Beziehungsangst ist oft die Angst vor der Selbstaufgabe. Wie kann ich Nähe herstellen und mich dennoch abgrenzen?

„Abgrenzung“ bedeutet, den richtigen Abstand zum nächsten herzustellen. Ein Abstand, in dem sich beide wohlfühlen. „Abgrenzung“ heißt, dass du ein gutes Gespür für dich hast und in kluger Weise zeigst, wie es dir geht und was du möchtest. „Abgrenzung“ bedeutet, dass du dem anderen zeigst, wenn er dir zu nahe kommt. Es kann „Nein-Sagen“ heißen, aber auch „Ja-Sagen“. Es gibt viele Gründe, warum wir uns oft nicht abgrenzen können.
Wenn wir es gegenüber den Eltern schwer hatten, einen eigenen Raum zu haben, dann bleibt dieses Thema schwierig. Immer, wenn Eltern die „Integrität“ des Kindes beschädigen, dann haben sie die Grenzen des Kindes überschritten. Das kann zum Beispiel schon diese Aussage sein: „Iss Dein Essen auf!“, wenn das Kind satt ist. Aber natürlich gibt es auch (teils unvorstellbare) Gewalt in Familien.
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Links:
Armin Poggendorf: Proxemik: Raumverhalten und Raumbedeutung. Umwelt & Gesundheit 4/2006: 137-140 (PDF)
Burkhard Brosig und Uwe Gieler: Die Haut als psychische Hülle. Psychosozial-Verlag, 2016
Beitrag vom 4.4.2026 (begonnen am 23.10.2011)
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9 thoughts on “Beziehungsangst ist oft die Angst vor der Selbstaufgabe. Wie kann ich Nähe herstellen und mich dennoch abgrenzen?”
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Netterweise ist dieses „keine-Grenzen-ziehen-können“ seit Jahrzehnten mein ständig her Begleiter. Das Grenzenziehen wurde von meinen Eltern als Unzulänglichkeit betrachtet – zudem haben die Einen andere Grenzen und Ziele als andere. Zumal ja auch die Gesellschaft immer nur ein Funktionieren erwartet. Mir ist auf jeden Fall bisher seltenst etwas Anderes widerfahren. Und jedes Mal führt es dazu, dass ich über kurz oder lang komplett außer mir gerate und auf Nichts mehr adäquat reagieren kann. Wahrnehmen tu ich meine Grenzen sehr wohl. Helfen tut da auch keine Therapie wenn du dann im „real life“ trotzdem nicht mehr zurückrudern kannst. Ein Therapie-Setting ist halt nicht die Realität.
Hallo an alle hier,
Erst einmal vielen Dank für die Texte. Gerade ist mir so vieles klar geworden, dass ich erst einmal geweint habe. Und es erleichtert so sehr. Ich habe den Cut zu der gesamten Familie gemacht, weil dieses Schmierentheater mich fast kaputt gemacht hat. Glaslighting, ich wusste gar nicht wie viele Menschen davon betroffen sind und es erschreckt mich, gleichzeitig aber gibt es mir die Hoffnung, dass alles gut wird. Von daher kann ich nun meine Gedanken, meine Gefühle, alles komplett neu ordnen. Die Dinge anders betrachten und ein für mich neues Leben beginnen.
Dankeschön
LG Gabi
Hallo Frau Voos,
vielen Dank für diesen Text.
Ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht, sowie einen stationären und teilstationären Krankenhausaufenthalt hinter mir. Immer wurde mir gesagt, ich müsste nur schön weiter üben und mich zwingen meine Grenzen auszuweiten, um positive Gegenerfahrungen zu sammeln und Nähe als etwas Schönes zu empfinden. Egal, ob sich dies erst mal schlecht anfühlt und zu Flashbacks führt. Es klang logisch, doch fühlte sich sehr falsch an. Ende vom Lied ist, dass ich noch viel stärker auf Trigger reagiere als früher. Wenn ich diesen Artikel lese, ist mir auch klar wieso.
