Stalking – wie kann ich damit aufhören? Hilfe für Stalker und Stalkerinnen

Stalking ist wie eine Art Sucht: Du beobachtest den anderen und willst über jeden Schritt Bescheid wissen. Doch wie genau du den anderen auch immer auskundschaftest: Es gibt keine Beruhigung.
„In unserer Beratungsstelle lernen Stalker, wie sehr sie dem anderen damit Angst machen“, sagt ein Therapeut im Fernsehen. Doch geht das überhaupt und ist das zielführend? Ich denke, wir müssen zuerst den Stalker verstehen. Und wenn er sich verstanden fühlt, wird er ein Gespür für den anderen bekommen. Stalking ist eine Frage der Beziehung.
Vielleist beobachtest du deine Expartnerin oder deinen Psychotherapeuten, von dem du nicht genug bekommst. Du kannst den Schmerz des Nicht-Dranseins, des Zurückgestoßenseins kaum verkraften. Es kann dich bis auf’s Äußerste wütend machen, verlassen worden zu sein. Doch warum müssen andere nicht stalken, auch wenn sie den anderen für die Trennung hassen?
In der Kleinkindentwicklung gibt es das schöne Wort „Objektkonstanz“ – damit ist die Fähigkeit gemeint, sich innerlich mit dem anderen verbunden zu fühlen, auch wenn er nicht da ist. Erst ab einem bestimmten Alter können Kinder verlässlich das innere Bild der Mutter in sich aufrecht erhalten, sodass Trennungen nicht mehr ganz wie eine Katastrophe erlebt werden.
Manchmal kann die Geburt eines Geschwisters in schwere Krisen führen. Das frühe Gefühl der Eifersucht und des Zu-kurz-Kommens kann sehr tief sitzen – vor allem, wenn es in deiner Familie Gewalt und Vernachlässigung gab.
Hinter dem Stalken stecken also oft unerträgliche Ängste und vielleicht sogar unbewusste Schmerzen aus der frühen Kindheit. Krampfhaft versuchst du, die oder den „Verflossene/n“ zurückzugewinnen. Du meinst fast, du müsstest an der Abwesenheit des anderen zugrundegehen – es ist, als hätte er oder sie ein Stück Seele von dir mitgenommen.
Schaust du dir selbst einmal näher deine extreme Kränkung an, so siehst du, dass der eigentliche Motor deines Stalkings vielleicht die Angst ist, verloren zu gehen. Vielleicht hast du eine Kindheit erlebt, in der du in unvorstellbarer Not warst und wo es niemanden gab, der dich daraus befreite. Es gibt viele weitere Erklärungsmöglichkeiten, die sich um die Themen Privatraum, Geheimnis und auch gesunde Neugier drehen.
Das kleine Kind, das sich übermässig oft und übermässig stark verlassen fühlt, hat als Erwachsener panische Angst davor, dieses Gefühl wiederzuerleben. Das Gefühl, das bei dir als erwachsenem Menschen durch Trennung reaktiviert wird, ist wirklich un-er-träglich. Mörderische Wut kann mit dabei sein – es ist, als ob Du ohne den anderen etwas Lebenswichtiges nicht bekommen könntest.
Dabei kannst du vielleicht noch nicht einmal genau sagen, was dieses Essenzielle sein soll. Du meinst nur: „Ohne den/die andere kann ich nicht leben und wenn der Kontakt abbricht, werde ich nie meine Lebensziele von Glück, Familie, Angstfreiheit und Selbstverwirklichung erreichen können.“
Extrem schwer ist es vielleicht, wenn dir der Kontakt zu deinem Kind verwehrt wird. Keinen Kontakt zum eigenen Fleisch und Blut zu haben, löst ungeheure Gefühle in uns aus. Die Sehnsucht zerreisst uns. Es ist die höchste Kunst, sich da zurückzuhalten. Sich aufzudrängen, kann beim anderen zu Angst führen und alles schlimmer machen. Es ist das grösste Beziehungsparadox, das es gibt. Zünde für deine Kinder ein Kerzchen an, entwickele für dich Rituale, die dich innerlich verbunden sein lassen.
