Trennungsschmerz im Kindergarten ernst nehmen
Wenn Du Dein schreiendes Kind in der Kita zurücklässt, tut Dir das wahrscheinlich genauso weh wie Deinem Kind. Dich plagt das „schlechte Gewissen“, das ja eigentlich auch Ausdruck Deines eigenen Trennungsschmerzes ist. Du spürst vielleicht, dass Du Deinem Kind mit der Trennung möglicherweise zu viel zumutest, doch oft lassen die finanzielle Situation und die Arbeitswelt nichts anderes zu oder dein Beruf ist für dich auch Berufung. Hört Dein Kind auf zu weinen und wendet es sich bald dem Spiel zu, hat es sich wirklich beruhigt. Bleibt es jedoch apathisch, kann man die „Beruhigung“ manchmal auch als „Ohnmachtsreaktion“ verstehen. Das Kind resigniert, es kann ja nicht anders, als im Kindergarten zu bleiben. Was ist jetzt wichtig?
Wichtig ist es, dass die Erwachsenen den Schmerz des Kindes anerkennen. Oft bleibt dir vielleicht nichts anderes übrig, als dein weinendes Kind im Kindergarten zurückzulassen. Wenn es dir möglich ist, dein Kind auch wieder mit nach Hause zu nehmen, spricht da nichts gegen – auch, wenn du vielleicht zu hören bekommst, dass das so nie was wird … Deinem Kind ist schon allein durch deine innere Haltung geholfen: Versuche, das Weinen als Trennungsschmerz zu verstehen und nicht als „Testen-Wollen“ oder „Theater“ fehlzudeuten. Allein dadurch, dass sich dein Kind ernstgenommen fühlt, erleichterst du ihm die Trennung.
NICHD-Studie: Schadet Krippenbetreuung den Kindern?
Lehrer stellen bei 12-jährigen Kindern, die als Kleinkind in einer Krippe betreut wurden, gehäuft Aggressionen und Verhaltensauffälligkeiten fest. Die Zeitschrift „Child Development“ berichtete darüber in ihrer März/April-Ausgabe 2007. Es ist das Ergebnis der Studie namens „Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD)“. Seit 1991 wurden in der Studie über 1300 Kinder untersucht. Studienleiter Jay Belsky und seine Mitarbeiter fanden heraus, dass Kinder, die mindestens 10 Stunden pro Woche in der Kinderkrippe verbracht hatten, im 6. Schuljahr häufiger Aggressionen und schwieriges Verhalten zeigen, als Kinder, die von den Eltern, der Tagesmutter oder einem Kindermädchen betreut wurden.
Der gemessene Grad an Aggressionen war zwar hoch, aber noch im „Normbereich“.
Allerdings lässt die Vielzahl der betroffenen Kinder die Wissenschaftler aufhorchen. Dieses Studienergebnis stützt die Beobachtungen psychoanalytischer Entwicklungspsychologen, nach denen Kleinkinder die persönliche, kontinuierliche und umfassende Zuwendung mindestens einer Bezugsperson brauchen, um sich in gesunder Weise emotional entwickeln zu können.
Vorsprung in der sprachlichen Entwicklung bei 12-Jährigen nicht mehr nachweisbar
Erste Studienergebnisse im Jahr 2001 zeigten, dass die ehemals in der Krippe betreuten Kinder über bessere sprachliche Fähigkeiten verfügten als andere Kinder. Dieser Vorsprung ist bei den 12-Jährigen nicht mehr nachweisbar.
Viele fühlen sich durch solche Studienergebnisse immer wieder unter Druck gesetzt. Einige Mütter empfinden es als Erleichterung, ihr Kind abgeben zu können und arbeiten zu gehen, andere tun sich sehr schwer mit der Trennung, sind aber aufgrund der Umstände gezwungen, ihr Kind in einer Krippe unterzubringen. Wichtig ist dabei, dass das Kind auch Erwachsene um sich hat, die ihm Halt geben können. Kleinkinder können sich nicht gegenseitig auffangen. Die Gefühle der Kleinen wollen „gehalten (contained)“ werden. Das können nur Erwachsene, die ausreichend Zeit für das Kind haben.
