Gesunde Erwachsene können abstrakt denken. Sie können zum Beispiel Symbole verstehen: Das “Herz” steht zum Beispiel für die Liebe – Erwachsene denken in diesem Zusammenhang eher selten an ein konkretes, echtes Herz. Sie können sich innerlich ein Urlaubsziel ausmalen und stressige Zeiten überstehen, indem sie sich auf den Urlaub freuen und sich ihr Urlaubsziel immer wieder vorstellen. Gesunde Erwachsene können auch denken, dass sie heute vielleicht “weiß wie die Wand” aussehen und verstehen darunter, dass sie ganz blass sind. Bei schweren psychischen Störungen, wie z.B. bei Psychosen, ist dieses “freie” und abstrakte Denken eingeschränkt – oder es hat sich sogar nie entwickelt. Der amerikanische Psychoanalytiker Harold Searles (geb. 1918) ist als Spezialist für die Psychotherapie bei Schizophrenien bekannt. Er hat in seinem Buch “Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung” sehr anschaulich beschrieben, wie sich das Denken Schizophrener vom Denken Gesunder unterscheidet und wie es sich vom krankhaften, konkreten Denken zum reiferen, abstrakteren Denken entwickelt. Searles vergleicht diese Entwicklungsschritte mit denen, die ein Kind durchläuft. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Lupo, Pixelio) [Weiterlesen...]
Wie sich das Denken entwickelt –
Harold Searles und die Psychosentherapie
Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende
Mein Buch “Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende” ist im August 2011 im Psychosozial-Verlag erschienen. Ich wende mich mit diesem Buch an Menschen mit psychischen Beschwerden, die auf der Suche nach Hilfe sind. Klar und einfach erkläre ich, wie psychoanalytische Therapien heute aussehen. Dabei muss niemand auf die Couch, der das nicht will. Die psychoanalytische Therapie “funktionert” auch sehr gut im Sitzen. Das Buch kostet 16,90 Euro. (Bild: © Psychosozial-Verlag) [Weiterlesen...]
Zwangsstörungen bei Kindern und Jugendlichen
Kleine Kinder können unglaublich zwanghaft sein. Da muss der Teddy in der richtigen Ecke sitzen, da darf die Mama nur über die weißen Steine laufen oder da muss der Fernseher zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgestellt werden. Kinder haben oft viele kleine oder größere Zwänge. Das ist Teil einer normalen Entwicklung. Zu einer “Störung” wird es erst, wenn die Zwänge einen Leidensdruck hervorrufen und wenn Eltern und Kind deutlich das Gefühl haben: das ist zu stark, zu lang anhaltend, zu einschränkend. So unangenehm sie sind – Zwänge haben häufig ihren Sinn. Wird der Sinn der Zwänge zum Beispiel in einer psychoanalytischen Psychotherapie verstanden, lassen sie häufig nach. Sowohl Ärzte als auch Patienten werden hier leider sehr einseitig geschult und “aufgeklärt”. Meistens ist überwiegend von der Verhaltenstherapie und von Medikamenten die Rede, wie kürzlich im Deutschen Ärzteblatt (18.3.2011). Doch tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapien sind ebenfalls wirksam; die Zwangsstörung ist in der Psychoanalyse schon lange als “Zwangsneurose” bekannt. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Knipseline, Pixelio) [Weiterlesen...]
“Du musst mal lernen, loszulassen.”
Manchmal übertreiben wir es mit unserer “Loslass-Kultur”. Natürlich gibt es krankhafte “Ödipussis”, bei denen das “Sich-nicht-trennen-Können” eine große Rolle spielt. Doch heute hören und geben wir diesen Rat oft zu schnell. Da ist die Frau, die vor einem Jahr ihren Mann verloren hat. Da ist die junge Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind nicht bei der Tagesmutter lassen will. Und dann ist da derjenige, der es “gut” mit uns meint und sagt: “Du musst mal lernen, loszulassen.” (Text: © Dunja Voos, Bild: © Günter Havlena, Pixelio) [Weiterlesen...]
Reflexionsfunktion (Mentalisierungsfunktion):
Wie wir unsere Gefühle kennenlernen
Meistens können wir uns unsere Gefühle und unser Verhalten selbst erklären. Wir können uns vorstellen, wie es ist, wenn wir ärgerlich sind, warum wir es sind und wie wir uns beruhigen können. Wir können aber auch in Grenzen ahnen, was im Kopf unseres Gegenübers vorgeht. Wir können uns vorstellen, was er sich wünscht, welche Gefühle und Überzeugungen er hat, ob er die Wahrheit sagt oder lügt – und verstehen auch das. Diese Fähigkeit, uns mentale Zustände in uns selbst und in anderen vorzustellen, heißt Reflexionsfunktion, oder auch Mentalisierungsfunktion. Wir erlangen diese Fähigkeit bereits im Kleinkindalter – allerdings nicht von selbst: Die enge Bindung zu Mutter und Vater (bzw. einer verlässlichen Bezugsperson) ist dabei unabdingbar. [Weiterlesen...]
