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Der Gutgeh-Stress

Es muss uns gut gehen. Davon sind wir überzeugt. Und davon werden wir an jeder Ecke überzeugt – Ratgeber mit befreit-lachenden Gesichtern zeigen uns, wie es wirklich geht: Endlich entspannt zu sein und es geschafft zu haben. Doch wer kennt nicht die ausgedehnten Phasen des Lebens, in denen man wochenlang geknickt ist und sich zu nichts aufraffen kann? Wer ist nicht nach einer (nicht) bestandenen Prüfung, nach einer Fehlgeburt, nach einer Scheidung, nach einer Kündigung für sehr lange Zeit in einer schweren Krise?Weiterlesen

„Wenn’s mir gut geht, geht’s mir schlecht.“

„Wenn ich mich entspanne und mich eigentlich wohlfühle, geht’s mir auf einmal ganz schlecht“, sagst du vielleicht. Manche fühlen sich depressiv, kurz nachdem sie von körperlichen Schmerzen befreit worden sind oder wenn eine beschwerliche Zeit beendet ist. Die Psyche hat da manchmal ihre ganz eigene Logik. Wer von der Mutter früh und andauernd gequält wurde, der empfindet unter Umständen unbewusst: Abwesenheit von Schmerz gleich Abwesenheit der Mutter. Weiterlesen

Mit der Unsicherheit leben lernen, negative Gedanken stehenlassen

Die Sicherheit ist unsere Geliebte. Das Bedürfnis nach Sicherheit zählt zu unseren Grundbedürfnissen. Die Unsicherheit, unsere Feindin, lauert uns überall und jeden Tag auf. Unsicherheit aushalten zu lernen ist eine hohe Kunst. An der Hand eines Freundes lässt es sich besser ertragen, wenn man nicht weiß, wie es morgen weitergehen soll. Unsicherheit fühlt sich an, als stünde man auf einem Hochseil und müsste den nächsten Schritt setzen, ohne wirklich gut balancieren zu können.Weiterlesen

Wenn innere Objekte versauern: Warum der gute Psychoanalytiker am Wochenende schlecht wird

Als wir uns als Kind entwickelten, konnten wir irgendwann die Abwesenheit von Mutter und Vater ertragen. Wir erreichten eine „Objektkonstanz“ – das heißt: Das Bild von Mutter und Vater (die Repräsentanz) blieb in uns stabil, auch wenn wir sie für eine Weile nicht sahen. Auch wir Erwachsene sind voll von inneren Bildern, von „inneren Objekten“. Wenn wir an unsere Mutter denken, haben wir ein ganz bestimmtes Gefühl. Ebenso, wenn wir an unseren Vater, unseren Partner, unsere Geschwister denken. Mit jeder Person verbinden wir ein einzigartiges Gefühlsmix. Die Gefühle gegenüber dieser Person sind teilweise stabil und teilweise veränderbar. Weiterlesen

Der psychische Schmerz der Wechseljahre: Mit dem Ende der Tage sind die Tage nicht zu Ende

Für Mädchen ist es ein besonderes Ereignis, wenn sie das erste Mal ihre Tage bekommen. Für viele Eltern ist es das Signal, mehr Abstand zu halten. „Meine Mutter hat mich oft geschlagen, aber das hat aufgehört, als ich meine Tage bekam“, erzählen manche Frauen. Die Periode empfanden sie wie einen Schutz. Das Ufer des Erwachsenseins ist erreicht. Die Periode bestimmt von nun an den Lebensrhythmus. Mit einem Mann zu schlafen bedeutet lange Zeit auch, dass daraus neues Leben entstehen könnte. Neigt sich die Periode dem Ende zu, empfinden viele Frauen das als Befreiung, aber mancher wird’s auch schwer ums Herz. Das war’s gewesen. Das erste spürbare Ende des Lebens naht – die Blätter an den Bäumen werden gelb. Weiterlesen

Berührung – ein schwieriges Thema bei erwachsenen Kindern von alkoholkranken Eltern