Viele Grüße
Say
Hi. Nachfolgend ein sehr hilfreicher Link zum gleichen Thema: http://www.hochsensibilitaet.ch/content/index_ger.html
Auch ich danke für den Text, Frau Voos ! Mir geht es sehr ähnlich und ich bin mit 19 ausgebrochen, habe die 12te Klasse abgebrochen und einige Jahre im Wagen gelebt, habe eine abgeschlossene Ausbildung als Tischlerin und lebe mit meinen Kindern das Leben, das ich immer wollte. Zwar beziehe ich staatlcihes Geld aber ich habe einen guten und richtigen Schritt gemacht und komme auch meinem beruflichen Wunsch Stück für Stück näher. Aber bis heute muß ich dafür büßen, was ich BÖSES getan habe und mir werden Erfolge aberkannt oder zynisch kommentiert mit Sätzen wie :“Wow ! Du wirst wohl doch noch erwachsen!“ Nur zur Info : ich bin 36 Jahre alt.
Mit meinem Vater habe ich vor Jahren schon gebrochen. Ich wollte nicht auch noch mit meiner Mutter brechen. Aber ich bin an einem Punkt … und das eine Woche vor Weihnachten, wo ich merke, daß ich mich so nicht mehr behandeln lassen will. Eine lange mail an die Mutter vor eineinhalb Wochen… keine Anwort.
Und das Wissen, das erwartet wird, daß man wie ein geprügelter Hund auf Knien angerutscht kommt und bettelt, daß man wieder beachtet und geliebt wird. Was sollen das denn für „Weihnachten“ werden !
Was so irre schwer jetzt ist : es geht mir eigentlich fantastisch…aber ich kann es nicht voll genießen, weil ich so sehr mit der Abgrenzung beschäftigt bin. Mich abzugrenzen gegen Hohn, Spott, Respektlosigkeit und auch Neid. Es lähmt und kostet richtig viel Kraft , dagegen anzukommen.
Aber ich bin sicher, ich werde den Berg auch schaffen und am Ende eben ein schönes Fest mit meinen Kindern und Freunden feiern.
Ich wünsche allen ein frohes und leichtes Fest und einen guten Jahreswechsel und VIEEL Liebe, Energie und Lebensfreude :)
Jesse A.
Liebe Grüße an meine Vor- und Nachschreiber..Kim : ja, es ist eine Lebensaufgabe !
Hallo Frau Voos,
schön, dass es jetzt den Gefällt-mir-Button gibt ;-)
Guter Text, interessantes Thema nachvollziehbar erklärt!
Viele Grüße, Christine S.
Liebe Dunja,
Rolf Sellin führt in seinem Buch „Wenn die Haut zu dünn ist – Hochsensibilität vom Manko zum Plus“ dieses „Nicht abgrenzen können“ auf hohe Sensibilität zurück. Hochsensible nehmen viel mehr wahr als andere Menschen. Sie hören mehr (auch zwischen den „Zeilen“), sehen mehr, denken mehr (was es ihnen schwer macht, den eigenen Standpunkt zu finden und Entscheidungen zu treffen). Und sie können sich intensiver in andere Menschen hineinversetzen – verschmelzen manchmal fast mit ihnen. Sich selbst, ihren eigenen Körper, nehmen sie dagegen oft nicht mehr wahr. Und sie brauchen andere Strategien als weniger sensible Zeitgenossen. Sellins Hauptaussage: Versuchen, ganz bei sich selbst zu sein – wahrnehmen, was im eigen Körper vorgeht!
Das Buch fand ich sehr hilfreich, es gibt bei jedem Menschen Zeiten in denen die Haut zu dünn wird. Übrigens sollen 20 % der Menschen hochsensibel sein.
Liebe Grüße
Gerda
Vielen Dank für diesen sehr aufschlussreichen Text. Vieles habe ich mir intuitiv so vorgestellt und es tut gut, eine Erlärung dafür zu lesen, was in mir vorgeht. Es hat also einen Grund! Meine Mutter hat mich als Kind sehr dominiert, und daraus resultierten Verhaltensweisen ähnlich den hier beschriebenen.
Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, herauszufinden, was ich eigentlich wirklich will und das ist für mich viiiiel schwerer als es sich anhört.
Und es scheint eine Lebensaufgabe zu sein :)
Ich bin durch Googlen auf diesen Text gestoßen, weil mich das Thema gerade selbst sehr beschäftigt. Danke für diese klare Beschreibung! Es tut gut, das eigene Erlebte so einfach dargestellt zu lesen. Ich habe lange gebraucht, um überhaupt zu kapieren, dass meine Grenzen wieder und wieder überschritten wurden – anhand dieses Textes verstehe ich ein bisschen besser, warum.