Immer wieder fast ständig in Angst und Depression – trotz Therapie und Medikamenten?

Von Eckhart Tolle gibt es ein wunderbares Video, in dem er mit einem Zuschauer spricht, der fast permanent ein Gefühl der Angst verspürt (I’m Aware Of Fear That Is Almost Continually In Me, Youtube). Was kann man tun?

Tiefgreifende Ängste sind eine echte Herausforderung – immer wieder. Wenn Du schon viel ausprobiert hast und Deine Angst wieder da ist, kommt es Dir vielleicht vor, als hättest Du nie auch nur einen Tag Therapie gemacht. Es ist dann wieder wie das erste Mal. Erneut meinst Du, am Rand des Verrücktwerdens zu stehen. Aus meiner Sicht haben tiefgreifenden Ängste ihre Ursache in der frühen Kindheit, in der das Kind Todesangst erlebte und in einer Familie aufwuchs, in der es kein Verstehen gab.

Eine fast ständig vorhandene Grundangst erschwert Dir vielleicht das Leben und insbesondere das Berufsleben. Berufe wie RadiosprecherIn, LehrerIn oder auch PsychotherapeutIn sind für Dich vielleicht kaum vorstellbar oder nur schwer durchzuhalten, weil immer das Gefühl besteht: „Ich kann mich nicht auf mich verlassen. Die Angst kann mich jederzeit attackieren, egal wo ich bin und wie gut es mir geht. Sie kann mich in einen Zustand versetzen, in dem gutes Zureden und Verstand nicht mehr helfen.“

Die Verzweiflung ist riesig: „Werde ich so alt werden müssen? Werde ich so sterben müssen?“, fragst Du Dich vielleicht. Du möchtest Deine Angst verstecken, doch Deine vegetativen Symptome verraten sie.

„Die Angst bringt Dich nicht um“, hörst Du vielleicht von Deinem Arzt oder Deiner Ärztin. Aber das stimmt so nicht. Diese Angst geht auf’s Herz und sie belastet bei jeder Panikattacke erneut den Kreislauf. Viele Betroffene befürchten, dass die vielen Panikattacken auf Dauer ihre Lebenszeit verkürzen. Studien zu den Themen „Panik, Thrombosebildung, Herzinfarkt“ bestätigen das (z.B. diese Studie aus dem Jahr 2010).

Das Unintegrierbare integrieren

Je älter Du wirst, desto mehr beschäftigt Dich vielleicht die Sorge, dass die Angstattacken real einen möglicherweise schädigenden Einfluss auf Deinen Körper haben. Der einzige Weg da raus ist aus meiner Sicht, sich wirklich viel mit der Angst zu beschäftigen. „Aber das tue ich doch schon die ganze Zeit!“, könntest Du einwenden. Klar, Deine Angst ist so groß, dass Du sie nicht überhören kannst. Doch Du kannst lernen, Dich auf eine neue Weise mit ihr zu beschäftigen, z.B. mithilfe einer Psychoanalyse oder mit Yoga. Viele kleine Schritte können helfen, die Angst bzw. sich selbst wie ein Segelschiff auf Kurs zu halten.

Mutterseelenallein. Wenn die Angstattacke da ist, fühlst Du Dich möglicherweise vollkommen verlassen – von allen guten Geistern verlassen, aber auch von Dir selbst. Zerstörungswut, Leere, Resignation und Verzweiflung herrschen dann vor. Doch die Tränen der Erleichterung, des Mitgefühls mit Dir und die Liebe zu Dir selbst können mit der Zeit kommen. Du kannst die Angst zu Deiner Lebensmeditation machen, sagt Eckhart Tolle in seinem Video. Genau das kann der Weg zur Transformation sein.

Angststörung – ein viel zu schwaches Wort

Es rumort. Tief drinnen im Bauch. Auch aus dem Herzen heraus. Außen nur ein löchriges Gefühl. Überall bröckelt es. Nichts kann mich ruhig machen. Ich zittere. Ein Kampf tobt in mir. Ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod.

Es schwebt – innen und außen. Und ich frage mich, woher es kommt. Ich habe Angst, dass ein anderer mir Böses schickt. Dass ein anderer mich in seinen Händen hat. Mich steuert. Beängstigend. Die anderen sagen: „Das kann nicht sein. Ein anderer kann nicht Macht über dich übernehmen.“ Aber woher wollen sie das wissen? Meine Gefühle sind wie eine absolute Gewissheit. Eine innere Überzeugung, dass da ein anderer etwas mit mir macht. Werde ich so lebensfähig sein? Sterbefähig? Ein Zustand des unaufhörlichen Aufruhrs. Und auf dem Diagnose-Zettel steht einfach nur „Angststörung“.

Ängste, die so stark sind, scheinen dem verrücktwerden nahe zu sein. sie haben jedoch möglicherweise oft einen relativ konkreten hintergrund. beispielsweise haben manche menschen als baby medizinische behandlungen, wie z.b. die vojtatherapie oder operationen erfahren. hände haben sie gegen ihren willen festgehalten. das gefühl, fremdgesteuert zu werden, kann da allzu leicht entstehen. je deutlicher die eigene geschichte wird, desto fester kann der psychische boden werden, auf dem man steht. und wenn man sich körperlich selbstbestimmt, geduldig und ausdauernd schult, z.b. durch yoga, dann geht der nächste mögliche fall meistens nicht tiefer als bis zum ende der ausatmung.

Das Menschliche läst sich nicht wegtherapieren

„Ich habe Angst vor Nähe, vor Berührung, vor Zärtlichkeit“, sagt der Eine. „Ich habe manchmal noch das Gefühl, dass meine Mutter in mir wäre und alles argwöhnisch beobachten würde. Ich fühle mich dann von ihr verfolgt und will sie loswerden“, sagt der andere. Vielleicht werden Sie denken: „Solche Ängste kenne ich auch.“ Ja – solche Ängste gehören zum Normalen, zum Menschlichen. Menschliche Begegnung macht Angst. Vieles, was sich in der eigenen Psyche abspielt, spielt sich auch in der Psyche der anderen Menschen ab. Vieles sind uralte Ängste, menschliche Ängste. Es ist wichtig, die Grenze zu finden, die zwischen dem Bereich trennt, in dem man noch etwas „wegtherapieren“ will und dem Bereich, in dem man sagen kann: „Ok, das ist so. Ein menschliches Problem.“

Zwischen „krank“ und „gesund“ liegt eine lange Spanne. Es ist sinnvoll, ein wenig zwanghaft zu sein, denn so kommen wir jeden Tag pünktlich zur Arbeit. Sind wir aber so zwanghaft, dass wir den Herd so lange kontrollieren, dass wir zu spät zur Arbeit kommen, dann wird der zwanghafte Zug dysfunktional. „Krank“ ist, wer übermäßig an bestimmten Eigenschaften leidet. Da ist Psychotherapie sinnvoll. Es gibt aber auch eine Art „normales Leid“. Das zu erkennen ist ein wichtiger Teil der Psychotherapie.

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Beitrag vom 5.2.2026 (begonnen am 20.3.2019)

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