Die Mutter ist alles
Vielleicht fällt es dir jetzt sehr schwer, allein zu sein. Vielleicht fällt dir aber momentan auch der Kontakt zu anderen Menschen schwer. Möglicherweise hast du das Gefühl, überhaupt noch nie eine befriedigende Beziehung gehabt zu haben – und das ist dein Ziel.
Die Freundin/der Freund, der Star, der Arzt, der Therapeut wird für dich zum „Ein und Alles“. Er/Sie ist für dich gefühlsmäßig genauso überlebenswichtig, wie es einmal die Mutter für dich als Baby war. Es kann lebensgefährlich für das Baby werden, wenn sich die Mutter dauerhaft abwendet und (k)ein anderer da ist.
Vielleicht hast du deinen Partner wie einen Retter erlebt, der dich befreit hat – auch befreit von der inneren engen Beziehung zu deiner Mutter oder deinem Vater, zu deinen inneren „malignen Objekten„.
Vielleicht befürchtest du zu sterben, weil du so alleingelassen bist oder aber, du befürchtest zerquetscht zu werden, weil ein anderes „inneres Objekt“ (z.B. die eigene Mutter/der Vater) wieder so mächtig wird. Deine Partnerin diente sozusagen als „Abstandhalter“ zwischen dir selbst und deinem inneren „malignen Objekt“.
Vielleicht macht dich deine Eifersucht schier wahnsinnig. Möglicherweise fällt es dir schwer, dich als eigenständigen Menschen zu erleben, der in Ordnung ist und der sich mit sich alleine wohlfühlen kann. Du bist dir extrem unsicher, ob du ein Mensch bist, den man lieben kann.
Nach Melanie Klein empfindet ein Baby möglicherweise so etwas wie einen „Neid auf die nährende Brust“. Die Mutter hat sozusagen „alles“, sie trägt die Nahrung quasi mit sich herum, während das Baby Mangel leidet. Auch solche „Ur-Phantasien und -Gefühle“ können im Erwachsenenalter wieder stark werden – sie sind vielleicht unbewusst, aber tragen zum „Stalking-Drang“ bei.
Verzweifelt versuchst du, die Verbindung wiederherzustellen. Du möchstest wenigstens wissen, was deine Expartnerin macht oder wie es deinen Kindern geht. Vielleicht beruhigt es dich, wenn du deine verlorene Partnerin beobachten kannst/ Du siehst: Der andere ist noch immer da, er ist nicht vollkommen weg und es stellt sich wieder ein Gefühl der Normalität ein. Doch bald kommt wieder die Verzweiflung auf: „Der andere ist zwar da, aber ist nicht für mich da.“
Möglicherweise war deine Beziehung von Anfang an in einem Ungleichgewicht. Wahrscheinlich hattest du schon Beziehungsschmerzen, als die Beziehung noch bestand. Jetzt, da die Beziehung unterbrochen ist, idealisierst du die Vergangenheit. Doch wäre sie ausreichend gut gewesen, hätte sie dich „satter“ gemacht. Süchtig wird man dann, wenn man keine echte Befriedigung erhalten hat. Vielleicht möchtest du daran festhalten, dass alles gut war. Vielleicht fühltest du dich „wie im siebten Himmel“ – doch hat der Boden gefehlt.
Dein Stalking trägt aber vielleicht auch die Hoffnung in sich, irgendwann eine gute Beziehung zu haben und irgendwann deinen Selbstwert zu finden. Allein der Drang zur Suche ist etwas Gesundes – und wer suchet, der findet. Es ist nicht alles verloren, wenn es „jetzt“ verloren ist. Zum Beispiel kann die Beziehung zu deinen Kindern auch viel später noch gut werden und gelebt werden. Keine Angst vor dem Warten.
Den anderen zu beobachten und alles über ihn zu wissen, befriedigt dich nicht dauerhaft, weil eben ein guter gegenseitiger Kontakt fehlt. Der andere hat vielleicht nur Angst vor dir, ist genervt oder zeigt dich bei der Polizei an. Das ist unglaublich schwer auszuhalten.
„Dann muss ich eben noch genauer beobachten“, denkst du vielleicht und verstärkst dein Verhalten wie ein Zwangskranker. Und je mehr du zurückgedrängt wirst, desto mehr wandelt sich dein Verhalten in ein zerstörerisches Verhalten.
