Zu meinem Wohle natürlich).:Erst mit 16 hatte ich den Mut mich durchzusetzen und die Einheiten wurden reduziert. Mit 19 war dann entgültige Schluss, da ich zur Ausbildung in eine andere Stadt zog .

    Wer hat ähnliche Erfahrungen machen müssen? Ich hatte einen Ausbildungskollegen der bis er 22 war täglich mit Vojta genervt wurde.

  3. Dunja Voos sagt:

    Ganz herzlichen Dank! Ich freue mich sehr über Ihre Nachricht und Ihr Vorhaben, meine Informationen weiterzugeben. Ich freue mich immer, auf Menschen zu treffen, die für die Hypothese offen sind, dass die Vojta-Therapie psychisch möglicherweise wirklich sehr schaden kann.

  4. aufeinNeues sagt:

    Hallo Frau Dr. Voos, bin eher durch „Zufall“ auf Ihren Blog-Artikel zur Vojta-Therapie gestoßen und entsetzt über deren lebenslange psychischen Folgen. Da ich selbst in kontinuierlicher physiotherapeutischen Behandlung bin, habe ich gerade Ihr Buch bestellt und werde es nach dem eigenen Lesen an meine Physiotherapie-Praxis weiter reichen. Möglicherweise ist vielen Physiotherapeuten gar nicht bewusst und in ihrer Ausbildung nicht vermittelt worden, welche Folgeschäden aus der Vojta-Therapie bei Babys entstehen können.
    Vielen Dank für Ihre Aufklärung darüber.

  5. Dunja Voos sagt:

    Liebe Silke,
    vielen Dank für Ihren bewegenden Kommentar! Ja, Sie beide hatten keine Chance. Überhaupt wird die Vojta-Therapie bei Babys meistens in dem Gedanken durchgeführt, etwas Gutes zu tun und das Schlimmste zu verhindern. Dass durch diese Form der Physiotherapie möglicherweise schwerste psychische Traumen entstehen, wird bis heute oft noch nicht bedacht. Da diese – ich nenne es – „Gewaltanwendung“ am Kind bereits im vorsprachlichen Bereich stattfindet, hat das Kind keine Chance, diese Erfahrung durch bewusste Erinnerungen oder Worte zu verarbeiten. Es bleibt mit seiner psychischen Überflutung alleine und leidet später möglicherweise unter teilweise furchtbaren psychischen Zuständen, die sich nicht in Worte fassen lassen und die es den Betroffenen verunmöglichen, eine nahe Beziehung zu führen. Ich hoffe, dass ich mit meinem Buch („Vojta-Therapie bei Babys – ein Aufschrei“, das im Februar 2021 erscheinen wird) Hypothesen liefern und Erfahrungen beschreiben kann, die zum Nachdenken und vielleicht sogar zu systematischer Forschungsarbeit anregen.
    Viele Grüße,
    Dunja Voos

  6. Silke sagt:

    Also doch !!! Nach einer wahren Odysee meiner Tochter ( jetzt 14 Jahre ) in ihrer Verhaltensauffälligkeit zu helfen wird gerade sehr viel klar.
    Auch meine Tochter bekam sehr früh ( 5.Lebenswoche ) Vojta Therapie, 5 x am Tag alle 3 Stunden und das 1 ganzes Jahr lang plus Kontrolltermine bis sie 5 Jahre alt war. Schwerstgradige Muskeltonusstörung mit Gesichtsskoliose und Atlasblockade (HWS) .Auch sie war bereits extrem früh wortgewandt und konnte sehr früh sprechen.
    Während der Therapie wurde ich oft belächelt und für überfürsorglich gehalten als ich versuchte mir Luft zu machen und immer wieder mit Ärtzen in Konflikt geriet.
    Bis zum Eintritt der Pubertät erlebten wir Angststörung, soziale Störungen, verschiedene Verhaltenauffälligkeiten, Probleme in der Schule sowie Mobbing in der Grundschule, oppositionelles Verhalten, etc. Immer haben wir uns Hilfe gesucht sei es bei der Familienhilfe oder Ärzten. Und genau hier kann ich meine Erfahrung mit anderen teilen. Auch ich habe die Erfahrung gemacht das ich immer wieder die Vojta Therapie erklären musste.

