Das General Health Questionnaire 12 (GHQ-12), die Global Assessment of Functioning Scale (GAF-Skala) und die Symptomcheckliste SCL-90 sind gängige Fragebögen in der Psychotherapie
Das „General Health Questionnaire 12“ (GHQ-12) ist ein Fragebogen, mit dem der Arzt/Psychologe grob erfassen kann, wie „psychisch gesund“ eine Person ist. Der Fragebogen besteht aus 12 Items (= Fragepunkten). Die Fragen sehen zum Beispiel so aus: „Haben Sie in den letzten Wochen wegen Sorgen weniger geschlafen?“ Antwort: „nein“, „nicht schlechter als üblich“, „schlechter als üblich“ oder „viel schlechter als üblich“.
Es gibt zu jeder Frage vier Antwortmöglichkeiten. Da psychologische Tests dem Urheberrecht unterliegen, sind sie im Internet nur schwer zu finden. Psychologische Tests müssen gekauft werden, z.B. über die Testzentrale.de. Der GHQ-12 ist zum Beispiel auf Seite 56 dieser Dissertation zu finden: Simone Braun: „Erfassung depressiver Störungen in der Primärversorgung: Validität des Brief Patient Health Questionnaire (B-PHQ) und des General Health Questionnaire (GHQ-12)“ http://edoc.ub.uni-muenchen.de/372/
GAF-Skala
Ein Arzt oder Psychologe beurteilt mithilfe der GAF-Skala (Global Assesment of Fuctioning Scale) wie gut ein Patient psychisch, sozial und beruflich maximal „funktioniert“. Die GAF-Skala ist Teil des Diagnosesystems DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) und entspricht der „Achse V“.
Das Funktionsniveau wird mit Zahlen von 1 bis 100 bewertet (= Krankheit bis Gesundheit):
100-91 = Optimale Funktion in allen Bereichen
90-81 = Gute Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten
80-71 = Höchstens leichte Beeinträchtigung
60-51 = Mäßig ausgeprägte Störung
50-41 = Ernsthafte Beeinträchtigung
40-31 = Starke Beeinträchtigung in mehreren Bereichen
30-21 = Leistungsunfähigkeit in fast allen Bereichen
20-11 = Selbst- oder Fremdgefährlichkeit
10-1 = Ständige Gefahr oder anhaltende Unfähigkeit
0 = Unzureichende Informationen
SCL-90: Symptomcheckliste bei psychischen Störungen
Der SCL-90 misst, wie sehr ein Patient an seinen körperlichen und psychischen Symptomen leidet. Die Checkliste wurde von dem Psychologen Leonard Derogatis entwickelt (SCL-90-R = revidierte Version 1994). Man kann die Checkliste über die Testzentrale.de bestellen. Der SCL-90 erfasst in seinen 90 Items sowohl körperliche als auch psychische Symptome. Dazu kann der Patient seine Beschwerden innerhalb der letzten 7 Tage anhand einer 5-stufigen Likertskala bewerten („überhaupt nicht“ 0 bis „sehr stark“ 4). Der SCL-90 enthält folgende 9 Skalen und 3 globale Kennwerte:
Skala 1: Somatisierung (SOMA)
Skala 2: Zwanghaftigkeit (AGGR)
Skala 3: Unsicherheit im Sozialkontakt (UNSI)
Skala 4: Depressivität (DEPR)
Skala 5: Ängstlichkeit (ANGS)
Skala 6: Aggressivität (AGGR)
Skala 7: Phobische Angst (PHOB)
Skala 8: Paranoides Denken (PARA)
Skala 9: Psychotizismus (PSYC)
GSI: Global Severity Index. Durchschnittliche psychische Belastung auf 90 Items
PSDI: Positive Symptom Distress Index. Bezieht sich auf die Schwere der Beeinträchtigung bei den Items, bei denen eine psychische Belastung vorliegt
PST: Positive Symptom Total. Anzahl aller Items, bei denen psychische Beschwerden vorliegen
Hier ein paar Ausschnitte über die Punkte, die in der Checkliste abgefragt werden:
