Sind Sie eine “Too-good-Mother”?
Babys, die zu viel schreien, schlecht schlafen oder wenig essen, leiden vielleicht unter einer “zu guten Mutter”. Der amerikanische Kinderpsychiater Donald W. Winnicott sagte bereits in den 60iger Jahren, dass eine Mutter nur “gut genug” (good enough) sein müsse. Ist sie jedoch zu gut (too good), dann bewirkt sie, dass das Kind keinen Raum hat, um sich selbst kennen zu lernen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio)
Gefühle wollen entstehen und wachsen
Eine Mutter, die füttert, bevor das Kind seinen Hunger spürt, nimmt ihm die Chance, die eigenen Gefühle zu entdecken und eigene Versuche zu unternehmen, mit dem Gefühl klar zu kommen. Daher ist es am besten, ab einem gewissen Alter leicht verzögert auf das Baby zu reagieren.
Voreilige Versorgung erzeugt Abwehr
Ein Kind, das immer schon etwas erhält, bevor es sich äußern durfte, wird sich irgendwann abwehrend verhalten. Es fühlt sich in seinem Eigenleben beschnitten und versucht, sich Raum zu schaffen, um eigene Gefühle zu erleben. Es schiebt die Mutter weg. Dadurch fühlt sich die Mutter abgelehnt und versucht umso mehr, dem Kind entgegenzukommen und seine Wünsche – vorzeitig – zu erfüllen. Das Kind wiederum fühlt sich unverstanden. Es versucht dann, die Mutter so zu steuern, dass sie Abstand hält. Es fordert so viel, bis ihr die Luft weg bleibt und sie tatsächlich nicht mehr alle Wünsche erfüllen kann. Es ist, als fordere das Kind sein Recht auf Frustration ein.
Wenn Abstand zu kurz kommt
Gesunden Abstand zu halten, das müssen viele Eltern erst lernen. Besonders, wenn es ihnen in ihrer eigenen Kindheit nicht gut gegangen ist. Eltern, die es zu gut meinen, haben Schreibabys, obwohl sie ihr Kind voll stillen und es im Tragetuch tragen – oder manchmal gerade deshalb. Alleinerziehende, denen der “trennende Vater” fehlt, versuchen oft, ihr Kind zufriedenzustellen, bevor es unzufrieden wird. Viele haben aus Erschöpfung Angst vor dem nächsten Schreien des Kindes. Wo immer es an “trennenden Dritten” fehlt, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass das Kind zu viel Nähe erfährt. Allein, sich dessen bewusst zu sein, kann helfen, den Abstand zu verbessern.
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Zu gut fürs Kind?
Psychologie heute, Februar 2010
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