“Der Turm, der wackelt, der Turm, der wackelt, die oberste Spitze fällt ab.” Kennen Sie dieses Kinderlied? Wie an der Spitze eines solchen Turmes muss sich ein Kind fühlen, dass eine hochambivalente Mutter hat. Ob es Mütter gibt, die “nur schlecht” sind, wage ich zu bezweifeln. Wohl alle Mütter haben auch gesunde, ruhige und liebevolle Seiten. Doch das Kind einer ambivalenten Mutter, die in extremem Ausmaß mal so, mal so ist, kann sich nicht orientieren. Das Kind wird davon ganz unruhig. Es kann nicht einfach “sein”. Es muss immer die Lage checken und sich fragen: “Wie ist mir die Mutter heute gesinnt? Bekomme ich plötzlich Prügel oder Strafen, obwohl ich nichts Schlimmes getan habe? Wird sie nett und zugewandt sein? Ist sie gut gelaunt? Kann sie ertragen, wenn es mir gut geht?” (Text: © Dunja Voos, Bild: © Gitti, Pixelio) [Read more...]
Die hochambivalente Mutter
Mentalisierung (Reflexion):
Warum wir über uns und andere nachdenken können
Meistens können wir uns unsere Gefühle und unser Verhalten selbst erklären. Wir können uns vorstellen, wie es ist, wenn wir ärgerlich sind, warum wir es sind und wie wir uns beruhigen können. Wir können aber auch in Grenzen ahnen, was im Kopf unseres Gegenübers vorgeht. Wir können uns vorstellen, was er sich wünscht, welche Gefühle und Überzeugungen er hat, ob er die Wahrheit sagt oder lügt – und verstehen auch das. Diese Fähigkeit, uns “mentale Zustände” in uns selbst und in anderen vorzustellen, heißt “Reflexionsfunktion”, oder auch “Mentalisierungsfunktion”. Wir erlangen diese Fähigkeit bereits im Kleinkindalter – allerdings nicht von selbst: Die enge Bindung zu Mutter und Vater (bzw. einer verlässlichen Bezugsperson) ist dabei unabdingbar. [Read more...]
Einsamkeit: Am schlimmsten sind die Sonntage
Sonn- und Feiertage – einsame Menschen würden sie am liebsten abschaffen. Auch die Abende oder schlaflosen Nächte können die Einsamkeit verstärken. Viele Menschen sind davon betroffen. Aber darüber sprechen – das tun nur die wenigsten. Meistens schämen sich die Einsamen ihrer Einsamkeit. Eine stille Wut auf die anderen und ein schmerzender Neid auf alle, die nicht einsam sind, macht sich breit. Dabei sind nicht nur alte und kranke Menschen oder “komische Kauze” betroffen – gerade die Singles in den besten Jahren, beruflich erfolgreiche und attraktive Frauen und Männer sind einsam und halten die Stille kaum länger aus. Geplatzte Träume oder Kinderlosigkeit wider Willen lässt den Schmerz an manchen (Feier-)Tagen sehr, sehr groß werden. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Heinz Lampe, Pixelio) [Read more...]
Shared Attention – geteilte Aufmerksamkeit
Mutter (Vater, Oma, Opa …) und Kind können einander betrachten, miteinander kuscheln, spielen und reden. Oder aber sie können beisammen sein, während jeder seiner Beschäftigung nachgeht: Die Mutter kocht, das Kind spielt. Eine Idylle – und eine wichtige Erfahrung für beide.
Dann gibt es noch die “Shared Attention”, die “geteilte Aufmerksamkeit”, bei der Mutter und Kind sich gemeinsam um etwas kümmern, zusammen etwas schaffen oder gemeinsam etwas betrachten. Beide schauen auf dasselbe “Dritte” mit demselben Interesse und derselben Freude. Auch diese Erfahrung ist ganz wichtig. Kinder, die diese Erfahrung oft genug und ausreichend lang mit der Mutter (dem Vater etc.) gemacht haben, können sich leicht mit anderen auf etwas Gemeinsames einlassen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Erika Hartmann, Pixelio)
Depersonalisation und Derealisation
Es gibt Momente, da wird’s einem ganz komisch. In unangenehmer Weise meint man, neben sich zu stehen. Man fühlt sich dabei völlig isoliert, ohne Bezug zu sich selbst oder zu anderen. Diesen Zustand nennen Ärzte und Psychologen “Depersonalisation”. Dieses Gefühl tritt häufig ab der Pubertät auf sowie bei psychischer Anspannung. Besonders gut kennen es Patienten mit einer Angst- oder Borderlinestörung. Da erscheint einem z.B. die eigene Hand ganz fremd oder man hört sich lachen und hat das Gefühl, man ist emotional ganz woanders. Nach ein paar Momenten vergeht dieses Gefühl wieder. Das gleiche Gefühl kann sich auch in Bezug auf die Umwelt einstellen. Alles um einen herum kommt einem dann fremd vor. Das bezeichnet man als “Derealisation”. Oft sind die Zustände “Derealisation” und “Depersonalisation” nicht zu trennen – sie treten oft gleichzeitig auf. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio) [Read more...]
Triangulierung – Vater, Mutter, Kind
Am Anfang des Lebens eines Kindes steht die enge Beziehung zur Mutter. Das Kind war neun Monate lang aufs engste mit der Mutter verbunden, dann folgt die Stillzeit. Wie in einer Symbiose verbringt das Mutter-Kind-Paar die ersten Wochen miteinander. Doch so bleibt es natürlich nicht auf Dauer – und das ist auch gut so. Der Vater als “trennender Dritter” sorgt dafür, dass das Kind den Weg “nach draußen” findet. In dieser sogenannten frühkindlichen Triangulierung lernt das Kind, dass es sich ruhig von der Mutter trennen kann und dabei von einem Dritten, dem Vater, aufgefangen wird. Gleichzeitig wird aber auch unter seinem Schutz die enge Beziehung zur Mutter möglich. Somit verbindet und trennt der Vater gleichzeitig. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Veronika Verenin, Pixelio) [Read more...]