Skala I: Somatisierung (SOMA)
Item 1: Kopfschmerzen
Item 4: Ohnmachts- oder Schwindelgefühle
Item 12: Herz- und Brustschmerzen
Item 27: Kreuzschmerzen
Item 40: Übelkeit oder Magenverstimmung
Item 42: Muskelschmerzen
Item 48: Schwierigkeiten beim Amten
Item 49: Hitzewallungen oder Kälteschauer
Item 52: Taubheit oder Kribbeln
Item 53: Kloßgefühl im Hals
Item 56: Schwächegefühl in einzelnen Körperteilen
Item 58: Schweregefühl in Armen oder Beinen
Skala 2: Zwanghaftigkeit (ZWAN)
Item 3: immer wieder auftauchende unangenehme Gedanken, Worte oder Ideen, die Ihnen nicht aus dem Kopf gehen
Item 9: Gedächtnisschwierigkeiten
Item 10: Beunruhigung wegen Achtlosigkeit und Nachlässigkeit
Item 28: Gefühl, dass es schwerfällt, etwas anzufangen
Item 38: Notwendigkeit, alles sehr langsam zu tun, um sicher zu sein, dass alles richtig wird
Item 46: Schwierigkeiten, sich zu entscheiden
Item 51: Leere im Kopf
(…)
Skala 8: Paranoides Denken (PARA)
Item 8: Gefühl, dass andere an den meisten Ihrer Schwierigkeiten schuld sind
Item 43: Gefühl, dass andere Sie beobachten oder über Sie reden
Item 68: Ideen oder Anschauungen, die andere nicht mit Ihnen teilen
Short Form 36 – Der Fragebogen zum Gesundheitszustand
Im „Fragebogen zum Gesundheitszustand“ SF 36 kann der Patient angeben, wie gesund oder krank er sich fühlt. Das Ergebnis zeigt an, wie hoch die „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ (Health Related Quality of Life, HRQoL) des Patienten ist.
Es werden folgende Punkte erfasst:
Körperliche Funktionsfähigkeit: Wie gut kann der Patient sich selbst versorgen, gehen, Treppen steigen usw.?
Körperliche Rollenfunktion: Wie gut kann der Patient seiner Arbeit oder anderen täglichen Aktivitäten nachgehen?
Körperlicher Schmerz: Wie sehr leidet der Patient unter körperlichen Schmerzen?
Allgemeine Gesundheitswahrnehmung: Wie beurteilt der Patient selbst seinen Gesundheitszustand? Für wie widerstandsfähig hält er sich?
Vitalität: Fühlt der Patient sich energiegeladen oder erschöpft?
Soziale Funktionsfähigkeit: Wie sehr werden soziale Aktivitäten durch gesundheitliche Probleme eingeschränkt?
Emotionale Rollenfunktion: Wie sehr beeinträchten emotionale Probleme die Arbeit oder die täglichen Aktivitäten?
Psychisches Wohlbefinden: Fühlt sich der Patient psychisch gesund und positiv gestimmt oder eher depressiv und ängstlich?
Veränderung des Gesundheitszustandes: Wie hat sich der Gesundheitszustand im Vergleich zum vergangenen Jahr aus Sicht des Patienten verändert?
Englischsprachiger Fragebogen SF 36 (PDF)
http://www.anapsid.org/cnd/files/sf36.pdf
Brief Symptom Inventory (BSI, BSCL)
Das Brief Symptom Inventory (BSI, Kurz-Fragebogen zur Symptombelastung) ist ein Fragebogen, mit dem die psychische Belastung eines Patienten gemessen werden kann. Das BSI besteht aus 53 Items, also Aussagen, zu denen der Patient sagen soll, ob sie gar nicht, wenig, mittelmäßig, stark oder sehr stark zutreffen. Höhere Werte sprechen für eine größere Belastung. Diese 5-stufige Antwortmöglichkeit wird als „Likert-Skala“ bezeichnet (gar nicht = 0, sehr stark = 4). Das BSI ist eine Kurzform der Symptom-Checkliste SCL-90-R und wurde von Leonard Derogatis 1975 entwickelt. Der neue Name des BSI ist „BSCL“, also „Brief Symptom Check List“.