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Brigitta vom Lehn:
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„Die Psychologin Lieselotte Ahnert hat erstmals Zwischenergebnisse der Wiener Kinderkrippenstudie vorgestellt.“
www.fr.de/wissen/stress-krippe-11457417.html
Wiener Kinderkrippen-Studie
Die Eingewöhnungsphase von Kleinkindern in Kinderkrippen.
Projektdauer: 2007-2012
Universität Wien
Harriet J. Vermeer & Marinus H. van Ijzendoorn (2006):
Children’s elevated cortisol levels at daycare: A review and meta-analysis.
Early Childhood Research Quarterly, 21, 390-401; doi: 10.1016/j.ecresq.2006.07.004
www.sciencedirect.com/…
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 7.12.2012
Aktualisiert am 17.3.2025
6 thoughts on “Trennungsschmerz im Kindergarten ernst nehmen”
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Ich finde nicht, dass der zeitliche Rahmen hier offen gelassen wird. Frau Voss beschreibt, dass „solange das Kind weint und klammert“. Das kann nicht in einen Zeitraum gefasst werden. Eine Eingewöhnung ist unterschiedlich. Es kann drei Wochen brauchen und es kann drei Monate dauern. Das Alter des Kindes ist da unbedingt mit zu berücksichtigen. Je jünger das Kind, umso weniger Betreuung sollte überhaupt in Erwägung gezogen werden
http://www.fruehe-bindung.de
Hallo Frau Voos, ich bringe meine, Tochter 3 Jahre und 6 Monate jeden Tag in den Waldkindergarten seit 5 Monaten, Die Trennung fällt ihr schon schwer. Die Erzieherinnen sagen sie säße den ganzen Morgen nur an der Feuerstelle oder liefe halt mit der Gruppe mit. Sie zu irgend etwas zu bewegen wäre äußerst schwer. Sie redet weder mit den Erzieherinnen noch mit den Kindern. Schüttelt höchstens den Kopf oder nickt. Sobald ich sie abholen komme ist sie lustig hüpft rum und erzählt die tollsten Geschichten was sie im Kindergarten alles erlebt hätte und mit wem sie alles gespielt hat. Was sollen wir nur tun?
Ich bin mit Ihnen auf, dass man. Ich denke, die Trennung des Kindes Vater und Mutter Verlust des Lebens in der Zukunft. Ich denke also, in das Leben der Eltern und Kinder – Mütter bewusst zu sein. Ich weiß nicht, den Namen einer Organisation Nach der Trennung braucht Kinder richtige Liebe und Fürsorge von ihrem sorgeberechtigten Elternteil und dem anderen Elternteil zu, so dass sie nicht emotional leiden. So müssen Sie die richtige Pflege Ihrer Kinder zu nehmen. Für Hilfe. so, besuchen Sie diese Website http://gluecklichetrennungskinder.de/ Sorge zu tragen Ihre Kinder.
Hallo Frau Voss,
leider ist diese Sicht auf die Eingewöhnung sehr selten!
Mein Sohn ist jetzt seit 3 Jahren im Kindergarten und leidet ab und zu immer noch unter Trennungsschmerz… der lapidare Kommentar, der wahrscheinlich überlasteten wenig emphatischen KIndergärtnerin ist ein “ das gibt sich schon…“ mit verdrehten Augen und eigenartiger Mimik….
Die Leiterin der anderen Gruppe nimmt ihn in den Arm, winkt mit ihm, nimmt ihn ernst in seinen Gefühlen und dann hat sie etwa sehr wichtiges für ihn zu tun! Tolle Taktik, funktioniert und mein Sohn ist nicht nur abgelenkt, sondern getröstet!
Lieber Herr Neitzel,
ja, die Eingewöhnungszeit ist enorm wichtig. Sobald die Kinder sich an eine Erzieherin gebunden haben, verkraften sie die Trennung von der Mutter sehr viel besser. Wenn jedoch das Kindergartenpersonal überlastet ist und es nicht gelingt, dass eine gute Bindung zwischen einer Erzieherin und einem Kind zustande kommt, dann kann der Trennungsschmerz auch die ganze Kindergartenzeit über ein Problem sein.
Was Frau Voos hier leider offen läßt, ist von welchem Zeitraum sie spricht. Ist es die Eingewöhnung oder ein beliebiger Zeitraum der Kindergartenzeit? Denn Einrichtungen, die die Eingewöhnung ernst nehmen und praktizieren haben dieses Problem nicht.