Wenn Du bei alkoholkranken Eltern aufgewachsen bist, hast Du vielleicht recht oft erlebt, wie Du in unangenehmer Weise berührt wurdest. Da rutschte mal eine Hand aus, da kam ein Tätscheln wie aus Versehen, da wurde es schmierig und wabernd. Der betrunkene Elternteil hatte seine Bewegungen nicht mehr unter Kontrolle. Du fühltest Dich vielleicht abgestoßen, befremdet, vielleicht auch irgendwie negativ-fasziniert vom Unbegreiflichen. Die Berührung hatte vielleicht auch einen sexuellen Touch mit all der Verwirrung. Du wolltest diese Berührung nicht haben – Du schämtest Dich vielleicht, es hat Dich geängstigt und Du hast Dich geekelt, aber vielleicht auch selbst ekelig gefühlt. Du konntest nicht einordnen, was Du da mit der betrunkenen Mutter/mit dem betrunkenen Vater erlebt hast.Weiterlesen

Berührung beruhigt, lindert Schmerzen und senkt den Blutdruck. Doch frühtraumatisierten Menschen fällt schon ein Arztbesuch oder eine Massage schwer

Wenn du überwiegend gute Bindungen erfahren hast, wirst du Berührungen wahrscheinlich genießen. Wenn Du weniger gute Erfahrungen gemacht hast, bist Du vielleicht vorsichtiger. Dennoch sehnst du dich möglicherweise nach Berührung. Wenn du keinen anderen Menschen zum Berühren hast, kann auch ein Haustier für Wohlbefinden sorgen. Katzen wirken beruhigend und stimmungsaufhellend (durch Studien bewiesen: Nagasawa et al. 2020). Das Streicheln eines Tieres kann möglicherweise ebenso beruhigen wie die Berührung eines anderen Menschens. Weiterlesen

Mut zur natürlichen Geburt – und warum das Tönen (Afonesis) so hilfreich sein kann

Heute wird oft von „sanfter Entbindung“ gesprochen, doch in der Regel verläuft eine Geburt gewaltig. Du kannst Dich gut auf Vieles vorbereiten. Einerseits wirst Du vielem ausgeliefert sein, andererseits ist die Entbindung auch eine große Konzentrations-Arbeit. Wenn Du Dir eine selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt wünschst, kennst du bestimmt das Buch Die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann und die Youtube-Videos (z.B. mit der Kieler Frauenärztin Dr. Dorothee Struck) dazu. Die Autorin ist selbst Hebamme und beantwortet einfühlsam zahlreiche Fragen, die sich schwangere Frauen stellen. Weiterlesen

Depression ist keine Krankheit – eine andere Sicht auf einen oft quälenden Zustand

„Wissen Sie, Frau Doktor, es ist wegen dieser Krankheit“, sagt die Patientin. Ich denke: „Oha! Leukämie, Magenkrebs, Brustkrebs?“, und frage: „Welche Krankheit meinen Sie?“ – „Na, die Depression!“ Seit Anbeginn meiner Beschäftigung mit psychischen „Erkrankungen und Störungen“ habe ich Schwierigkeiten damit, die Depression als Krankheit zu sehen. Weiterlesen

Im Gefühl überall zu Hause

Irgendwann war alles weg. Die Menschen, mit denen ich zusammen stand. Das Haus meiner Kindheit: weg. Das Schwimmbecken im Garten meiner Kindheit: weg. Alles, was mir lieb und teuer war: weg. Doch dann ein Traum: Wieder in der Gegend der Felder meiner Kindheit zu sein. Die Möglichkeit, das Haus meiner Kindheit zurück zu bekommen. Doch ein Mann sagt: „Du brauchst nicht das Haus. Du brauchst das Gefühl, das du damit verbindest.“ Ich habe nicht nur den einen Menschen vermisst, sondern das Gefühl, meine Hand in eine andere zu legen. Nicht nur das eine Haus, sondern das Gefühl, in der alten Gegend zu sein, in einer ähnlichen Gegend zu sein, ähnliche Düfte zu riechen, ähnliches Licht zu sehen. Weiterlesen