Bewegungsmeditation: freie Assoziation in der Bewegung kann Schmerzen lindern

Wenn Du Dich ruhig hinstellst, die Augen schließt und eine Weile so stehen bleibst, dann kann es sein, dass Du etwas bewegen möchtest. Ganz leicht vielleicht – Du möchtest und kannst vielleicht Deine Arme heben oder kaum sichtbare Bewegungen mit den Fingern durchführen. Du kannst Deinen Kopf millimeterweise nach hinten neigen oder Deine Zehen leicht heben. Und so kommst Du vielleicht in kleine oder größere Bewegungen, so wie Dir gerade zumute ist. Du kannst Deinen leichten Impulsen folgen. Es ist vielleicht so, als ob Dein Körper frei assoziieren würde.
Mit „freier Assoziation“ ist in der Psychoanalyse gemeint, dass man frei seinen Gedanken folgt. Ein Gedanke führt zum nächsten. Manche Worte oder Sätze erinnern an etwas Bestimmtes und so springt man im Geiste zum nächsten Gedanken, zur nächsten Erinnerung.
Ähnlich wie bei der freien Assoziation in der Psychoanalyse kann es bei der Körpermeditation auch zu verschiedenen Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen und Zuständen kommen. Bewegungen hängen unmittelbar mit Gefühlen zusammen. Schaue einmal genau: Bei welchen Bewegungen schlägt Dein Herz schneller? Welche Körperstellungen verursachen Dir Übelkeit? Wann fühlen sich bestimmte Rückenregionen gequetscht an und wie geht es Dir mit einer leichten Wirbelsäulendrehung? Diese Körpermeditation kannst Du morgens durchführen – so lange Du möchtest. Schau gerne auf die Uhr. Vielleicht möchtest du nur eine Minute meditieren. Vielleicht bist du aber auch überrascht, dass schon 10 Minuten oder mehr vergangen sind.
Mit dieser Form der Körpermeditation machst Du Dir Deinen Körper vertraut. Viele körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder vegetative Symptome können sich so mit der Zeit abschwächen.
es ist nicht leicht, sich in seinem körper zu hause zu fühlen. vielleicht nimmst du dir immer wieder vor, sport zu machen, aber du fühlst dich zu erschöpft. du machst vielleicht yoga in gruppen, aber es geht dir zu schnell. irgendwie, so scheint es, gibt es kaum etwas, was deine schmerzen reduzieren könnte, und was bewirkt, dass du dich angstfreier und mehr gehalten in deinem eigenen körper fühlst.
vielleicht hast du es schon mit entspannungsübungen und meditation probiert, aber es kommt immer wieder das gefühl auf, dass du flüchten möchtest. es ist möglich, ein besseres körpergefühl zu bekommen, indem du yogaübungen immer langsamer machst und dann abwandelst. besonders inspirierend finde ich dabei die dänische körperpsychotherapeutin marete holm brantbjerg (youtube).
in einer doku über japanische mönche sah ich, wie die mönche zur meditation einfach standen. dieses bild kann helfen, sich einfach auf die yogamatte zu stellen und die augen zu schließen – oder auch sie offen zu halten. wichtig ist, dass du nicht frierst und nicht schwitzt. du kannst vielleicht ein fenster etwas öffnen und dir eine wärmflasche an die zehen legen. und dann stellst du dich einfach hin und fängst mit ganz einfachen übungen an, die dir in deinem körper vielleicht etwas halt geben können. über viele, viele mini-bewegungen kannst du dir deinen körper langsam vertraut machen, ihn dir zu eigen machen. diese übungen sind besonders auch für frühtraumatisierte menschen geeignet, die sich selbst auf dauer mehr stabilität und flexibilität geben möchten.
du kannst mit etwas ganz leichtem anfangen:
- stelle dich gerade hin oder setze dich an einen. dann krallst du deine finger ganz langsam zusammen, bis sie so stehen wie bei einer Katze, die kratzen will. achte darauf, wie sich das anfühlt und was mit deiner atmung passiert. es kann sein, dass sie sich dadurch eingeschränkter anfühlt. vielleicht haben sich unmerklich auch deine oberschenkel angespannt.
- diese haltung wirkt vielleicht verkrampft und angespannt, aber vielleicht spürst du auch eine gutes dehnungsgefühl. welche gedanken und gefühle kommen dir dabei?
- du kannst ganz langsam deine hände in dieser krallenstellung weiter beugen und schauen, ob sich eine art wohlfühl-dehnungsgefühl einstellt. du kannst die unterarme dabei nach außen und nach innen drehen – immer in der krallenartigen haltung, ganz langsam. spiele ein bisschen mit dieser haltung herum.
einige wenige minuten reichen, um deinem körper erste impulse zu geben. du kannst versuchen, es einige tage lang einmal zu wiederholen und dann eine neue übung zu machen.
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Links:
marete holm brantbjerg:
supporting sustainable change
Youtube
beitrag vom 7.2.2026 (begonnen am 5. Juli 2024)