Noch weiter zurückzugehen wäre so, als würde man dich im Wasser unterducken und würde dir verbieten, dich zu wehren. Doch du kannst dir wahrscheinlich am besten helfen, indem du aktiv darauf eingehst. Die geistige Kraft, die du aufwenden musst, um vom Stalken wegzukommen, ist enorm und kann mit katastrophalem Denken verbunden sein. Doch wenn du „Es“ sein lässt, kommt manchmal eine Überraschung: Anstatt zu ertrinken, wirst du nach einer Weile mit grosser Wahrscheinlichkeit tatsächlich besser Luft bekommen.
Fast alle Menschen, die sich im Urlaub in absolute Einsamkeit zurückziehen, ohne Handy, ohne Internet, sagen, dass sie in den ersten Tagen glauben, fast verrückt zu werden. Doch dann, nach ein paar Tagen, kehre eine unglaubliche Ruhe ein. Meistens kommt ein grosses Bedauern, wenn die Menschen dann in den Alltag zurückkehren.
Wenn du von der Gegenseitige ein gerichtliches Verbot zur Annäherung erhalten hast, hat dich das unter Umständen nur noch mehr angespornt. Ein Verbot kann erlebt werden wie eine „Reibung“. Es wird zu etwas Handfestem, das dir vielleicht sogar einen Halt gibt. Das Verbot weckt aber auch den Trotz und verstärkt dein Verhalten unter Umständen auf anderer Ebene. Das Verbot ruft eine andere Wut hervor und lenkt von dem ursprünglichen Verzweiflungsgefühl, vom ursprünglichen Schmerz ab.
Rauskommen
Du kannst diesem Kreislauf dann entfliehen, wenn du dich nicht mehr so extrem verlassen fühlst, wenn du irgendwo einen emotional „echten“ Kontakt finden kannst und wirklich verstanden wirst. Manchmal entsteht das Stalking auch, weil man schon in der Partnerschaft selbst das wirkliche Verstandenwerden vermisst hat.
Die Erfahrung von besseren Beziehungen zu anderen führt auch zu einer besseren Beziehung zu dir selbst. Vielleicht magst du mit traditionellem Yoga im Einzelunterricht anfangen und morgens für eine halbe Stunde täglich deinen eigenen Körper auf neue Weise kennenlernen. Sobald du dich nicht mehr „mutterseelenallein“ und getröstet fühlst, kannst du deine Kontrolle langsam aufgeben. Du spürst vielleicht ganz zaghaft, dass dein Wert nicht nur vom anderen abhängt.
Der Exhibitionist. Allen hatte er schon sein Geschlechtsteil gezeigt. Keine Frau, die vor ihm sicher war. Immer wieder musste er es tun. Es war wie eine Sucht. Er versetzte alle in Angst und Schrecken damit. Er wurde bestraft dafür. Aber er konnte nicht aufhören. „Warum machst du das?“, fragte sie. „Weil ich es nicht ertrage, wenn jemand mein trauriges Gesicht sieht. Dafür schäme ich mich zutiefst.“
„Hamlet, Othello, Lear, Macbeth, Coriolanus und Timon – um lediglich die Shakespeare’schen Beispiele zu
nennen – empfinden allesamt unerträgliche, mörderische Eifersuchts- und Neidgefühle, die Symptome des Gefühls, ausgeschlossen zu sein. …Gibt es für das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, eine andere und bessere Lösung als die Rache? … Rache bewirkt, dass die Ausschließung niemals endet.“ Und: … Vor unseren Anfängen steht die Ausschließung.“ Adam Phillips: Aufgeben. Psychosozial-Verlag 2026, S.108, S. 116
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Buchtipp:
Georg Bruns (2014):
Verschmelzungsfantasie und Affektspaltung. Ein psychologisches Modell des Stalkings mit klinischen Beispielen. In: Bruns, Georg und Winter, Frank (Herausgeber): Stalking – Zwischen Liebeswahn und Strafrecht. Komplett überarbeitete und erweiterte Buchausgabe von Heft Nr. 121 (III/2010) der Zeitschrift Psychosozial. Psychosozial Verlag: S. 129-150. psychosozial-verlag.de/2393
Im selben Buch: Georg Bruns (2014):
Werben und Verletzen. Eine kleine Fallstudie zu weiblichem Stalking. S. 201-218.
