Bin ich zu alt für die Psychoanalyse-Ausbildung?

Psychoanalytiker und Schriftsteller haben Eines gemeinsam: Sie werden mit dem Alter immer besser. Nicht wenige fangen ihre Ausbildung erst mit Mitte 40 oder später an.

Das typische Alter für den Beginn einer psychoanalytischen Ausbildung lag Anfang in den Jahren um 2013 zwischen 40 und 60 Jahren (Junkers, Gabriele, Hrsg: The Empty Couch, 2013). Heute sind die Ausbildungskandidat*innen jedoch oft jünger. Allerdings kann man auch zu jung für die Ausbildung sein: Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV) fordert ein Mindestalter von 25 Jahren.

„The typical age for starting psychoanalytic training is between 40 and 60. When we go through differences between regions we find that North American candidates seem to start their psychoanalytic training at a considerably higher age than Latin American ones. Most North American respondents (56 per cent) began their training when they were over 50, compared with only 19 per cent in Latin America. European data collected in 2008 reveal that 45 per cent of candidates start their training between their forties and fifties; 26,5 per cent of European candidates start their training after 50 years of age.“
(The Empty Couch, S. 112)

Ein spezielles Problem für Ärzte liegt in Deutschland an der – aus meiner Sicht sinnlosen – Reglung, dass sie erst in Verbindung mit einem Facharzttitel Psychotherapeut und darauf aufbauend Psychoanalytiker werden können. Dadurch wählen viele Ärzte nicht mehr den Weg, Psychoanalytiker zu werden oder aber sie sind zu Beginn der Ausbildung schon relativ alt.

Wichtig zu wissen: Bei der DPV ist es auch möglich, die Ausbildung ausschließlich nach den Regelungen der DPV zu machen – so kann man eine intensive psychoanalytische Ausbildung erhalten. Später ist man dann auf Selbstzahler oder neue Zahlkonzepte angewiesen, weil es allein mit dem DPV-Abschluss nicht möglich ist, Privat- oder Kassenpatienten zu behandeln. Man gehört jedoch als DPV-Analytiker der Vereinigung an. Die Ausbildung ist hochqualitativ und sehr befriedigend – eine gute Alternative für Ärzte, die keinen Facharzttitel erwerben wollen.

Luisa Marino: What Candidates Say About Psychoanalytical Perspecitves on Ageing. In: Gabriele Junkers (Hrsg.) The Empty Couch: The taboo of ageing and retirement in psychoanalysis.
Routledge, 2013: S. 112

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Beitrag vom 19.4.2026 (begonnen am 14.6.2013)

Schreibe einen Kommentar