Medikamente bei Angst und Depression – ja oder nein?

„Die Ärztin hat mir sofort Opipramol verschrieben“, höre ich. Doch die Zweifel sind gross. Bei der Medikamentenfrage ist es aus meiner Sicht wichtig, dem zu folgen, was Dir selbst behagt.
Vielleicht fühlst Du Dich vom Arzt oder Klinikteam zur Einnahme des Medikaments gedrängt, vielleicht bist Du aber auch dankbar für die Verordnung. Oft hilft das Neue – die neue Idee, das neue Medikament. Doch sobald es älter und vertrauter wird, geht die anfängliche Erleichterung mitunter zurück.
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Links:
BBC Science Focus
What your doctor won’t tell you about antidepressants
By Sophie Freeman with Prof. Michael Hengartner, ETHrat.CH
2.3.2026, www.sciencefocus.com/…
The International Society For Psychological And Social Approaches To Psychosis, ISPS:
Courtenay M. Harding, Biography
Harding erforschte das Leben von Menschen mit schwersten Psychosen über eine Zeitspanne von 30 Jahren und mehr. isps.org/…
Joanna Moncrieff:
The Myth Of The Chemical Cure
Youtube
Leuzinger-Bohleber, Marianne, Klaus Röckerath und Laura Viviana Strauss (Herausgeber):
Depression und Neuroplastizität
Psychoanalytische Klinik und Forschung, Brandes & Apsel 2010
Amazon
Steinman, Michael A. et al. (2007):
What’s in a Name? Use of Brand versus Generic Drug Names in United States Outpatient Practice.
Journal of General Internal Medicine, May 2007, Volume 22, Issue 5, pp 645-648
link.springer.com/… Die Studie zeigt: Ärzte (in den USA) benutzen häufiger den Markennamen als den Wirkstoffnamen.
John Moraros et al. (2016):
The association of antidepressant drug usage with cognitive impairment or dementia, including Alzheimer disease: A systematic review and meta-analysis
First published: 28 December 2016, Volume 34, Focus On Treatment: Pages 217-226
DOI: 10.1002/da.22584, onlinelibrary.wiley.com/…
College of Sexual and Relationship Therapists
ww.cosrt.org.uk/…
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Feeling Blue or Turquoise? Emotional Differentiation in Major Depressive Disorder. Psychological Science, SAGE Journals 2012, Volume: 23 issue: 11, page(s): 1410-1416, doi.org/…, journals.sagepub.com/…
Jorge Carlos Holguín-Lew and Vaughan Bell (2013):
“When I Want to Cry I Can’t”: Inability to Cry Following SSRI Treatment. Revista Colombiana de Psiquiatría, Volume 42, Issue 4, December 2013, Pages 304-310, sciencedirect.com/…
Bala, Areeg et al. (2018)
Post-SSRI Sexual Dysfunction: A Literature Review. Sexual Medicine Reviews, Volume 6, Issue 1, January 2018, Pages 29-34, doi.org/… | sciencedirect.com/…
Beitrag vom 23.4.2026 (begonnen am 3.10.2012)
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7 thoughts on “Medikamente bei Angst und Depression – ja oder nein?”
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Nach 8 Jahren Psychotherapie und Medikamenten-Einnahme habe ich mich dazu entschlossen, keine Medikamente mehr einzunehmen. Das Absetzen habe ich selber in die Hand genommen und viel zu schnell durchgezogen. Ich hatte aber keine Anleitung.
Angeblich gibt es ja keinen Entzug. Das kann ich so auf keinen Fall bestätigen. Auch zwei Monate später nicht. Meine Psychiaterin bestreitet dies. Ich fühle mich insgesamt freier, klarer, mehr Herr meiner Sinne, kann angemessener auf alles reagieren. Lasse mir nicht mehr alles gefallen, da ich nicht mehr sediert bin.
Die Depression ist noch da, ja. Aber sie war mit Medikamenten natürlich auch nicht weg. Meine Erfahrung ist, dass eine gute Gesprächstherapie durch nichts zu ersetzen ist. Rückblickend haben die Medikamente mein Leben sehr verändert. Und zwar zum negativen. Ich habe es nicht erkannt. Ein Wunder das ich mich überhaupt getraut habe, sie abzusetzen. Aber ich hab’s getan. Anstoß dafür war ein Mega-Arzt in der Klinik, in der ich nach 7,5 Jahren des Leidens war. Es geht mir nicht bedeutend besser! Aber ein wenig schon und ich habe diese schrecklichen Nebenwirkungen nicht mehr. Mal abgesehen von den oben erwähnten Dingen!
Ich denke, es kommt auch sehr darauf an, woran man genau leidet bzw. welche Tragweite das Problem hat, ob es nur punktuell ist oder universell bzw. chronisch.