Gabriele Treu (2010):
Einige psychodynamische Überlegungen zur Abgrenzung zwischen Stalking-Tätern und Stalking-Opfern. PDF, psychosozial 121 (2010), 45-56
Beitrag vom 21.6.2026 (begonnen am 14.2.2014)
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9 thoughts on “Stalking – wie kann ich damit aufhören? Hilfe für Stalker und Stalkerinnen”
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Danke für den interessanten Bericht. Ich wurde nie gestalkt, kann aber die Gefühle beider Seiten gut verstehen. Ich finde auch wichtig, eigene Anteile zu sehen. Ich habe eine Freundin, die „leicht“ gestalkt wurde und ich fand, sie hat durch ihre Art dazu beigetragen. Ein Ungleichgewicht in der Beziehung ist nie gut und manche Menschen nutzen dann den abhängigen Part aus. Jener wird dann wütend und der Kreislauf beginnt. Beide Seiten haben ein Problem mit Grenzen gehabt und nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen.
Ich selbst tendiere zum Gedanken-Stalking und das schadet ja vor allem mir selbst. Ich würde nie jmd. verfolgen oder Grenzen nicht einhalten. Allerdings wurde auch ich schon angetriggert von einem abrupten und rigorosen Umgang mit mir und habe schwer abschließen können. Ich verstehe also die Gefühle, die zu Stalking führen.
Vielen Dank für diesen Artikel. Er hat mir die Augen geöffnet und doch ändert es wohl (erstmal) nichts an meinem Verhalten.
Ich stalke. Ich habe bis dato jede neue Partnerin meiner Ex-Partner in den Social Media „gestalkt“ oder sagen wir beobachtet. Warum? Weil ich auch jedes Mal einfach verlassen und ersetzt wurde. Weil ich verstehen wollte, warum. Und weil es mich unglaublich verletzt und ja, auch gekränkt hat.
Und leider ist es bei mir auch zwanghaft. Ich will es lassen, kann es aber nicht, weil ich diesen Drang nicht abschalten kann. Also schaue ich fast stündlich in den sozialen Medien, ob die Neue was Neues gepostet hat. Meine Ex-Partner gehörten auch nicht zu den ehrlichsten Menschen, so habe ich mir es zurechtgelegt, dass ich ja „nur auf der Suche der Wahrheit“ bin. Hab sie dann ja auch gefunden. Mit jeder Vermutung, dass er fremdgeht, oder eine Neue hat, hatte ich ja auch recht.
Trotzdem ist die Beziehung beendet und dieser Zwang weiter da.
Es tut mir selbst weh. Ich leide. Kann mein eigenes Leben nicht wirklich weiterleben.
Und die Parallele ist, wie in Ihrem Artikel erwähnt, meine Kindheit.
Dort wurde ich mehrfach verlassen und ohne Erklärung zurückgelassen. Ich hatte es nicht verstanden, als Säugling, als Kleinkind, als 5 Jährige, die plötzlich ins Heim geschickt wurde. Niemand wollte mich, weder meine Mutter, noch mein Vater. Und ich? Habe alles „vergessen“, es einfach aus meinem Bewusstsein Borderline-typisch verdrängt. Jetzt ist mir zwar all das bewusst geworden durch Therapie und ganz viel Eigenarbeit an mir selbst.
Ich verstehe auch, weshalb ich „stalke“, aber wie soll das jetzt aufhören?
Ich kann ja meine Vergangenheit nicht „nicht geschehen“ machen. Und Selbstliebe allein bringt rein gar nichts. Bewirkt bei mir mehr, dass ich noch einsamer werde, weil ich nicht auch noch den scheiß anderer ertragen kann und möchte.
Was ist die Lösung? Meine Eltern-Beziehung zu aufzulösen?? Heilsame neue Beziehungen muss man erstmal finden. Und dann kann man sie ja doch nicht annehmen und an sich ranlassen. Also was nun? Ein Teufelskreis??
Und dann schaut man wieder voller Neid, was die andere treibt mit dem Ex-Partner und verflucht ihn, weil sie nun das Leben und die Behandlung bekommt, die mir verwehrt wurde….
