Die Kerzen-Blinzel-Meditation hilft bei Taurigkeit und: Warum es so schwer ist, sich zur Meditation hinzusetzen

Wenn du gerade weinst und dich alleine fühlst, probiere die Blinzelmeditation aus: Stelle ein Kerzchen auf, zünde es an, setz dich davor und schließe die Augen – aber nur so weit, dass du gerade noch etwas durch deine Wimpern sehen kannst. Wenn du so auf das Kerzenlicht schaust, siehst du die feinen Lichtstrahlen, die überall in die Länge gezogen werden und sich fein bewegen. Durch deine Tränen verstärkt sich der Effekt. Ich finde, das hat etwas Tröstliches. Auch im Sonnenlicht können wir so einen Augenblick verweilen: Wir blinzeln und beobachten, wie das Licht aussieht, das durch die Wimpern ins Auge fällt.

Einmal sah ich ein Kind im Kinderwagen, das ganz verzückt war davon. Einen langen Augenblick genoss es das Licht, das so in seine Augen fiel. Die Mutter hob plötzlich das Kind aus dem Kinderwagen und das Kind fing furchtbar an zu weinen. Die Mutter verstand nicht, warum – sie wusste nicht, dass sie es mitten aus einer freudvollen Meditation gerissen hatte.

„Ich schaffe es nicht, zu meditieren!“

Wenn wir uns innerlich abrackern, kommt es uns vor, als seien wir äußerlich durch wirkliches Tun aktiv. Hauptsache in Bewegung bleiben, denken wir – sonst stürzt alles zusammen. Wir wissen, dass uns die Sorgen vom Schlaf abhalten und können doch nichts dagegen tun (es sei denn, wir sind Eckhart Tolle). Wir versuchen, zu meditieren, können dies an problemvollen Tagen aber nicht tun. Von der „Sorge als Sein des Daseins“ spricht Martin Heidegger in seinem Buch „Sein und Zeit“. Mit dem inneren Beschäftigtsein wollen wir unsere Angst bändigen.

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse. Wir haben Angst vor dem Einschlafen und denken: „Wenn das ‚Ich‘ mit seinem Denken aus dem Haus geht, macht der Körper, was er will und auch die anderen inneren und äußeren Dinge spielen verrückt“, befürchten wir. In Wirklichkeit ist es aber oft genau umekehrt: Wenn der gestresste Chef geht, dann atmen die Mitarbeiter auf. Endlich kann in Ruhe erledigt werden, was zu erledigen ist.

Ruhe vor uns selbst

Wenn wir öfter mal die Erfahrung gemacht haben, dass „Es“ sich gerade dann löst, wenn wir einmal wegschauen, wenn wir einmal still und ohne Absicht sind, dann können wir diese Erfahrung bewusst auf unsere Ruhesituation übertragen: Wir dürfen nachts einschlafen, weil wir sowieso nichts tun können. Der gute Gedanke wird uns morgen vielleicht unter der Dusche kommen, aber nur selten nachts beim Grübeln. Manchmal jedoch schon.

Ähnlich ist es auch bei der Meditation: Wir müssen nicht jetzt den wichtigen Anruf tätigen, nicht jetzt nochmal die E-Mails oder das Konto prüfen. Wenn wir es schaffen, uns hinzusetzen und uns auf den Atem zu konzentrieren, dann hat die Welt da draußen endlich Ruhe, sich zu sortieren – ohne uns.

Beziehungsmeditation: Ich lass dich und du lässt mich!

Unser Wohlbefinden ist abhängig von unseren Beziehungen. Sind wir ganz alleine, können wir uns nicht aufraffen zum Meditieren. Ist der andere dann, sind wir abgelenkt. Allzu oft verhaken wir uns – wir zerren am anderen herum, meckern, schimpfen, schmollen. Doch wie wäre es, wenn wir das alles mal ließen?

Oft meditieren wir und versuchen, uns zu entspannen, indem wir uns Wiesen und schöne Landschaften vorstellen. Wir können aber auch über Entspannung in der Beziehung meditieren. Wir können uns vorstellen, wie wir mit einem anderen in einem Raum sind. Und dann können wir uns vorstellen: Ich mache nichts mit dem anderen und der andere macht nichts mit mir. Ich lasse mich selbst, den anderen und meinen Körper einfach in Ruhe.

Ich erwarte nichts, verlange nichts, kehre immer wieder nur zu meiner Atmung zurück. Und wenn es mir in Gedanken nicht gelingen mag, dann stelle ich einfach fest, dass es mir nicht gelingt. Sich vorzustellen, sich selbst und den anderen vollkommen in Ruhe zu lassen, kann eine echte Kunst sein. Es ist aber auch eine Befreiung sein – vor allem dann, wenn man es irgendwann nach und nach in der Realität umsetzen kann.

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Beitrag vom 25.1.2026 (begonnen am 16.1.2019)

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