Führst du zu viele medizinische Behandlungen bei deinem Kind durch, weil du Schuldgefühle hast? Vielleicht leidest du an einem Münchhausen-by-Proxy-Syndrom

Dich plagt ständig das schlechte Gewissen – Du leidest vielleicht darunter, dass mit deinem Kind etwas nicht stimmt: Es hat eine chronische Erkrankung oder eine Behinderung. Und du möchtest alles dafür tun, das Problem zu beseitigen und Schlimmeres zu verhindern.

Dein Kind wehrt sich vielleicht gegen bestimmte Medikamente, Ubungen und Therapien, doch du hast das Gefühl: „Es muss sein!“ Du möchtest deinem Kind etwas Gutes tun und doch merkst du, dass langsam ein Zwang daraus entstanden ist.

Es kann durchaus sein, dass du selbst als Baby oder Kind etwas Uberwältigendes erlebt hast, das nie zur Sprache kommen konntest. Du versuchst versuchst vielleicht durch dein Tun endlich auf etwas aufmerksam zu machen, das schon lange gefunden werden sollte. Nicht bei deinem Kind – sondern bei dir.

Du bist nicht allein – es gibt viele Mütter, die ihren Kindern so viel „Gutes“ tun, dass es zur Qual wird. Der Name „Münchhausen-bei-Proxy-Syndrom“ klingt schlimm und du willst das auf keinen Fall haben. Du willst nicht als Lügnerin abgestempelt oder als „pervers“ bezeichnet werden. Manchmal fühlst du dich selbst vielleicht so – und vielleicht hast du sogar schon öfter daran gedacht, dir das Leben zu nehmen. Doch es gibt Hilfe, die Du selbst verdient hast. Und du kannst nach und nach deine Sucht aufheben, an deinem Kind etwas machen zu müssen.

Vielleicht erkennst du dich wieder: Manche Mütter geben ihrem Kind immer wieder hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente, durch die es sich erbrechen muss. Manche drängen die Ärzte auch wiederholt zu Operationen oder stellen das Leiden des Kindes so dar, dass der Arzt sich zum Handeln gezwungen sieht. Auch manche Mütter, die die Vojta-Therapie bei ihren Babys extrem durchführen, können ein Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom haben.

Der Psychoanalytiker Professor Ulrich-Sachsse.de erklärt das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Münchhausen-by-Proxy-Syndrom, MBPS) sehr gut auf Youtube. Es kommen im schlimmsten Fall auch erweiterte Selbstmorde vor, also ein Selbstmord, bei dem die Mutter auch ihre Kinder tötet. Ein relativ „unauffälliger“ Tod eines Kindes kann eintreten, nachdem die Mutter mit ihrem Gewicht den Brustkorb des Kindes gedrückt hat (Burking, Wikipedia, lagebedingter Erstickungstod, posturale Asphyxie, Positional Asphyxia Syndrome, PAS, Wikipedia). So starben z.B. viele Menschen bei der LoveParade: Der Brustkorb wurde ihnen abgedrückt.

Vielleicht bist du schon oft als „überbesorgte Mutter“ bezeichnet worden, was dich tief verletzt hat – denn du siehst ja das Leiden deines Kindes und willst nur helfen. Es ist wichtig, dass du jemanden findest, der dich verstehen kann. Vielleicht weisst du tief im Inneren selbst, dass der Weg, den du gehst, nicht gut ist. Manchmal müssen du und dein Therapeut zusammen die Moral wie einen Vorhang zur Seite schieben, um dem Verstehen und dem Erforschen mehr Platz zu machen.

Wichtig ist es, dass du selbst deine eigene symbolhafte Handlung verstehst. Beispielsweise sprechen Kindertherapeuten davon, dass der „Glanz im Auge der Mutter“ sehr wichtig ist für eine gesunde Entwicklung des Kindes. Das bedeutet, dass es gut ist, wenn die Mutter ihr Kind ausreichend bewundert. Es ist gut, wenn das Kind die Augen der Mutter zum Leuchten bringen kann. Auf Tiktok beschreibt ein Kinderarzt, wie eine Mutter die Augen ihres Kindes immer wieder durch Augentropfen schädigte, die sie mit Nagellackentferner versetzt hatte. Mütter, die von einem Münchhausen-Stellvertretersyndrom betroffen sind, wirken manchmal wie psychotisch bzw. dissoziiert. Das Kind kann auch ein „Dorn im Auge der Mutter“ sein.