Und Schlussendlich gilt es ja doch nur den Eltern, die keine waren und einen in die Welt gesetzt haben und sich dann selbst überlassen haben.
Ja, ein Teufelskreis….
Lieber AnonymerStalker,
vielen Dank für Ihren berührenden Bericht. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Psychoanalyse wirklich etwas verändert und wünsche Ihnen dafür alles Gute! Ein schmerzhafter und langer Weg wird es wahrscheinlich sein, aber der Leidensdruck, so furchtbar quälend er auch ist, hilft oft dabei, den Weg weiter zu gehen!
Dunja Voos
Liebes Stalking-Opfer,
ich war mal ein Stalker oder vielleicht bin ich es immer noch, dadurch dass ich noch jeden Tag an meine Ex denken muss und nach Jahren nachts weine, weil ich sie so sehr vermisse. Ich kann es verstehen, dass Sie leiden. Wenn man täglich in der Angst lebt, wieder angerufen zu werden, auf die Straße zu gehen, weil jemand wieder und wieder die eigenen Grenzen überwinden hat, ist das keinesfalls witzig. Ich weiß nicht wie weit ihr Ex gegangen ist, aber lassen Sie mich eines sagen:
Stalker leiden! Sie leiden unglaublich stark!! Ich habe ein Jahr lang eine Ex-Freundin „gestalkt“. Anrufe, SMS, Facebooknachrichten, Whatsapp. Ich wollte das in keinster Weise. Jeden Tag habe ich mir gesagt, dass ich aufhören muss, dass ich es aushalten muss, dass ich ein schrecklicher Mensch bin.
In dem Moment als sie sich getrennt hat und mir jede Art der Erklärung verwehrt hat, alle meine Gefühle als unbedeutend dargestellt hat und mich am Telefon ausgelacht hat, ist etwas in mir kaputt gegangen. Sie denken jetzt: „Dass gibt mir noch lange nicht das Recht… Ich wurde auch schon verlassen.“ Nein, das tut es nicht. Ich wusste vom ersten Moment an, dass es falsch war, aber ich konnte nicht aufhören. Es war wie ein Zwang. Ich musste jede Sekunde an sie denken. Ich habe wortwörtlich wie ein Kind gefühlt, dass von seiner Mutter verlassen wurde. Ich dachte ich müsste sterben. So muss ich mich gefült haben als meine Mutter mich als Kleinkind verließ und mir den Kontakt verwehrte.
Ich habe mich freiwillig bei StopStalking gemeldet. Wissen Sie was deren Antwort war? „Sie nehmen sich jetzt mal einem Zettel und dokumentieren jede halbe Stunde was Sie tun und wie hoch der Stalkingdruck ist, damit wir rausfinden können warum Sie stalken.“ Ich hab das versucht. Es hat nichts gebracht. Es war so ziemlich egal was ich tat. Der Schmerz war immer da. Die haben sich nicht für meinem Schmerz interessiert. Die wollten nur, dass ich aufhöre. Ich habe jeden Tag daran gedacht mein Leben zu beenden. So sehr habe ich mich gehasst. Wie um Himmels Willen hätte mir das helfen sollen? Es gab nichts zu checken, es gab keinen Schalter zum umlegen. Ich hätte solch einen Schalter sehr gerne gehabt. Das können Sie mir glauben!
Aufgehört habe ich nicht deswegen. Nicht wegen der Anzeige. Nicht wegen den Menschen, die mich als krank bezeichnet haben. Aufhören konnte ich als mir eine Therapeutin mir zum ersten Mal zugehört hat. Als sie mich mütterlich ansah und meinen Schmerz ernst genommen hat. Als sie Verständnis hatte und mir gesagt hat, dass meine Ex einfach nicht versteht, wie ich mich fühle.
