Selbsthilfe bei Rückenschmerzen: Lass Gürtel weg und sitze nicht zu nah am Regal – und was sonst noch hilft

„Niemand hält mir den Rücken frei. Manchmal lassen sich die Dinge kaum noch schultern. Überhaupt kann mein Rücken mich ganz schön be-drücken. Aber jeder hat sein Kreuz zu tragen – wird sich schon wieder einrenken.“ Wie sehr unser Rücken schmerzt, hängt zum einen von den echten körperlichen Schäden ab – zum anderen aber auch von unserer inneren Anspannung, von den Muskeln und den Faszien.

Vielleicht hast du fast unauffällige Röntgen- und MRT-Bilder, aber sehr grosse Schmerzen. Andere, bei denen schwerere Schäden zufällig festgestellt werden, sind nahezu beschwerdefrei. Schmerz und messbarer Schaden passen oft nicht zusammen.

Rücken- und Nackenschmerzen haben manchmal erstaunliche Gründe: „Huch! Hoffentlich hat das jetzt keiner gesehen!“, denken wir, und schauen uns erschrocken um, nachdem wir gestolpert sind. Die Vorstellung oder das Gefühl, beobachtet zu werden, ist uns manchmal mehr, manchmal weniger bewusst. Manchmal fühlen wir uns von unseren „inneren Objekten“ beobachtet, also z.B. von strengen Personen, die wir in unserer Vorstellung mit uns tragen. Oft beobachten wir uns auch selbst allzu streng und verkrampfen dadurch. Wenn uns bewusst ist, dass allein das Gefühl, erwartungsvoll angeblickt zu werden, ein Grund für Muskelverkrampfungen und Nackenstarre sein können, fällt uns die bewusste Entspannung vielleicht leichter.

Das „steckt uns noch in den Knochen“, sagen wir, wenn wir etwas Schlimmes erlebt haben. Oder wir meinen, wir müssten uns für unsere Liebsten oder Vorgesetzten verbiegen. Oftmals hilft es, zu erzählen und zu weinen, denn gerade das Weinen wirkt entspannend. Auch eine gute Bauchmasssage kann sich positiv auf den Rücken auswirken. Achte im Stehen darauf, dass der Bauch nicht zu sehr nach vorne kommt, also hole die Schultern etwas hervor und gehe ein bisschen in die Knie.

Falsche Haltung plus Kummer macht den Schmerz

Da gibt es Musiker, die mit ihrer schiefen Körperhaltung alt werden und kaum an Rückenschmerzen leiden. Da schmiedet der Schmied sein Leben lang mit großer Hingabe, doch Rückenschmerzen schränken ihn kaum ein. Kaum sitzen wir am Laptop, um die Steuererklärung zu erledigen, sind wir verspannt. Suchen wir uns jedoch den nächsten Urlaub aus, können wir stundenlang surfen – unser Rücken nimmt es uns nicht krumm. Rückenschmerzen können durch Fehlhaltungen entstehen. Aber nicht jede Fehlhaltung führt zu Rückenschmerzen. Es scheint oft so, als würden sich erst Kummer und Ärger mit der „Fehlhaltung“ zusammen zum Schmerz vereinen.

Der „Hexenschuss“ kommt wie aus heiterem Himmel. Eine falsche Bewegung und nichts geht mehr. Vorbei sind Kummer, Sorgen und Konflikte – ähnlich wie beim Zahnschmerz dreht sich alles nur noch um diesen einen körperlichen Schmerz. Manchmal hilft es, sich zu fragen, was denn vorher war und welche Hexe uns geärgert hat. Hexenschüsse entstehen oft bei schnellen, kombinierten Minimalbewegungen, also z.B. beim plötzlichen Drehen und Hochkommen in der Vorbeuge.

Selbsthilfe bei Rückenschmerzen

  • Trage weite Kleidung, lasse Gürtel weg. Nutze Stühle, auf denen du mit breiten Beinen sitzen kannst, also z.B. Bürostühle ohne Armlehnen oder auch mal Hocker.
  • Ein bisschen „Feng-Shui“ ist auch dabei: Stelle nichts zu nah hinter dich. Ein volles Regal, das direkt hinter deinem Schreibtischstuhl steht, bemerkt dein Rücken. Unbewusst achtest du darauf, dich spontan nicht zu viel zu bewegen. Halte dir also wortwörtlich den Rücken frei.
  • Achte auf „innere Beobachter“. Manchmal spannen wir uns an, weil wir uns vorbewusst oder unbewusst einen kritischen Beobachter vorstellen. Manchmal, im Auto an der Ampel, haben wir die Vorstellung, der andere würde uns aus dem Nebenauto kritisch anschauen. Dann trauen wir uns kaum, uns zu bewegen. Schauen wir jedoch rüber, stellen wir vielleicht fest, dass sich der Nebenmann überhaupt nicht für uns interessiert.
  • Bleib aufrichtig. Schuldgefühle lasten auf unseren Schultern und gehen ins Kreuz. Das „Kreuz“ ist das Symbol für die Schuld. Wenn wir meinen, lügen zu müssen, verspannen wir uns. Der Rücken versucht dann sozusagen, das in uns festzuhalten, was wir nicht sagen wollen. Be-rück-sichtige auch die negativen Gefühle. Versuche nicht, sie vor dir selbst zu verstecken. Sei zu dir selbst rück-sichts-voll.

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Links und Literatur:

Ein empfehlenswertes Buch zum Thema Rückenschmerzen hat die Psychoanalytikerin und Körperpsychotherapeutin Dr. Helga Pohl geschrieben („Unerklärliche Beschwerden?“). Mit ihrer Pohltherapie® hilft sie täglich Menschen, deren Rückenbeschwerden zuvor als rein „psychosomatisch“ bezeichnet wurden. Unter anderem mit einer speziellen Anleitung zur Selbsthilfe gelingt es der Therapeutin, dass sich verspannte Muskeln wieder bewusster steuern lassen. Dr. Helga Pohl:
Unerklärliche Beschwerden? Chronische Schmerzen und andere Leiden körpertherapeutisch verstehen und behandeln. MensSana-Verlag bei Knaur, 2010, amazon

Rupert Sheldrake
Research on the Feeling of Being Stared At
Skeptical Inquirer March/April 2001, pages 58-61
www.sheldrake.org/…

Sarah E. Lamb et al.:
Group cognitive behavioural treatment for low-back pain in primary care:
a randomised controlled trial and cost-effectiveness analysis.
The Lancet, Volume 375, Issue 9718, Pages 916 – 923, 13 March 2010
doi:10.1016/S0140-6736(09)62164-4

Prof. Dr. rer. biol. hum. Dipl. Psych. Michael Pfingsten:
Rückenschmerzen und Psychologie
Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (Pre-Publishing Online)
(PDF)

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am: 10.2.2011
Aktualisiert am: 25.12.2025

One thought on “Selbsthilfe bei Rückenschmerzen: Lass Gürtel weg und sitze nicht zu nah am Regal – und was sonst noch hilft

  1. SaskiaN sagt:

    Gerade stehen, den Bauchnabel einziehen und dazu Rückenschule hilft auch manchmal. Früher litt ich mal unter einer sehr starken Depression, da hatte sich auch meine Rückenmuskulatur verkürzt und verursachte starke Schmerzen. Das wusste ich leider nicht und der Hausarzt und Orthopäde scheinbar auch nicht(Jahrelang Schmerzen, so ein Skandal, finde ich heute noch…). Aber die Sporttherapeutin wusste das ;-)

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