Meine Meinung nach sehr vielen Jahren Erfahrung:
Ich bin inzwischen auch überzeugt, dass man eine wirklich voll ausgeprägte Depression niemals ohne Medikamente „behandeln“ kann. Vielleicht wäre „im Zaum halten“ auch der bessere Ausdruck. Echte Depressionen sind nun einmal nicht nur auf Lebensereignisse, sondern – und das zeigt die Forschung ja – auch auf gewisse genetische und biochemische Dispositionen zurückzuführen. Das heißt, dass man eventuell vielleicht gar nicht depressiv reagieren würde, gäbe es die Veranlagung nicht. Das leuchtet mir irgendwie schon ein. Echte Depressionen (ich spreche nicht von Verstimmungen) haben in den meisten Fällen auch die Tendenz zur Chronifizierung, so dass es in diesen oft genug doch überhaupt nicht mehr darum geht, irgendeine Heilung zu initiieren, sondern einfach nur darum, einigermaßen erträglich leben zu können. Und ich bin heilfroh, dass es Medikamente gibt, denn die Wirkung von Psychotherapie ist in vielen Fällen einfach nicht vorhanden bzw. zu minimal ausgeprägt. Das ist leider auch das, was mir viele Leidensgenossen über die Jahre erzählt haben. Deshalb plädiere ich dafür, gut zu unterscheiden, um welche Problematik es geht.
Dass man in unserer Gesellschaft insgesamt aber zu viele Medikamente verschreibt (ich bin gerade in Bezug auf Ritalin oft schockiert), finde ich auch und ist ja ebenfalls durch Zahlen belegt. Die Frage ist oft doch: Wollen wir eine Pille, die uns jedes Problem wegzaubert? Oder geht es darum, einem Menschen, der erkrankt ist, zu helfen.
Als Betroffene habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwierig ist, wie in meinem Fall Antidepressiva, wieder abzusetzen. Trotz Ausschleichen litt ich unter Absetzsymptomen, die sogleich als Wiederauftreten der Erkrankung diagnostiziert wurden. Dank meiner zuversichtlichen Therapeutin und meinem stabilen sozialen Umfeld und natürlich meinem unermüdlichen, wiedererwachten Kampfgeist, habe ich im zweiten Anlauf mein Ziel ohne Psychopharmaka-Dauereinnahme zu leben, nun fast erreicht. Es ist schade und unverständlich, dass offenbar kaum ein Facharzt auf die Idee kommt, dass nicht eine weitere Aufdosierung oder Medikamentenumstellung, sondern im Gegenteil deren möglichst baldiges, sehr vorsichtiges Absetzen der letztlich heilsame Schritt ist. Nur so gelangt der Mensch doch erst wieder zum Glauben an seine eigene innere Kraft und Stärke!
Medikamente können helfen, besonders wenn es ganz schlimm ist, aber sie könne auch zum Problem werden. Ziel muss es ja sein, das der Patient selbst Verantwortung über nimmt und lernt mit seiner Psyche wieder selbst zurecht kommt. Gibt der Patient diese Verantwortung ganz oder teilweise an Medikamente (oder den Therapeuten) ab, so wird er immer weiter darauf bauen, das Tabletten (und der Therapeut) ihm hilft. Das mag zwar in einer akuten Situation angezeigt sein, aber Ziel muss es ja sein, wieder so weit wie möglich in ein selbständiges Leben zurück zu kehren. Wichtiger als schnell Medikamente zu verschreiben wäre mit dem Patienten zusammen einen geeigneten Therapieplan aufzustellen und für Rückfragen zu Verfügung zu stehen, aber das ist nicht immer gegeben.
Hatte ein paar Jahre als Laienhelfer in der Psychiatrie Haar bei München gearbeitet. Medikamente eröffneten meist überhaupt erst die Möglichkeit, daß ein Psychiater eine therapeutische Gesprächsbeziehung mit einem Patienten beginnen konnte,
Vieles geht auch ohne Medikamente. Mag sein das es länger dauert um aus einem Tal wieder raus zu kommen, aber es ist möglich! Mit Medikamente fühlt sich das Leben „furchtbar“ fremdgesteuert an. Es bedarf nicht nur guter Therapeuten, sondern auch beste Freunde, die IMMER für einen da sind.
Ein sehr schwieriges Thema, bei dem man von Fall zu Fall anders entscheiden kann. Ich bin allerdings dafür, dass Psychopharmaka wie Antidepressiva nur eingesetzt werden sollen, wenn die Patienten auch zu wissen bekommen, welche erheblichen Nebenwirkungen eintreten -können-. Ich glaube, dass genau an dieser Stelle oftmals die Beratung zu kurz kommt.