Danach kam noch ein Jahr in dem ich sie zwar nicht angerufen habe, aber doch ständig an sie gedacht habe. Vor ein paar Monaten habe ich einen Bekannten von ihr getroffen. Ich bin mir sicher er kannte mich und ist deshalb auf mich zugekommen, auch wenn er das nicht zugegeben hat. Nach zwei Jahren habe ich zum ersten Mal mit jemandem reden können, der sie kennt. Zwei Jahre war ich alleine damit, abgetrennt. Sie wissen gar nicht wie gut das getan hat mit jemandem zu reden, der sie kennt, wenn auch nur flüchtig. Ich habe geweint. Es war so erleichternd. Es war ein kleiner Ersatz für das Gespräch, das sie hätte mit mir führen sollen, nach all den Hoffnungen, die sie mir gemacht hat. Sie wusste von meiner jahrelangen Beziehungslosigkeit und auch von meinen Verlustängsten.
Ich weiß aber, dass ich ein Problem habe. Ein sehr großes sogar! Damit muss ich leben. Ich bin ein gutaussehender junger Mann und es gibt viele Frauen, die interessiert an mir sind. Seit dieser Sache habe ich unglaubliche Angst wieder etwas mit einer zu beginnen. Ich werde mich damit abfinden müssen, dass ich vielleicht nie eine Beziehung führen kann. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Therapien versucht. Die ganzen Verhaltentherapien, Klinikaufenthalte etc. haben mir nicht geholfen und jetzt ist die Psychoanalyse meine letzte Hoffnung. Vielleicht werde ich irgendwann mit 40 meine erste richtige Beziehung führen. Wenn ich dann noch Lust zu leben habe.
Ich leide. Ich leide sehr. Seit ich 15 bin wünsche ich mir nichts anderes als jemanden an meiner Seite. Ihr Leid gibt Ihnen nicht das Recht mich zu entmenschlichen und mir das Recht auf Hilfe abzusprechen. Frau Voos hat in jeder Hinsicht recht, auch wenn Sie das in ihrer schwarz-weißen Welt nicht verstehen können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald in Frieden weiterleben können. Ich weiß, dass ich nicht erwarten kann, dass Sie mir wünschen, was es heißt zu vertrauen und jemand an meiner Seite zu haben.
Der unmenschliche Stalker
Unter der großen Menge der Stalker mag es auch einige geben, die nicht wissen, dass ihr Verhalten Angst bei den Opfern auslöst.
Stalking ist eine Gewalttat, viele Täter stalken gerade im Wissen um die Angst etc., die sie beim Opfer auslösen. Und natürlich befriedigt dieses Verhalten die Täter, wie auch Alkohol den Alkoholiker kurzfristig befriedigt. Ohne Lustgewinn keine Sucht, insofern ist der Kommentar hier, dass es den Tätern Spaß macht absolut korrekt (das geben auch Täter bisweilen zu).
Ich halte es durchaus für möglich, dass ein gewisser Teil der Täter die von Ihnen benannte Beziehungsproblematik aufweist, wie ebenfalls eine erhebliche Anzahl an Menschen, die niemals ein Stalking-Verhalten an den Tag legen werden.
Deshalb müsste ein Behandlungsansatz meiner Meinung nach auf das mangelnde Unrechtsbewusstsein und den oft bewussten Schädigungswillen der Täter abzielen. Wobei fraglich ist, ob das überhaupt therapierbar ist.
Den sich daran versuchenden Therapeuten wünsche ich auf jeden Fall viel Glück, es ist bekannt, dass Stalkerpersönlichkeiten häufig Wiederholungstäter sind und nicht selten die von berufswegen eine persönliche Beziehung versagenden Therapeuten ins Visier geraten. Für diese ist es dann ganz besonders von Bedeutung, die Gefährlichkeit eines Stalkers nicht zu unterschätzen oder zu verharmlosen, wie der Artikel hier den Anschein gibt.
Liebe „Stalkingopfer meint“,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich weiß, dass die Menschen, die gestalkt werden, ganz furchtbar leiden. Schlaflosigkeit ist nur eines von vielen Symptomen – manche Menschen können richtig krank davon werden.
Dennoch glaube ich, dass die Behandlung des Stalkers ein guter Schutz für die Opfer ist.
