Das Schlimme (1)

Es ist mal da und mal nicht. Es krallt sich manchmal um meinen inneren Körper wie eine Krake. Es krallt sich um mein Herz und bringt mich fast um. Und es krallt sich um meine Muskeln. Es ist die Psyche meiner Mutter, die aus der Ferne in mich kommt und das mit mir macht. Es ist vielleicht die Seele des anderen, der mir nahe steht. Daher muss jeder gut beäugt werden, ob er ES machen würde oder nicht. Sie quetscht meine Seele, meinen inneren Körper, sie quetscht mich fast zu Tode. Wann diese Kraft kommt, ist ungewiss. Sie überfällt mich. Jetzt ist wieder so ein Tag, das merke ich schon morgens. Und wenn sie losgelassen hat, ist sie verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

Wenn Es da ist, kann ich nur abwarten, beten und hoffen, dass ich es überlebe, ohne verrückt zu werden. Weglaufen und Alleinsein hilft manchmal. Dann kann sich mein Körper wieder entfalten. Wenn Es nicht da ist, dann fühle ich mich erleichtert und frei. Manchmal fühle ich mich dann bedroht, denn Es muss ja irgendwo sein. Ich nutze die kurze Zeit, die mir bleibt, so rasch wie möglich aus. Deswegen habe ich nie Zeit. Wann Es wiederkommt, scheint völlig willkürlich zu sein.

Es ist, als hätte ich einen inneren und einen äußeren Körper, als sei der innere Körper der frühere Babykörper, den die Mutter hielt und der äußere Körper ist der, der in der Pubertät entstand. ES wirkt auf meinen inneren Körper und auf meine Seele. Es geht um’s Überleben. Und so viel ich auch suche: Ich kann kein System finden, nach dem ich ES erwarten kann oder nicht. Bis einer sagt: „Es wird schlimmer, je näher Dir jemand kommt.“ Das ist der einzige Anhaltspunkt, den ich habe.

Kommentar: Viele Menschen sagen, dass sie Angst haben, etwas „Schlimmes“ passiert – jedoch beschreiben sie „das Schlimme“ oft nicht näher. „Das Schlimme“ sieht für jeden anders aus; jeder kann es erkunden.

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Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 26.5.2020
Aktualisiert am 9.8.2025

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