Narzissmus und das falsche Selbst – wenn Liebe, Schwäche und Abhängigkeit verachtet werden
„Der Narzissmus ist das Interesse am Selbst.“ So einfach definiert es der amerikanische Psychoanalytiker Ben Bursten in seinem Buch „The Manipulator“ (amazon).
Der Begriff leitet sich ab von Ovids Sage über Narziss, dem Jungen, der so in sein Spiegelbild im Teich verliebt ist, dass er davon nicht wegkommt und stirbt. Verachtung für andere, Überbetonung von Erfolg, Ehrgeiz und Eitelkeit sind narzisstische Verhaltensweisen. Auch Neid und Wut, wenn die selbstbezogene Haltung in Gefahr ist, gehören zum Narzissmus. Zu relativ nicht-narzisstischen Affekten zählen laut Bursten z.B. Schuld, Reue, Anteilnahme und Respekt.
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Links:
Rätsel des Unbewussten: Die Tragödie des Narzissmus. youtube.com/…
Roland Kopp-Wichmann:
Ein Narzisst kommt selten ins Coaching. Wenn doch, ist es oft eine Gratwanderung für den Coach.
persoenlichkeits-blog.de/article/111929/narzisst
Robin S. Edelstein et al. (2010):
Narcissism predicts heightened cortisol reactivity to a psychosocial stressor in men. Journal of Research in Personality, Volume 44, Issue 5, October 2010, Pages 565-572, pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2976540/
Siegfried Elhardt:
Tiefenpsychologie – eine Einführung. Kohlhammer, Stuttgart 2001, amazon
Alice Miller:
Das Drama des begabten Kindes. Suhrkamp Verlag
Rainer Sachse et al.
Beziehungsmotive und Schemata: Eine Heuristik. ipp-bochum.de/….pdf
Otto F. Kernberg:
Narzißmus, Aggression und Selbstzerstörung. Klett-Cotta, 2. Auflage 2009
Introduction To Psychoanalysis: Otto Kernberg, youtube.com/… (full)
Enid Elliot and Janet Gonzalez-Mena (2011):
Babies‘ Self-Regulation: Taking a Broad Perspective. Young Children, January 2011, v66 n1: p28-32
eric.ed.gov/?id=EJ930004
Winnicott, Donald Woods (1960):
Ego distortion in terms of true and false self. The Maturational Process and the Facilitating Environment:
Studies in the Theory of Emotional Development. Routledge 1984
Beitrag vom 1.10.2026 (begonnen am 23.5.2007)
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8 thoughts on “Narzissmus und das falsche Selbst – wenn Liebe, Schwäche und Abhängigkeit verachtet werden”
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Vielen Dank für diesen Artikel, der mir die Augen geöffnet hat, ohne mich zu beschämen. Wie einfühlsam Sie meine Situation beschreiben, hilft mir wirklich, mich meiner Erkrankung zu stellen, weil ich nicht mit einschüchternden Fachworten und Diagnosen, die wie Diskriminierungen wirken, belegt werde, sondern Sie erklären, was es mit dieser Störung, diesem Defekt auf sich hat.
Ich stamme aus genauso einem Umfeld, die Beschreibung passt auf meine Eltern – meine Mutter noch mehr als meinen Vater – wie die Faust aufs Auge.
Auch ich finde mich darin wieder, ohne Schuldgefühle zu bekommen, dass ich etwas „falsch gemacht“ haben könnte, auch wenn ich noch ein Kind war. Und ja: Als Erwachsener knallt es dann so richtig rein! Dessen wurde ich mir erst nach ca. zwanzig Jahren bewusst und räume es jetzt auf:
Die Gewalt (verbal, emotional, physisch), die Manipulationen, die Gehirnwäschen, die Vernachlässigung, die gespielte Fürsorge, wenn andere beeindruckt werden sollten (meine Supereltern, die einfach die Besten sind, die alles, wirklich alles für ihr Kind tun, z.B. Kleidung kaufen, Schuhe kaufen, Spielzeug kaufen, Medikamente geben, wenn es krank ist – das ist doch fantastisch, oder?! Das macht sonst keiner! *Ironie off*). Ich verstehe erst jetzt mit ca. 42 Jahren, wie pervers die Situation damals war, bin durch die Lösung und die inzwischen geheilten und zu Empathie fähigen Seelenanteile in der Lage, das Verhalten richtig einzuschätzen und bin zum Teil wirklich schockiert darüber, wie Menschen so sein können, aber habe auch Mitgefühl, weil sie es nicht anders gelernt haben und sich auch im Laufe ihres Lebens nicht dazu erzogen haben. Das baut die notwendige innere Distanz bei mir auf, um mich selbst zu „retten“, zu heilen, ohne zu verurteilen oder Vergeltung zu suchen.
Herzlichen Dank dafür! <3
P.S. Ich bemühe mich gerade um einen Platz bei einem Traumatherapeuten. Ich empfehle es allen anderen, die sich in diesem Artikel wiederfinden. Es war wirklich so schlimm und es ist keine Schande, sich Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen und sich einzugestehen, dass man schwach und hilflos ist. Die Lösung der Traumata fühlt sich an wie im Eiltempo erwachsen werden und ist einfach geil!
