John Bowlby: Aus der Bindungstheorie (Attachment Theory) lässt sich herleiten, wie sich die Psyche gesund entwickelt und was sie krank macht

Sobald ein Ungeborenes das Licht der Welt erblickt, nimmt es Kontakt zur Mutter auf. Seine Stimme und Blicke erreichen sie und die Mutter weiß intuitiv, was zu tun ist. Dieses angeborene Bindungsverhalten sichert uns seit jeher das Überleben. Der britische Arzt und Psychoanalytiker John C. Bowlby (www.sgipt.org) (1907-1990) und die amerikanische Entwicklungspsychologin Mary S. Ainsworth (Wikipedia) (1913-1999) entwickelten die Bindungstheorie.

John Bowlby war Sohn eines hohen britischen Offiziers, Sir Anthony Alfred Bowlby. Er (John) hatte im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Ende des zweiten Weltkrieges erforscht, was mit den Kindern passierte, die ihre Eltern verloren hatten. Er kam zu dem Ergebnis, dass traumatische Trennungserfahrungen in der Kindheit zu psychischen Störungen führen können, die sich bis ins Erwachsenenalter hinein zeigen.

Weiterlesen als Mitglied.

Jetzt Mitglied werden

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Links:

Komisaruk & Whipple, 1998: „… this definition of love encompasses having an emotional bond with a person for whom one yearns, as well as having sensory stimulation that one desires. … We propose a neural mechanism by which deprivation of love may generate endogenous, compensatory sensory stimulation that manifests itself as psychosomatic illness.“ | (Übersetzt von Voos:) „Wir stellen einen Mechanismus vor, der zeigt, wie das Fehlen von Liebe eine kompensatorische, sensorische Stimulierung auslösen könnte, die sich dann als psychosomatische Erkrankung manifestiert.“
Barry R. Komisaruk and Beverly Whipple (1998): Love as sensory stimulation: Physiological consequences of its deprivation and expression. Psychoneuroendocrinology, Volume 23, Issue 8, November 1998, Pages 927-944, doi.org/10.1016/… , www.sciencedirect.com/…

Eva Flemming, Laura Lübke, Sasche Müller, Lisa Petra Sophia Rümler, Carsten Spitzer (2023):
Validierung der deutschsprachigen Version der Adult Disorganized Attachment Scale (ADA-D).
doi 10.1055/a-2140-8260, PPmP – Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, Thieme 2023 73(11): 473-479

The Bowlby Centre, London: thebowlbycentre.org.uk

Blair Paley et al. (1999):
Attachment and Marital Functioning: Comparison of Spouses With Continuous-Secure, Earned-Secure, Dismissing, and Preoccupied Attachment Stances
Journal of Family Psychology 1999, Vol. 13, No. 4, 580-597

Bilder „Abfahrt“ und „Bank“ in:
Marianne Leuzinger-Bohleber: Psychoanalyse, Neurobiologie und Trauma
Seite 107, Schattauer-Verlag

Bilder „Bett“ und „Friedhof“ auf Seite 344 in:
Anna Buchheim, Carol George et al.:
Mimische Affektivität von Patientinnen mit einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung während des Adult
Attachment Projective
(PDF)

Korff, Jessica (2009):
Bindungsdiagnostik mittels Adult Attachment Projective bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzinsuffizienz-Risikofaktoren
Dissertation Medizin, Universität Magdeburg, 2009
(Im Anhang finden sich alle 8 AAP-Zeichnungen)

The Ainsworth Strange Situation Experiment. The New York Attachment Consortium, Youtube, 16.11.2010

Karl Heinz Brisch, Bindungsforscher: www.khbrisch.de

Christina Moutsiana et al. (2014)
Insecure attachment during infancy predicts greater amygdala volumes in early adulthood. Journal of Child Psychology and Psychiatry, Article first published online: 23 Aug 2014, DOI: 10.1111/jcpp.12317, onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jcpp.12317/full

John Bowlby (1907-1990)
Arzt, Psychoanalytiker, Pionier der Bindungsforschung, Society for General and Integrative Psychology

New York Attachment Consortium

The Attachment Projekt, attachmentproject.com/…

Gunilla Stenberg (2003):
Effects of maternal inattentiveness on infant social referencing. Infant and Child Development, Volume 12, Issue 5, pages 399-419, December 2003, onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/icd.321

Karl-Heinz Brisch:
Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. Klett-Cotta, 11. Auflage, 2011

Klaus E. Grossmann und Karin Grossmann (Hrsg.):
Bindung und menschliche Entwicklung. John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie. Klett-Cotta, Stuttgart 2003

Karin Grossmann und Klaus E. Grossmann (Hrsg.):
Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit. Klett-Cotta, Stuttgart 2004

John Bowlby (1953):
Childcare and the Growth of Love. amazon

Hesse Erik, Main Mary (2006):
Frightened, threatening, and dissociative parental behavior in low-risk samples: description, discussion, and interpretations. Development and Psychopathology 2006 Spring; 18(2):309-343, Source: Department of Psychology, University of California at Berkeley, Kalifornien, USA, journals.cambridge.org/…

Beitrag vom 28.9.2026 (begonnen am 21.8.2012)

One thought on “John Bowlby: Aus der Bindungstheorie (Attachment Theory) lässt sich herleiten, wie sich die Psyche gesund entwickelt und was sie krank macht”

  1. Robby sagt:

    Es wird spannend zu beobachten sein inwieweit psychologische Erkenntnisse zu pädagogisch-politischen Imperativen werden.
    Innerhalb der Forschungen zur Epigenetik beispielsweise wurden die negativen Auswirkungen von Depressionen auf die Mutter-Kind-Beziehung als schwerwiegend erkannt / eingestuft.
    Prof. Dr. Johannes Huber berichtet in diesem Zusammenhang von Überlegungen schwedischer Behörden depressiven Müttern das Sorgerecht zu entziehen (in „Liebe läßt sich vererben“).

    Ähnlich gelagerte Eingriffe in die persönliche Freiheit sind speziell bezogen auf (Umsetzungen der) Erkenntnisse der Bindungstheorie kann man in Großbritannien beobachten. Dort mit der Tendenz zu(r) (zwangsweise verordneten Annahme von) Beratungs-„Angeboten“.

    Auch wenn solche Maßnahmen in Einzelfällen sinnvoll und angebracht sein mögen scheint mir die implizite Tendenz zu paternalistischer Bevormundung (Stichwort‚benevolent dictator‘) außerordentlich bedenklich.

Schreibe einen Kommentar