    Mittlerweile ist meine Tochter 14 Jahre alt. Durch die Pubertät ( die ja eh eine Herausforderung ist ) veränderten sich einige Verhaltensweisen sehr und ich dachte das es daran lag. Auf einmal zog sie sich immer mehr zurück, wollte nicht mehr kuscheln oder sich von mir anfassen lassen….konnte allerdings auch nicht benennen woher das kommt. Fand sie selbst komisch.
    Irgendwann im letzten Jahr kamen dann somatische Auffälligkeiten dazu unter der sie sehr zu leiden hatte. Meiner Tochter wurde von einer Psychologin der stationäre Aufenthalt in einer Psychosomatischen Kinder- und Jugendklinik angeboten. Der Psychotherapeut war top….hatte aber von Vojta keine Ahnung. Auch hier musste ich das erklären. Ich gab Auskunft über Vojta. Das die Problematik meiner Tochter in irgendeiner Weise mit mir als Mutter zu tun hat hatte er bereits vermutet.

    Über die anschließende Arbeit mit der ambulanten Jugendhilfe ( die gerade gestartet ist )kommen wir nun endlich zu einem Ergebnis.Es wird gerade klar das die Therapie das Urvertrauen und die Seele meines Kindes dermassen zerstört hat das ich für sie gefühlt immer der „Angreifer / Täter“ sein werde ohne das sie sich dessen bewusst ist. Daher unsere Spannungen und Probleme.
    Bindungstrauma, Beziehungstrauma und Wahrnemungsverzerrung. Jetzt passt es alles irgendwie.
    Nun habe ich verstanden was passiert ist und versuche wieder etwas zu bewältigen was mich überfordern wird.

    Meine Tochter möchte in eine Wohngruppe weil sie meine Anwesenheit und Nähe nicht aushalten kann. Sie selber weiss nicht genau woran es liegt…..sagt das sie mich liebt und ist selbst sehr unglücklich über ihre Gefühlswelt.

    Auch ich verteufel nach wie vor diese Therapieform und hoffe das diese mittlerweile kaum noch praktiziert wird. Nur zu gerne würde ich anderen helfen damit sie so etwas nie durchmachen und erleben müssen. Aber vor allem die KINDER !!! Leider gibt es wirklich für dieses Thema viel zu wenig Informationen, Angebote zur Bewältigung, Hintergrundinformationen, Studien, Selbsthilfegruppen,etc.

    Ich kann nur jedem Elternteil raten hört auf euer Bauchgefühl. Gebt euch nicht den Ratschlägen von Ärtzten und Therapeuten hin die da meinen das Kind vergisst alles und bekommt nichts mit. Es bekommt alles mit……..

    Jetzt Jahre später möchte ich die Uhr zurück drehen und neu anfangen bzw. nach meinem Bauchgefühl entscheiden. Niemals würde ich die Therapieform wählen jetzt wo ich weiss was das für die Kinder und die Beziehung zu Mitmenschen macht. Damals war es mein erstes Kind und ich war zu jung und habe mich von den Ärzten einschüchtern lassen. Die Prognose meiner Tochter war schlecht. Aussage der Ärzte ….“wird diese Form der Therapie nicht gemacht,wird Ihre Tochter zu 80 % gehbehindert sein und dauerhaft bleiben. Genauso wie die Bewegungseinschänkung der Halswirbelsäule!“

    Gerne würde ich meine eigentliche Tochter kennenlernen und schauen wie ihr eigenes Bindungsmuster ist und was ihr Wesen wirklich ausmacht. Ich würde rückblickend in Kauf nehmen, daß meine Tochter behindert ist und nicht diesen Preis zahlen müsste der Wahrscheinlich ihr ganzes Leben bestimmen wird. Im nachhinein ist es echt fies aber………wir hatten beide keine Chance !!

    Liebe Grüße Silke

  7. Dunja Voos sagt:

    Liebe Ute,
    wie berührend, dass Sie das so ehrlich schreiben können. Ich kenne sehr viele Mütter, die die Vojta-Therapie verteidigen, teilweise, weil sie sich so schuldig fühlen. Ich finde es auch wertvoll für meine eigenen Befragungen, dass mir inzwischen schon einige Mütter erzählten, dass sie meine Beschreibungen bestätigen können.
    Psychotherapien helfen hier meiner Meinung oft deswegen nur unzureichend, weil die meisten Psychotherapeuten gar nicht fragen, ob ein Patient die Vojta-Therapie erhalten hat. Viele Psychotherapeuten kennen sie nicht und viele kennen auch die möglichen Zusammenhänge zu den heutigen Problemen nicht. Viele Patient*innen berichten, dass sie sich wie „vergewaltigt“ fühlen. Es ist wichtig, einen Psychotherapeuten oder Psychoanalytiker zu finden, der für körperliche Erfahrungen in der vorsprachlichen Zeit offen ist. Das Schuldgefühl kann ich so gut nachvollziehen und es ist auch wertvoll für die Beziehung zum Kind – Sie gehen nicht darüber hinweg. Sie wollten eben helfen und man tut im Augenblick eben immer nur das, was einem am besten erscheint. Hinterher ist es immer leicht, es „besser zu wissen“. Ihnen von Herzen respektvolle Grüße, Dunja Voos