Es muss immer gehandelt werden, sonst passiert Schlimmes, so der unbewusste Gedanke. Ärzte geben dir Sicherheit und das Gefühl, eine gute Mutter zu sein.

Vielleicht denkt so mancher Therapeut von aussen: „Aber wenn das Kind gequält wird, muss ich es der Mutter doch sofort entreißen!“ Auch davor hast du vielleicht Angst. Deine Kinder hängen sehr an dir und du liebst sie über alles. Vielleicht aber ging es dir als Kind so schlecht, dass du am liebsten vergangen wärest. Wenn du den Körper deines Kindes malträtierst oder malträtieren lässt, dann geschieht vielleicht das mit deinem Kind, was mit dir selbst einst geschehen ist. Du möchtest auf diese Weise dein eigenes „inneres Kind“ bekämpfen, ja vielleicht sogar umbringen.

Nachdenken unter Druck

Unbewusste Erinnerungen an eigene frühe Erlebnisse, Dissoziationen, psychotische Einschnitte, Amnesien und vieles mehr können Anzeichen sein, dass Du selbst Unvorstellbares erlebt hast. Es kann sein, dass dein Kind dich an Nöte erinnert, die in deinem eigenen Körper gespeichert sind.

Du reagierst vielleicht oft reflexhaft, weil du so einen grossen inneren Druck hast, dass du kaum nachdenken kannst. Jede Sekunde, in der nichts passiert, erscheint dir vielleicht zu lang. Vielleicht trifft dich auch versteckter Neid auf dein Kind, dem es in mancher Hinsicht vielleicht besser geht, als es dir früher gegangen ist. Das schmerzt dich und führt zu grosser Trauer, die du aber nur schwer zulassen kannst, weil du so allein bist damit.

Über das Münchhausen-by-proxy-Syndrom wird erst langsam aufgeklärt. Vielleicht kennst du es selbst noch nicht. In der ZDF-Serie „Lena Lorenz“ wird das Syndrom in der Folge „Gefährliche Liebe“ (ZDF-Mediathek) sehr eindrucksvoll dargestellt.

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Links:

Ein Kinderarzt präsentiert einen Fall von Münchhausen-by-Proxy-Syndrom auf Tiktok. Eine Mutter hatte ihrem Kind Augentropfen verabreicht, die mit Nagellackentferner (Aceton) vermischt waren. Danke an @handfussmund für das Video:
tiktok.com/…

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: Wenn eine Mutter zur Täterin wird | Warum lügen wir? #4 Die Frage: Youtube

Julie Gregory, Marc D. Feldman (2003):
Sickened: The Memoir of a Munchausen by Proxy Childhood. amazon.com/… „Munchausen by proxy (MBP) is the world’s most hidden and dangerous form of child abuse, in which the caretaker—almost always the mother—invents or induces symptoms in her child because she craves the attention of medical professionals.“

Herbert A. Schreier and Judith A. Libow:
Hurting for Love – Münchhausen by proxy Syndrome. The Guilford Press 1993, amazon.com/…

Ulrich Sachsse (Hrsg.)
Proxy – dunkle Seite der Mütterlichkeit. Nachdruck 2019 der 1. Aufl. 2015, klett-cotta.de

David A. Waller (1983)
Obstacles to the Treatment of Munchausen by Proxy Syndrome. Journal of the American Academy of Child Psychiatry, Volume 22, Issue 1, January 1983, Pages 80-85, doi.org/…, sciencedirect.com, „The Munchausen by Proxy Syndrome, in which a parent makes a child appear to be ill, was first reported in 1977. … The obstacles include a failure to appreciate fully the relationship of this syndrome to that of nonaccidental poisoning; the striking symbiotic tie between parent and child that exists in these cases; the characteristic and highly persuasive denial on the part of parents when confronted with the situation; and the understandable skepticism on the part of legal authorities when asked to intervene on behalf of the child.“

Münchhausen-Stellvertretersyndrom = französisch:  syndrome de Münchhausen par procuration (MPB)

Beitrag vom 29.5.2026 (begonnen am 16.9.2022)

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