Das Problem mit dem schauspilerischen Darstellen eines „falschen selbst“, kenn ich. Ja, bis zu einer gewissen Grenzen schauspielert jeder Mensch. :-|
Interessante Beiträge und Blogs stehen auf dieser Seite, ehrlich.
Mit dem Problem eines falschen Selbst+Bezug zur Realität=Depression, wie geht ihr konstruktiv dieses Problem an. Bei welchen Menschen merkt ihr man kann ihn vertrauen? Bei welchen Menschen wird euch bewusst, Vertrauen ist sinnlos bei dem Menschen ?
Christianius
Ich war über 4 Jahre mit einer Partnerin zusammen, die meiner Überzeugung nach an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Sie leidet wirklich, nimmt deswegen seit über zehn Jahren Antidepressiva und hat genauso lange ununterbrochen jede Woche Psychotherapie. An ihrem Leiden, an ihrem Verhalten, an ihrem Leben hat sich trotzdem nie etwas geändert. Besonders auffällig war immer das völlige Fehlen jeglicher Einsicht in konstruktive Kritik, egal von welcher Seite, oft gepaart mit Wut und immer dem Gefühl, verlassen zu sein, sobald Kritik geäußert wurde.. Schuld waren grundsätzlich immer die anderen, Reue oder sich entschuldigen existierte nicht. Was ich nicht verstehe, ist, dass keiner der von ihr seit fast 15 Jahren jede Woche besuchten Psychotherapeuten oder Psychiater jemals diese Diagnose der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung in Erwägung gezogen oder gar in diese Richtung therapiert hat. Sie selbst lehnt diese Diagnose vehement ab. So wird sie wohl tragischerweise schwer leidend auch den Rest ihres Lebens unter ihrer erlernten Fassade verbringen müssen, ohne je erfahren zu haben, dass sie mit ihrem wahren Ich genauso wertvoll ist und mindestens genauso liebenswert wäre.
Liebe Feli,
Ihnen auch vielen Dank für Ihren Kommentar!
Herzliche Grüße
Dunja Voos
Lieber Gast vom 30.06.2013. Sie werden wahrscheinlich meinen Kommentar nicht mehr lesen. Seit 3 Wochen recherchiere ich intensiv im Internet zu diesem Thema, habe sämtliche Seiten, Artikel, Blogs und Foren durch. Ihr Beitrag ist der erste, den ich lese, aus Sicht eines/r „Kranken, der sich seinem Thema stellt.“ Und noch in so knappen Worten. Danke, dass Sie das hier geschrieben haben. Dazu sollte es viel mehr geben. Sie sind mit Sicherheit Pionier auf diesem Gebiet: sich seiner Persönlichkeit und Prägung zu stellen, obwohl diese dies eigentlich gar nicht erlauben kann. Sie zeigen, dass es wohl doch geht.
Frau Voos, vielen herzlichen Dank für diesen hilfreichen Beitrag.
Die Metamorphose des N. ist ein Stück Mythologie, und Mythologie ist die Kunst, von Göttern zu erzählen.
Nemesis hat direkt interveniert, Jupiter und Juno, indem sie Narziss‘ Bezugspersonen (Tiresias, Echo) prägten/bestraften.
Link-Vorschlag zu Narziss und Echo:
http://fressnet.de/m170_Narziss_und_Echo.htm#Narziss_und_Echo
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass nachdem ich angefangen habe, mich näher mit dem Thema Narzissmus zu beschäftigen, die dadurch gewonnenen Erkenntnisse, meinen Blick auf Menschen allgemein etwas verändert haben.
Es ist verblüffend, wie viele Leute eine narzisstische Scharade abhalten, aber trotzdem auf den Großteil ihrer Mitmenschen vollkommen natürlich und rational wirken.
Das kann der pedantische Vorgesetzte sein, der gehässige Nachbar oder auch der eigene Partner, der nie zufrieden ist und einen immer im Schuldbewusstsein hält, nicht genug für die Beziehung getan zu haben – und auch an sich selbst erkennt man natürlich narzisstische Persönlichkeitsanteile.
Heute kann ich Erich Fromm verstehen, der den Narzissmus als eine entscheidende Triebfeder menschlichen Handelns ansah und auch in ihm die Wurzel für viele psychische Störungen ausmachte.
Danke für diesen Satz: „Zu relativ nicht-narzisstischen Affekten zählen laut Bursten z.B. Schuld, Reue, Anteilnahme und Respekt. “
Ich bin ein erwachsenes Kind aus einer von narzisstischer Persönlichkeitsstörung geprägter Familie. Und immer wieder ziehe ich Menschen in mein Leben, ob narzisstisch oder nicht, denen genau diese Affekte fehlen: Schuld, Reue, echte Anteilnahme, Respekt meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen gegenüber.
… anscheinend so normal, so vertraut … geprägt das Fehlen solcher Affekte nicht wahrzunehmen … ich lerne es nun, mühsam …
Herzliche Grüße