  8. Ute sagt:

    Ich lese mit Grauen über die Folgen der Vojta-Therapie, die ich meiner kleinen Tochter, mittlerweile 30 Jahre, im Alter von wenigen Wochen bis fast zu einem Jahr zugemutet habe. Sie hatte einen extremen Schiefhals und das galt als aussichtsreichste Therapie. Es war eine Tortur, die ich viel zu spät abgebrochen habe.
    Heute verhält sie sich genauso wie von vielen beschrieben. Sie hat keinen Partner, erträgt keine Berührungen von mir. Allerhöchstens eine Umarmung zur Begrüßung. Ist sehr kontrolliert und wortgewandt. Hat sehr früh sprechen gelernt.
    Wie kann man diesen Kindern helfen? Sie war jahrelang in Psychotherapie, aber ich habe nicht den Eindruck, dass es half. Sie lebt 400 km weit weg und hat selbt eine Therapie begonnen, nicht ahnend woher ihre Probleme rühren.
    Als Mutter fühlt man sich unendlich schuldig.
    Traurige Grüße
    Ute

  9. Tamina sagt:

    PS: Aber gerade deshalb müssen wir uns alle zusammentun und Fürsprecher gewinnen. Allzuoft sind es die Opfer die Veränderungen und eine Stimme erkämpfen müssen. Ich bin dabei.

  10. Tamina sagt:

    Hallo zusammen,

    ich bin selbst betroffen und der Beitrag spricht mir traurigerweise aus der Seele. Die folgen auf mein ganzes Leben sind massiv und sogar existenziell und es sind genau die, die hier genannt sind. Ich habe die Therapie bis in die Pubertät erhalten und dachte schon damals. I“ch kann ja ach gar nicht zur Polizei gehen. Ich glaubte alles was meine Eltern sagten und dachte, das glauben auch Polizisten. ( “ Das ist die beste Therapie für dich, wegen ihr kannst du alles was du kannst…) und ich dachte, selbst wenn Beamte meinem Erleben glauben würden, ist es eine erlaubte Therapie, nichts daran ist strafbar. Also war Hilfe nirgends möglich. Und ich dachte oft, ich bin falsch, wenn doch alle alle auf der Welt sage. Es ist die beste Therapie und nicht schlimm. heute denke ich, wir haben weniger als keine Stimme, so wie die Situation ist. Uns und unser Problem gibt es offiziell nicht. Das tut so furchtbar weh, zusätzlich zu allen Folgen.

    Ich habe bis vor kurzem über Monate recherchiert und durchforstest, was mir in den Sinn kam. Selbsthilfegruppen habe ich keine einzige gefunden. Da ich nicht einmal den Namen der Therapie hören kann, ohne in Flashbacks zu geraten und mich meist zu Tode schäme, wenn ich drüber reden soll. würde ich dort wohl eher nicht hingehen können. Aber ich wollte wissen, ob es sie gibt, weil allein das Wissen mir gezeigt hätte. Ich bin nicht allein und es wird gesehen. Leider fand ich keine. Aber andererseits war es zu erwarten, In der breiten Öffentlichkeit, gibt es ja gar keine Folgen und Probleme, nirgends. Wie sollen dann so Gruppen entstehen und wenn es den meisten Opfern gehtwie mir. Trat sich auch keiner eine zu gründen.

    Liebe traurige Grüße, Tamina

  11. Dunja Voos sagt:

    Liebe Sofasophia, da müsste ich mal recherchieren, ob es Selbsthilfegruppen gibt. Herzlichen Dank für den Kommentar!

  12. Sofasophia sagt:

    Ich habe noch nie davon gehört, und darum soeben ein bisschen recherchiert. In der Theorie klingt es „einleuchtend“, fast wie eine Art „körperliche Konditionierung“ irgendwie. Gerade darum kann mir vorstellen, dass das ganz schön heftige Auswirkungen haben kann.
    Selbst wenn es Menschen gibt, denen diese Therapie geholfen hat, reagiert doch jeder Mensch unterschiedlich und das viele Leid würde doch nicht rechtfertigen, so die Therapie einigen Wenigen vielleicht tatsächlich geholfen hat. Ob es Selbsthilfegruppen gibt?

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