Sie schreiben: „EIn Stalker hat keinen Leidensdruck. Er hat Spaß daran.“
Meine Erfahrung als Therapeutin ist eine grundlegend andere: Viele Stalker leiden ganz entsetzlich und benötigen dringend gute Hilfe. Und zwar nicht nur „Verhaltenstherapie“ im Sinne von: „Wir üben das jetzt mal zu stoppen.“ Sie brauchen grundlegende Hilfe, bei der ihre inneren Nöte verstanden werden. Die Erfahrung des Stalkers, dass er selbst in der Therapie Halt findet und verstanden wird, führt in der Regel dazu, dass er das Stalken endlich aufgeben kann.
Es gibt ein Liedtext
„Es könnte alles so einfach sein.
Ist es aber nicht.“
Liebe Frau Dr. Voos,
sind Sie schon mal gestalkt worden?
Ich denke nicht.
Wie viele Stalker kennen Sie persönlich?
Die wenigsten Stalker wollen sich helfen lassen.
ich gebe ihnen ein Beispiel:
Mein Schwiegervater stalkt seine in Trennung lebende Frau,
seine eigene Tochter und neulich lauerte er der Enkeltochter auf….
Für das Stalking der Tochter und Enkeltochter ist er sogar über 600 km gefahren!
MEHRFACH.
Er (ich habe die Definitionen genau gelesen) ist ein PSYCHOPATH.
Er hat keinerlei Angst und lauert trotz Hausverbotes irgendwo auf.
In das Auto der Ehefrau (in Trennung ) hat er einen GPS-Tracker eingebaut.
Er weiß also,wo sie ist – jederzeit.
Den GPS-Tracker an unserem Auto habe ich entfernt…
Wann wollen Stalker von selbst mit dem Stalken aufhören?
Wen deren Leidensdruck am höchsten ist.
Mein Schwigermonster hat keinen Leidensdruck.
Für ihn ist es ein Katz-und-Maus-Spiel…
Sein Jagdinstinkt ist geweckt…
Darüber hinaus lügt er – nicht nur sogenannte Notlügen.
Er lügt, weil es ihm Spaß macht.
Er erfindet Dinge….
Er lügt auch seine Therapeuten an… er lügt in der Paarberatung ….
Stalking wird in diesem Artikel verharmlost.
Stalker werden hier als Opfer ihrer Umgebung und ihrer Vergangenheit dargestellt.
_________________________________________
>>Doch darüber, was mit dem Stalker selbst ist, fällt kein Wort. <> Wer stalkt, der versteht sich selbst nicht mehr.<> Dabei ist es wichtig, sich selbst zu verstehen, um mit dem suchtartigen Verhalten aufhören zu können.<<
Das stimmt zwar.
Aber Akkoholsucht ist nicht vergleichbar mit STALKERN.
EIn Stalker hat keinen Leidensdruck.
Er hat Spaß daran…..
Unser Stalker will gar nicht aufhören….
er wird weitermachen.
Und jetzt mal wieder zurück zu den Opfern….
ICH FÜHLE MICH HILFLOS….
WIe schütze ich meine Tochter?
Die Polizei sagt, der Opa wird doch der Enkelin nichts tun….
Und was wird nun aus meiner 6-jährigen Tochter?
Wird sie durch die gefühlte Hilflosigkeit auch irgendwann eine Borderlinerin oder Psychopathin?
Weil das, was Sie über die armen Stalker geschrieben haben, heute auch auf meine Tochter zutrifft?
Wird Stalker-Verhalten nicht so von Generation auf Generation übertragen?
Bitte verzeihen Sie,
der Artikel geht mir nicht genug in die Tiefe.
Die Anatomie der Physis ist leicht auswendig gelernt.
Einen Rohen-Atlas der Psyche oder gar des Stalkings gibt es leider noch nicht,
weil es noch keine Psycho-Anatomen gibt und weil nicht ein Mal das psychische Skalpel erfunden ist…. es gibt nicht ein Mal eine brauchbare Theorie des Stalkings.
Interessanter Kommentar von Herrn Hoffmann.
Die Welt in gut und böse aufzuteilen ist die Garantie dafür, dass man sie nie verstehen wird.
Als könnte man alles Böse der Welt ausmerzen, indem man es im vermeintlichen „Feind“ manifestiert und
diesen dann zur Rechenschaft zieht.
Das Problem daran ist, dass sich jeder selber für den Guten hält und der Böse immer der andere ist.
Völlig falsch. Sie helfen dem Feind!