Linktipp: Psychoanalytische Ressourcen
Vielfältige Informationen zum Thema Psychoanalyse liefert die Website www.psychoanalytische-ressourcen.de. Der Psychologe und Psychoanalytiker Dr. Parfen Laszig hat hier in liebevoller Kleinstarbeit alles aufgelistet, was das Psychoanalytiker-Herz begehrt: Ausbildungsstätten in ganz Deutschland, Links zu den wichtigsten Psychoanalytikern der Geschichte, zu Verbänden, Instituten und Verlagen. Aktuelle Informationen, die auch als Newsletter erhältlich sind, runden das Angebot ab. (Text: © Dunja Voos, Bild: Screenshot Psychoanalytische-Ressourcen.de) [Weiterlesen...]
Macht Psychotherapie nicht alles nur schlimmer?
Diese Frage begegnet mir oft – so auch kürzlich auf dem Internetportal “GuteFrage.de”. Wem es psychisch sehr schlecht geht, der ist gerade am Anfang in gewisser Weise “abhängig” von seinem Therapeuten. Der Therapeut behält den Überblick wie ein Kapitän auf tosender See. Ähnlich wie man mit einem entzündeten Blinddarm darauf angewiesen sind, dass der diensthabende Chirurg schon alles richtig machen wird, so ist man bei starkem seelischen Leiden auch darauf angewiesen, dass der Psychotherapeut fähig ist. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Petra Dirscherl, Pixelio) [Weiterlesen...]
Chronische Schmerzen und die Psyche
Wer andauernd unter Schmerzen leidet, der wird leicht mürbe und depressiv. Manchmal wird die Ursache des Schmerzes nicht gefunden – oder der gefundene körperliche Schaden ist weitaus geringer als der Schmerz vermuten lassen könnte. Nicht selten ist chronischer Schmerz der körperliche Ausdruck eines ungelösten psychischen Schmerzes (Blumer und Heilbronn 1982: 385)*. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Birgit H., Pixelio) [Weiterlesen...]
Psychoanalytisch (psychodynamisch, tiefenpsychologisch) orientierte Kliniken
Hier aktualisiere ich regelmäßig eine Adressliste mit psychoanalytisch orientierten Kliniken – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Auch eine Mutter-Kind-Psychotherapieklinik ist dabei (Psychotherapeutisches Zentrum, 97980 Bad Mergentheim). Weitere Vorschläge sind willkommen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio) [Weiterlesen...]
Psychoanalyse ist wirksam
Analytische Therapien wirken – das haben mehrere Studien erwiesen. Immer wieder wird die lange Dauer der Behandlung kritisiert: 240-300 Stunden sind keine Seltenheit. Doch eine Psychoanalyse bzw. psychoanalytische Therapie dauert so lange, weil sie eine Reifung der Persönlichkeit bewirken möchte. Mit dieser Veränderung gehen auch Symptome wie Ängste, Depressionen oder Zwänge zurück. Wenn die Analyse glückt, wird das Leben häufig reicher: Lebensfreude, Vitalität und Beziehungsfähigkeit kehren ein. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Karin Wülfing, Pixelio) [Weiterlesen...]
Buchtipp: Harold F. Searles:
Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung
Die “Collected Papers on Schizophrenia and Related Subjects” des Psychoanalytikers Harold F. Searles wurden erstmals im Jahr 1965 veröffentlicht. 2008 legte sie der Psychosozial-Verlag neu auf: Das Buch “Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung” ist 275 Seiten stark, eng bedruckt und herrlich gemütlich. Es wurde mit großer Sorgfalt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Sprache stammt ungewohnterweise aus der Zeit vor dem Internet. Man kann schmunzeln, wenn man Formulierungen wie diese liest: “so aber dünkt es mir völlig natürlich …” (S. 84). Erholsamerweise gibt es keine Info-, Merkkästen oder sonstige Marginalien. In aller Seelenruhe und höchst präzise beschreibt Searles seine Arbeit mit schizophrenen Patienten. Gänzlich unaufgeregt, sehr nüchtern und logisch erklärt er, wie das “Verrücktsein” entstehen und wie die psychoanalytische Behandlung helfen kann. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Psychosozial-Verlag) [Weiterlesen...]
Übertragung und Gegenübertragung
Wenn ich krank bin und zum Arzt gehe, dann habe ich Glück, wenn ich an einen weisen, wohlwollenden Arzt gerate. Durch die Krankheit bin ich geschwächt und hoffe nun, dass der Arzt mir hilft. In dieser Situation liegt es nahe, dass ich in dem helfenden Arzt einen “guten Vater” sehe. Dieses Bild, das ich mir in dieser Situation von dem Arzt mache, nennt man “Übertragung”. Der Arzt selbst spürt, dass ich Hilfe suche und in ihm einen guten Vater sehe. Er entwickelt mir gegenüber väterliche Gefühle und will mir helfen. Die Gefühle und Gedanken, die der Arzt in dieser Situation in Bezug auf mich entwickelt, nennt man “Gegenübertragung”. Wenn ich jedoch wieder gesund bin und denselben Arzt zum Beispiel beruflich wiedertreffe, habe ich vielleicht ein ganz anderes Bild von ihm. Vielleicht finde ich ihn plötzlich wenig väterlich, sondern vielmehr unangenehm besserwisserisch. Übertragung und Gegenübertragung sind sehr interessante Vorgänge. [Weiterlesen...]