Attunement (Affektabstimmung)
Von gutem “Attunement” (tune [englisch] = Einklang, Harmonie) sprechen Entwicklungspsychologen oft, wenn sich die Mutter gefühlsmäßig auf ihr Kind einstellen kann. Säuglinge können sich nur durch Laute, Bewegungen und Grimassen äußern. Die Mutter, die ein gutes Attunement zeigt, kann sich in den Säugling einfühlen und erspüren, was er mit seinen Äußerungen meint. Der Säugling wiederum antwortet mit Zufriedenheit – Mutter und Kind sind gut aufeinander abgestimmt. Der Begriff wurde von dem Psychoanalytiker Daniel Stern (1934-2012) geprägt. Natürlich kann es “Attunement” in jeder Beziehung geben: Zwischen Vater und Kind, zwischen Therapeut und Patient, zwischen erwachsenen Partnern sowie zwischen Kindern untereinander. (Text: © Dunja Voos, Bild: © nature.picture, Pixelio) [Read more...]
Wieviel Herd verträgt die Frau?
Unter Müttern wird heiß diskutiert: Wieviel Kinderbetreuung ist nötig? Wieviel kann/darf die Mutter arbeiten und wie sehr sollte sie sich um die Kinder kümmern? Die “Herdprämie” hat diese Diskussion angeheizt. (Als “Herdprämie” wird das Betreuungsgeld bezeichnet, das Eltern erhalten, wenn sie ihre Kinder selbst betreuen und nicht in die Kindertagesstätte schicken.) Gerade unter Müttern wird viel über den “Herd” diskutiert – er ist ein interessantes Symbol unserer Zeit. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Petra Bork, Pixelio) [Read more...]
“Du musst mal lernen, loszulassen.”
Manchmal übertreiben wir es mit unserer “Loslass-Kultur”. Natürlich gibt es krankhafte “Ödipussis”, bei denen das “Sich-nicht-trennen-Können” eine große Rolle spielt. Doch heute hören und geben wir diesen Rat oft zu schnell. Da ist die Frau, die vor einem Jahr ihren Mann verloren hat. Da ist die junge Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind nicht bei der Tagesmutter lassen will. Und dann ist da derjenige, der es “gut” mit uns meint und sagt: “Du musst mal lernen, loszulassen.” (Text: © Dunja Voos, Bild: © Günter Havlena, Pixelio) [Read more...]
Paul Ekman – der “Gesichtsforscher”
Sind wir überrascht, heben wir die Augenbrauen und öffnen die Augen weit. Das tun alle Menschen auf der Welt – unsere Gesichter spechen eine Sprache. Der amerikanische Psychologe Paul Ekman hat sein ganzes Berufsleben lang Gesichter erforscht. Zusammen mit seinen Kollegen Wallace V. Friesen und Joseph C. Hager entwickelte er das “Facial Action Coding System”, eine Datensammlung einer schier unglaublichen Anzahl von Gesichtsausdrücken. Ekmans Erkenntnisse werden unter anderem in der Therapie von Menschen mit Autismus eingesetzt – hier können die Patienten “lernen”, welche Gesichtsausdrücke welche Gefühle ausdrücken. Paul Ekman erforschte jedoch nicht nur die Mimik, sondern auch die gesamte Körpersprache. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Katharina Wieland-Müller, Pixelio) [Read more...]
STEEP™ – der Kurs zur Freude am Elternsein;
Wie Elternschaft gelingt (WIEGE)
STEEP ist die Abkürzung für “Steps towards effective and enjoyable parenting”. Es ist ein 1986 in den USA entwickeltes Programm, das die Eltern schrittweise hinführt zu einer “gelingenden und Freude bereitenden Elternschaft”. In Deutschland heißt das Projekt “WiEge – Wie Elternschaft gelingt”. Das Programm entstand aus der “Minnesota Längsschnittstudie über Eltern und Kinder”. Zielgruppe sind werdende und frischgebackene Eltern von Kindern im Alter von 0-3 Jahren. Das Programm basiert auf der Bindungstheorie von John Bowlby. Es will die Eltern-Kind-Bindung stärken. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Klaus Kienitz, Pixelio) [Read more...]
“Das überträgt sich auf’s Kind”
Als Mutter hört man ein Argument besonders oft: “Das überträgt sich doch auf’s Kind!” Das sagen nicht nur Nachbarn und Feinde – äh – Freunde, sondern bisweilen auch Fachleute wie Kinderärzte, Lehrer oder Ergotherapeuten. Wann immer eine Mutter diesen Satz hört, fühlt sie sich dazu aufgefordert, sich besser zu kontrollieren: mit der Kita glücklich zu sein, die Wut auf den Partner nicht zu zeigen und todesmutig die große Spinne von der Wand zu entfernen. Doch dadurch würde sich nicht viel ändern. So sehr der Satz zutreffen kann, so sehr gehört er oft auch in die Kategorie “Laienpsychologie” – oft hat er nicht mehr Wahrheitsgehalt als Behauptungen wie: “Es liegt am Wetter” oder “Wenn du dich immer vor Masern fürchtest, bekommst du sie auch.” Warum lässt sich nicht immer so einfach sagen: “Das überträgt sich auf’s Kind!”? (Text: © Dunja Voos, Bild: © Peter A., Pixelio) [Read more...]



