Im Yoga wie im echten Leben: gehe nicht über deine Schmerzgrenze hinaus, achte deine Erschöpfungsgrenze

Natürlich kommt man auch zum Ziel, wenn man sich in den Spagat drücken lässt, massig Überstunden macht oder sich durch die Müdigkeit jagt. Doch meistens sind diese Gewaltakte verbunden mit Folgeschäden. Wir glauben so oft, dass wir nicht ans Ziel kommen, wenn wir uns regelmäßig ausruhen, wenn es leicht geht, wenn wir an der richtigen Stelle auch mal nichts tun und wenn wir uns vom Leben führen lassen.
Doch meistens kommen wir damit viel weiter, weil wir gesund dabei bleiben. Im Yoga lerne ich: Nur bis zur Schmerzgrenze gehen, nicht weiter. Es ist erstaunlich, wie früh dann schon Schluss ist. Kann es da überhaupt weitergehen? Ist so Entwicklung überhaupt möglich? Und was, wenn ich das aufs Leben übertrage? Nur so weit, bis der Schmerz kommt? Ich bin doch immer so früh müde, so schnell außer Atem, so rasch mit den Nerven fertig. Was, wenn ich ganz konsequent nur meine Grenze entlang gehe und nicht darüber?
Nur die Weichen kommen in den Garten.
Absagen, Nein sagen, ausruhen, verzichten, warten. Offenlassen, Im-Ungewissen-Lassen, nichts tun, beobachten, betrachten. irgendwann stellst Du vielleicht fest: Tatsächlich geht es weiter! Ich kann mich jetzt viel besser bewegen, ich habe mehr Kraft, kann besser schlafen, habe weniger Gelenkschmerzen, bin im Ganzen geschmeidiger und flexibler. Ein gutes Körpergefühl macht sich breit. Und ein gutes Lebensgefühl auch.
30 Minuten tägliches Yoga sind gut für die Psyche
Die Forscher Richard Brown (breath-body-mind.com) und Patricia Gerbarg, haben eine ausführliche Studie zum Einfluss von Yoga auf die psychische Gesundheit durchgeführt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Yoga bei Angststörungen, Stress, Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und Depressionen hilft. In ihren Untersuchungen nahmen sie das „Sudarshan Kriya Yoga“ (SKY) unter die Lupe und konnten die positiven Effekte nachweisen. Wichtig sei die persönliche Einweisung durch einen persönlichen Yogalehrer und das tägliche Üben von mindestens 30 Minuten.
„Körperorientiertes Yoga mit den zentralen Bestandteilen Asanas und Pranayama stellt einen vielversprechenden komplementären Ansatz in der Behandlung psychischer Störungen dar, den es in weiteren qualitativ hochwertigen Studien zu untersuchen gilt.“ Das ist die Schlussfolgerung von Rahel Klatte und Kollegen der Universität Jena, die im Ärzteblatt vom 25.3.2016 ihre systematische Literaturübersicht und Metaanalyse veröffentlichten.
Die Wissenschaftler analysierten 25 Studien, an denen 1339 Patienten teilgenommen hatten. Alle Teilnehmer litten an einer psychischen Störung. Yoga konnte die Symptome deutlich senken, was sich im Vergleich zu unbehandelten Studienteilnehmern zeigte. Die Effekte der Yoga-Behandlung waren sogar ähnlich groß wie die Wirksamkeit einer psychotherapeutischen Standardbehandlung.
„Darüber hinaus zeigen andere Studien, dass die Wirksamkeit einer Kombination von Yoga und einer psychotherapeutischen Behandlung, zum Beispiel einer kognitiv-behavioralen Therapie, über die Einzeleffekte der Interventionen hinausgeht.“ Ärzteblatt, 25.3.2016, S.199, Studie von Camila Vorkapic und Bernard Rangé (2014): Reducing the Symptomatology of Panic Disorder: The Effects of a Yoga Program Alone and in Combination with Cognitive-Behavioral Therapy. Frontiers in Psychiatry, 2014; 5: 177, doi: 10.3389/fpsyt.2014.00177, www.ncbi.nlm.nih.gov
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Links:
Rahel Klatte et al. (2016):
The Efficacy of Body-Oriented Yoga in Mental Disorders.
Dtsch Arztebl Int. 2016 Mar 25;113(12):195-202. doi: 10.3238/arztebl.2016.0195
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27118717
Richard P. Brown and Patricia L. Gerbarg (2005):
Sudarshan Kriya Yogic Breathing in the Treatment of Stress, Anxiety, and Depression:
Part II Clinical Applications and Guidelines
The Journal of Alternative and Complementary Medicine.
August 2005, 11(4): 711-717. doi:10.1089/acm.2005.11.711
www.liebertpub.com/…
Sameer A. Zope and Rakesh A Zope (2013):
Sudarshan kriya yoga: Breathing for health
International Journal of Yoga. 2013 Jan-Jun; 6(1): 4-10.
doi: 10.4103/0973-6131.105935
www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3573542/
Richard Brown, Patricia Gerbarg:
The Healing Power of Breath
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Beitrag vom 18.2.2026 (begonnen am 1.10.2019)


